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Bischof Zdarsa vollzieht nach Kirchenschändungen Bußritus

Als Aufschrei der Gläubigen zu verstehen

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Vöhringen - Nachdem ein Mann im Bistum Augsburg zwei Kirchen mit Graffiti verwüstet hatte, war der Schock groß. Eine der Kirchen blieb einen Monat geschlossen. Nun besuchte der Bischof die Orte und vollzog einen speziellen Ritus.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat am Freitagabend in den beiden Kirchen in Vöhringen und Bellenberg einen Bußritus vollzogen. Diese besondere Form der Liturgie war erforderlich geworden, nachdem vor einigen Wochen die Kirchenräume und Statuen teilweise großflächig beschmiert worden waren, teilte die Pfarreiengemeinschaft mit. In dem Bellenberger Gotteshaus "Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz" wurde Anfang März auch der Altarraum nicht verschont und laut der Gemeinde mit "satanistischen Parolen geschändet". Das Kirchenrecht sieht für solche Fälle einen Bußritus durch den Diözesanbischof vor.

Ende Februar hinterließ der Täter auf Wänden und Einrichtung der Kirche in Vöhringen mit goldener Sprühfarbe teils unsägliche Beschimpfungen, wie die Polizei mitteilte. Die Graffiti stellen unter anderem wüste Beleidigungen gegen die Kirche sowie die Polizei dar. Derselbe Mann beschmierte drei Tage später in Bellenberg die Wände, den Altar und das Orgelgehäuse der Kirche. Am selben Tag fasste ihn die Polizei.

Bischof: Aufschrei auch gegen Verletzung des Lebens nötig

In  seiner Predigt am Freitag betonte Zdarsa in Bellenberg, der Bußritus sei "ein ausdrückliches Bekenntnis unserer Entschlossenheit, dass wir nicht einfach hinnehmen werden, wenn unser Glauben und unser Glaubensleben verspottet, geschmäht, ausgegrenzt und angegriffen werden." Diese Liturgie sei ein Zeichen, das auch als Aufschrei der Gläubigen verstanden werden könne. In den Kirchen seien wertvolle Bilder und Skulpturen verunstaltet und beschädigt worden. Sie könnten mit hohem, auch finanziellen, Aufwand restauriert und repariert werden, sagte der Bischof und wandte sich den Themen Abtreibung und Krieg zu: "Aber wer schreit denn von uns, wenn die Ebenbilder Gottes zu Hunderttausenden schon im Mutterleib zerstückelt und zerstört, dem Hungertod und Bombenhagel ausgeliefert und wegen ihres Glaubens verfolgt und vertrieben, grausam gequält, gefoltert und öffentlich hingerichtet werden?"

Zdarsa fragte weiter: "Welchen Bußritus vollziehen wir denn für die unzähligen zerstörten und geschändeten Kirchen und Gotteshäuser unserer Schwestern und Brüder gerade einmal zwei, drei Flugstunden von hier entfernt?" Es gebe keinen Grund, diese Verletzung der Gefühle der Gläubigen, den hohen materiellen Schaden und den ausdrücklich manifestierten Hass auf Glauben und Kirche von vornherein kleinzureden und zu verharmlosen. Die Anzeige bei der Polizei und die Verfolgung durch die Justiz seien mehr als gerechtfertigt. Und doch müssten die lokalen Gläubigen diese Kirchenschändung genauer übersetzen und sich fragen: "Muss sie nicht doch als ein Aufschrei verstanden werden über die Erfahrung von Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit der eigenen Existenz?"

Bitte um Heilung der durch Hass entstandenen Verletzungen

Der Bußritus in Bellenberg wurde im Rahmen einer abendlichen Eucharistiefeier vollzogen. Als Zeichen der Buße hatten der Bischof und die anderen Priester Gewänder in violetter Farbe angelegt, also die auch in der Fastenzeit übliche liturgische Farbe. Zu Beginn war der Altar abgedeckt und alle Zeichen der Freude und der Festlichkeit wie brennende Lichter und Altartücher waren entfernt.

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Innerhalb einer Woche wurden im Bistum Augsburg drei Kirchen mit Beschimpfungen beschmiert. Das veranlasst Bischof Zdarsa nun zu einer ungewöhnlichen Maßnahme nach dem Kirchenrecht.

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Der Gottesdienst begann vor der Kirche. Zdarsa betonte, er sei gekommen, um der Gemeinde zu zeigen, dass die Schändung der Kirchen nicht nur sie angehe. Wie zuvor bereits bei der Andacht in der Stadtpfarrkirche St. Michael in Vöhringen lud der Bischof dann zu einem Gebet um Heilung und Versöhnung ein: "Heile die Verletzungen, die uns die Schändung der Kirche zugefügt hat. Heile die Verletzungen, die Menschen einander zufügen und lass sie ihren Hass überwinden."

Anschließend folgte das gemeinsame Gebet der Allerheiligen-Litanei, während der die Gottesdienstgemeinde durch die geöffneten Portale in die Kirche einzog. Dort segnete der Oberhirte Weihwasser, mit dem er den Altar, die Gläubigen und die Kirchenwände als äußeres Zeichen der Reinigung besprengte. Nach dem Wortgottesdienst wurde zu Beginn der Eucharistiefeier der Altar vom Diakon und den Ministranten mit dem Altartuch bedeckt. Außerdem stellten sie Kerzenleuchter auf den Altar, bevor die Eucharistiefeier in gewohnter Form fortgesetzt und mit einem Segensbebet abgeschlossen wurde.

Am Ende des Gottesdienstes richtete sich Pfarrer Martin Straub an Bischof und die Gläubigen: "Die Kirchenschändungen waren für unsere Pfarreiengemeinschaft eine schmerzliche Erfahrung. Umso mehr sind wir heute über ihren bischöflichen Beistand dankbar." Er bedankte sich beim Bistum Augsburg, dass dieses die Kosten für den entstandenen Schaden in voller Höhe übernehmen werde. Dieser könne noch nicht beziffert werden, weil die Arbeiten noch nicht abgeschlossen seien. "Aber es werden insgesamt mehrere zehntausend Euro sein", so Straub.

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