Altes fortsetzen, Neues angehen
Herausforderungen für die Bischofskonferenz
Einen Vormittag hatten sich die Bischöfe und Weihbischöfe bei ihrer Vollversammlung Zeit genommen, um vor der Wahl des neuen Vorsitzenden über Herausforderungen und Probleme der Kirche in Deutschland zu sprechen. Zollitsch beschrieb die Debatte dazu zum Abschluss der Tagung als "intensiv und vielschichtig". "Die Erwartungen an unsere Konferenz steigen, die Herausforderungen ebenso und damit auch die Aufgaben und die Verantwortung", sagte der 75-Jährige. Die vergangenen Jahre seien - vor allem durch den im Jahr 2010 aufgebrochenen Missbrauchsskandal - für die Kirche "eine steinige Wegstrecke" gewesen.
Als konkrete Herausforderungen der Gegenwart nannte Zollitsch die Krise im Bistum Limburg und die laufende Diskussion über einen möglichen Umzug der Bischofskonferenz nach Berlin. Mit Blick auf die Causa Limburg betonte der ehemalige Vorsitzende, dass die Situation in der Diözese die Bischöfe sehr bedränge. Dem gewachsenen Misstrauen gegenüber dem Leitungs- und Lebensstil der Bischöfe müsse sich die Konferenz jedoch gemeinsam stellen. "Die Autorität des Amtes tritt in unserer pluralen Gesellschaft immer mehr in den Hintergrund, während die einzelne Persönlichkeit an Bedeutung gewinnt und somit Menschen für die Botschaft des Evangeliums öffnen kann - oder eben nicht", sagte Zollitsch. Der Prüfbericht über Kosten und Finanzierung des Neubaus des Limburger Bischofssitz, der dem Vatikan seit 3. März vorliegt, soll nach dem Willen des Erzbischofs auf jeden Fall veröffentlicht werden. Ob und wann dies geschieht, ist aber noch unklar.
Wiederverheiratete Geschiedene
Kardinal Marx hat Hoffnungen auf schnelle Veränderungen beim Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen gedämpft. "Wir sind nicht in einem Stadium, in dem wir fertige Lösungen haben", sagte der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz. Schließlich gehe es bei dem Thema um zentrale theologische Fragen. Der Münchner Erzbischof betonte zudem, dass einige Bischöfe befürchteten, die kirchliche Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe könne beinträchtigt werden, wenn die Möglichkeit einer Wiederheirat ins Auge gefasst werde.
Mit Blick auf die Bischofssynode im Oktober im Vatikan wollen die deutschen Bischöfe jedoch einen gemeinsamen Beitrag zur Debatte um die wiederverheirateten Geschiedenen einbringen. Dieser Bericht - der nach Auskunft von Erzbischof Zollitsch beim nächsten Ständigen Rat Ende April beschlossen werden könnte - soll auch Vorschläge für einen "pastoralen Weg der Versöhnung" enthalten. Die Beratungen über den Entwurf des Berichts seien von dem Vortrag, den Kardinal Walter Kasper beim Konsistorium im Februar gehalten hatte, mit bestimmt gewesen.
Transparenz kirchlicher Finanzen
Das Ziel ist klar: Die Bischöfe wollen die kirchlichen Finanzen transparenter machen. "Wir verstehen das wachsende Bedürfnis der Menschen zu wissen, über welches Vermögen die deutschen Bistümer verfügen und für welche Zwecke diese Mittel verwendet werden", sagte Erzbischof Zollitsch. Die Vollversammlung habe bei ihren Beratungen den ersten Zwischenbericht einer Arbeitsgruppe diskutiert, die sich systematisch mit diesem Themenfeld auseinadersetzt und Handlungsempfehlungen erarbeiten soll. "Dabei ist auch die enorme Komplexität deutlich geworden, die diesem Vorhaben zugrunde liegt, denn die Organisation und Verfasstheit eines Bistums ist nicht mit dem eines Wirtschaftsunternehmens vergleichbar", betonte der ehemalige Vorsitzende. Trotzdem hätten die Bischöfe ihre Absicht bekräftigt, gemeinsam Anstrengungen zu unternehmen, um das Maß an Transparenz über die Finanzen der Kirche und deren Kontrolle deutlich zu erhöhen. Kardinal Marx mahnte hierbei aber zur Geduld.
Forschungsprojekt zum Missbrauchsskandal
Bei der Vollversammlung haben die Bischöfe "grünes Licht" für einen Neustart der wissenschaftlichen Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals gegeben. Der Neustart war notwendig geworden, nachdem die Bischofskonferenz Anfang 2013 die Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinistitut Niedersachsen und dessen Leiter Christian Pfeiffer aufgrund von Differenzen beendet hatte. Noch vor Ostern soll nun der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann, bei einer Pressekonferenz das neue Forschungsprojekt und die neuen Projektpartner vorstellen.
Studientag zur Religionsfreiheit
Breiten Raum bei den Beratungen der Vollversammlung nahm ein Studienhalbtag zur Religionsfreiheit ein. Erzbischof Zollitsch betonte, dass sich die katholische Kirche in Deutschland weiterhin dem Dienst an der Religionsfreiheit verpflichtet fühle. "Nur so kann die Kirche dem Evangelium gerecht werden, nur so handelt sie im Interesse der Christen und zugleich aller Menschen", sagte der emeritierte Freiburger Oberhirte. Die Bischöfe verstünden ihren Einsatz für verfolgte Christen in aller Welt als Einsatz für die religiöse Freiheit aller. "Unsere Solidarität mit bedrängten Christen ist nicht exklusiv, sondern exemplarisch", betonte Zollitsch.
Dialogprozess
Der von Erzbischof Zollitsch initiierte Dialogprozess soll auch unter dem neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz fortgesetzt und zum Erfolg geführt werden. Das Jahresgespräch des Dialogprozesses findet vom 12. bis 13. September in Magdeburg statt. Im Mittelpunkt des Gesprächs solle mit der Martyria - dem Zeugnisgeben - ein Wesenselement christlicher Lebensführung stehen.
Papst Franziskus
Am ersten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus dankte Erzbischof Zollitsch dem Kirchenoberhaupt für seinen bisherigen Dienst. "Papst Franziskus ist ein Geschenk für unsere Kirche", so Zollitsch wörtlich. Die deutschen Bischöfe seien den Kardinälen für ihre "wegweisende und in die Zukunft gerichtete Wahl" im Konklave dankbar. Seit dem Amtsantritt von Franziskus erlebe die Kirche "ein Pontifikat von großer Geschwindigkeit, vielfältigen geistlichen Impulsen und einer großen Nähe zu den Menschen".
Personalien
Neben der Wahl des neuen Vorsitzenden hat die Vollversammlung der Bischofskonferenz weitere Personalien beschlossen. Unter anderem wird der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann neuer Vorsitzender der Liturgiekommission; Bischof Stephan Ackermann aus Trier wird neu Mitglied dieser Kommission. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck wurde als Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx zum neuen Vorsitzenden der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen gewählt. Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen, wird stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Ehe und Familie sowie Mitglied der Kommission Weltkirche; hier wird Koch als Vorsitzender der Unterkommission für Mittel- und Osteuropa für das Hilfswerk Renovabis zuständig sein.
Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss aller katholischen Bischöfe und Weihbischöfe in Deutschland. Aufgabe der Konferenz sind das Studium und die Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben, die gegenseitige Beratung, die notwendige Koordinierung der kirchlichen Arbeit, der gemeinsame Erlass von Entscheidungen sowie die Pflege von Verbindungen zu anderen Bischofskonferenzen. Oberstes Organ der Bischofskonferenz ist die zweimal jährlich tagende Vollversammlung. Weitere Organe sind der Ständige Rat, in dem jede Diözese durch den Bischof mit Sitz und Stimme vertreten ist, der Vorsitzende und die Bischöflichen Kommissionen.