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Björn Odendahl über 50 Jahre "Nostra aetate"

Auf Augenhöhe

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Schachfigur
Bonn - Björn Odendahl über 50 Jahre "Nostra aetate"

Genau 50 Jahre sind seit dem Erscheinen von "Nostra aetate" vergangen. Die Konzilserklärung ist unbestritten ein Meilenstein, bedeutete sie doch eine Kehrtwende im Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und den anderen Weltreligionen – vor allem aber in dem zum Judentum. Einer der Kernsätze der Erklärung lautet: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist."

Es ist ein großartiger Satz, weil er Türen geöffnet hat, statt Mauern zu errichten. Er hat in den vergangenen 50 Jahren für Verständigung, für Respekt und für einen Dialog auf Augenhöhe mit dem Gegenüber gesorgt – und tut das noch immer. Egal, ob der Gesprächspartner ein Hindu, Buddhist oder Moslem ist. Keine Herabsetzungen der "treulosen" Juden mehr und keine Belehrungen von oben herab. Die Kanzel hat ausgedient.

Und doch lässt der Satz auch Spielraum. Denn etwas nicht pauschal abzulehnen, bedeutet im Umkehrschluss noch lange nicht, dass man es bejubeln oder sich sogar zu Eigen machen soll. Ein Dialog auf Augenhöhe heißt nämlich auch, dass man Kritik äußern darf, ja manchmal sogar muss: zum Beispiel Kritik am durch den Hinduismus gestützten Kastensystem, Kritik am Frauenbild ultraorthodoxer Juden oder Kritik an den gerade so aktuellen radikalen Auswüchsen des Islam.

"Nostra aetate" macht entgegen so mancher Behauptung auch nicht alle Religionen gleich. Denn die Einmaligkeit Christi lässt sich nicht negieren. Das Dokument spricht von "Strahlen jener Wahrheit" in den anderen Religionen. Es spricht aber auch von Christus, der "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist (Joh 14,6). Der universale Heilsanspruch des Christentums bleibt also auch nach "Nostra aetate".

Die Erklärung ist deshalb auch keine Aufforderung, sich bei der Verkündigung seines Glaubens zurückzulehnen. Sie kann vielmehr dabei helfen, das in der Vergangenheit wenig ruhmreiche Wort "Mission" mit neuen Inhalten zu füllen und es somit ein Stück weit zu rehabilitieren. Den Anderen mit Worten und Taten überzeugen, statt ihn zu zwingen. Dem Anderen Respekt für dessen Werte entgegenbringen, statt sie zu verunglimpfen. Nur so kann Mission heute gelingen – auf Augenhöhe.

Zur Person

Björn Odendahl ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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