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Joana Veigas Silva beginnt ihre Ausbildung beim Hilfswerk Adveniat

Arbeitgeber Kirche

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Dortmund - Für viele junge Menschen beginnt in diesen Tagen und Wochen ein neuer Lebensabschnitt: Sie starten mit einer Ausbildung ins Berufsleben. Auch die Kirche bietet dafür viele Möglichkeiten. Katholisch.de hat eine junge Frau getroffen, die am Montag im Bistum Essen bei der "Bischöflichen Aktion Adveniat " ihre Ausbildung begonnen hat. Das Hilfswerk setzt sich seit 1961 für soziale Projekte in Lateinamerika ein.

Kräftig stampft Joana mit dem Fuß auf und dreht sich mit weit geöffneten Armen schwungvoll um die eigene Achse. Um sie herum wirft ein weiteres Dutzend Jugendliche in dem winzigen Gemeindesaal fleißig die Beine in die Luft. "Minha" nennt man den portugiesischen Folklore-Tanz, bei dem sich die jungen Tänzer gerade in atemberaubender Geschwindigkeit wie kleine Kreisel-Paare durch den Raum drehen. – Und Joana mitten unter ihnen, im Sog der mehr als raumfüllenden Livemusik von Akkordeon, Panflöte und dem Gesang der Folklore-Gruppe der portugiesischen Gemeinde "St. Antonio" in Dortmund.

Deutsche Pünktlichkeit und portugiesisches Temperament

Als "tanzsüchtig" beschreibt sie sich selbst lachend, als fleißig und hilfsbereit. Ihr Lieblingsessen ist "Arroz De Marisco" (Reis mit Meeresfrüchten) und wenn sie eins auf die Palme bringt, dann ist es Unpünktlichkeit. Die lebendige Mischung aus deutschen Tugenden und südländischem Temperament scheint bei Joana Veigas Silva voll durchgeschlagen zu sein. Während ihre Eltern in den 90er Jahren aus Portugal nach Deutschland kamen, ist die 19-Jährige Dortmunderin in Deutschland geboren und aufgewachsen.

Die große Leidenschaft von Joana Veigas Silva ist der portugiesische Folklore-Tanz.

Joana zeichnet Portraits, schreibt Gedichte, tanzt und singt. Beruflich hat sich die 19-Jährige allerdings nicht für die klassische Kreativ-Branche entschieden. Kauffrau für Büromanagement hat sie als Ausbildungsweg gewählt. Wie elf andere junge Erwachsene im Bistum Essen tritt auch Joana diese Woche ihre Ausbildungsstelle an – bei der Bischöflichen Aktion Adveniat in Essen, dem Lateinamerikahilfswerk der katholischen Kirche. "Es passte schon auf den ersten Blick einfach toll, weil ich dort meine Portugiesischkenntnisse zum Einsatz bringen kann", erklärt Joana. "Und planen, verwalten, organisieren – das ist genau mein Ding", sagt die junge Auszubildende.

Bei ihren Freunden stößt sie auf Unverständnis

Dass sich Joana für einen kirchlichen Träger entschieden hat, macht sie unter ihren Freunden zur Exotin. "Viele konnten diesen Schritt überhaupt nicht nachvollziehen, fanden es sogar sehr gewagt sich in der heutigen Zeit für einen kirchlichen Arbeitgeber zu entscheiden", erzählt Joana. "Sie haben Vorurteile und scherzen, dass wir den ganzen Tag nur herumsitzen und beten", sagt die selbstbewusste junge Frau lachend.

Die Skepsis der Freunde scheint in Joana nicht die leisesten Zweifel zu erzeugen. "Die Kirche war schon immer ein selbstverständlicher Teil meines Lebens", in dem sie durch den Kontakt zur portugiesischen Gemeinde auch noch ein Stück Heimat ihrer südeuropäischen Vorfahren gefunden hat. Zehn Jahre lang besuchte sie als Kind und Jugendliche jeden Sonntag den portugiesisch sprachigen Religionsunterricht in ihrer Dortmunder Gemeinde. Sie war Messdienerin und auch ihre Leidenschaft für den Folklore-Tanz hat sie in der Gemeinde entdeckt.

Die Kirche war schon immer ein selbstverständlicher Teil meines Lebens.

Joana Veigas Silva

"Mein Glaube ist mir wichtig und davon kann mich niemand abbringen", sagt Joana. Einen kritischen Blick auf die Kirche verschleiert ihr das jedoch nicht. Vieles sei ihr einfach zu konservativ. "Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, warum in unserer Gemeinde Kinder, deren Eltern nicht verheiratet sind, nicht getauft werden dürfen", meint sie. "Was können die Kinder dafür, dass die Eltern sich nicht entscheiden können".

Eine Arbeit, die Sinn macht

Insgesamt erfährt sie die Kirche für sich jedoch als eine Gemeinschaft, in der sie Kraft schöpft. "Viele denken, wir Gläubigen seien nicht lebensfreudig und würden nur mit der Bibel im Kopf herumlaufen", sagt die junge Portugiesin schmunzelnd. "Für mich ist die Kirche ein Zufluchtsort, ich muss damit keine sozialen Probleme in meinem Leben auffangen, mir tut das Miteinander einfach gut".

Gerade bei Adveniat schätzt Joana, dass die Kirche auch die Menschen im Blick hat, die Hilfe brauchen und das sogar in fernen Ländern. "Es war mir wichtig in einer Organisation zu arbeiten, deren Ziel es ist anderen Menschen zu helfen", erklärt die 19-Jährige. "Ich möchte einen Sinn in dem sehen, was ich jeden Tag tue." Auch nach ihrer Ausbildungszeit sieht sich die junge Dortmunderin bei Arbeitgebern mit sozialem Hintergrund. "Nur nicht im medizinischen Bereich, das macht mein Magen nicht mit", lacht Joana.

Von Mareille Landau

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