Suche
Neue Ausstellung über die Alltagsfrömmigkeit vor der Reformation

Als Christus durch die Kirche schwebte

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Laubholz mit Vergoldung
Mühlhausen - Ablasshandel und Ämterkauf, Angst und Aberglaube: Kirche und Religion des Spätmittelalters haben bis heute keinen guten Ruf. Eine Sonderausstellung im thüringischen Mühlhausen soll ab Sonntag Vorurteile über die vielfältige Alltagsfrömmigkeit in den Jahrzehnten vor der Reformation entkräften.

Im Museum am Lindenbühl sind bis zum 13. April 2014 rund 300 Exponate zu sehen. Präsentiert werden weniger die üblichen Kostbarkeiten solcher Mittelalterschauen wie goldene Kelche oder prunkvolle Messgewänder, betont Kurator Hartmut Kühne. Im Mittelpunkt stehen "kaum bekannte Schätze" vor allem aus Sammlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

So ist die Holzfigur eines "Auffahrtschristus" aus Eythra bei Leipzig zu sehen. In den Gottesdiensten zum Fest Christi Himmelfahrt wurde sie in der Dorfkirche mit einem Seil in die Höhe gehievt. Dort entzog sie sich dann durch ein Loch in der Kirchendecke den Blicken. Zu bestaunen sind in der Schau auch eiserne Handfesseln aus der Wallfahrtskirche im brandenburgischen Bad Wilsnack. Dort waren sie vermutlich als Zeichen dafür ausgestellt, dass Gebete um Rettung aus einer Gefangenschaft erhört wurden. Die Ausstellungsmacher vermuten, dass es die ältesten erhaltenen Handschellen Europas sind.

"Umsonst ist der Tod"

"Umsonst ist der Tod" heißt der Titel der Ausstellung. Er spielt auf die Bestrebungen der Menschen in der Zeit um 1500 an, etwa durch Prozessionen und Wallfahrten das Seelenheil sicherzustellen oder auch ganz irdische Wünsche wahr werden zu lassen. Das religiöse Brauchtum zu Zeiten des jungen Luther stellt sich aus heutiger Perspektive nicht selten kurios dar, räumt Kurator Kühne ein. So durchweg verkommen, wie es die Reformatoren zur Begründung ihre Aktivitäten oft darstellten, war es aber auch nicht, betont der Berliner Kirchenhistoriker zugleich.

Doch besonders in Mitteldeutschland, dem "Mutterland der Reformation", ist das Bild des ausgehenden Mittelalters "durch Vorurteile und Unkenntnis geprägt", erklärt Kühne einen Impuls zu der Ausstellung. Dies zu ändern, haben die Mühlhäuser Museen und weitere historische Institutionen in Mitteldeutschland das Projekt gestartet.

Ausstellungsort mit Bedacht

Den ersten Ausstellungsort wählten sie mit Bedacht: Mühlhausen ist vor allem durch den radikalen Reformator Thomas Müntzer (1489-1525) bekannt, der die damalige freie Reichsstadt zu einem Zentrum des Bauernkriegs von 1525 machte. Anschließend wechselt die Schau ins Stadtgeschichtliche Museum Leipzig (28. Mai 2014 bis 7. September 2014) und anschließend ins Kulturhistorische Museum Magdeburg (7. November 2014 bis 15. Februar 2015).

Die Ausstellung setzt auch einen ökumenischen Akzent. Sie steht unter der Schirmherrschaft der evangelischen und katholischen Bischöfe in Mitteldeutschland. Damit entspricht sie dem Wunsch in beiden Kirchen, das 500-Jahr-Gedenken des Reformationsbeginns im Jahr 2017 gemeinsam zu begehen.

Von Gregor Krumpholz (KNA)

kna-katholisch-swarm-node3 (0.013s)