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Wie sich ein Dom und eine Dorfkirche auf Weihnachten vorbereiten

Auf der Zielgeraden zur Krippe

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Bonn - An Heiligabend sind die Kirchen voll. Die Manchen erwarten diese besondere Stimmung, die man an Weihnachten nur in der Kirche findet. So bereiten sich ein Dom und eine Dorfkirche auf den Tag vor.

Wenn im Oktober die ersten Lebkuchen im Supermarktregal liegen, beginnt die Planung der Weihnachtsfeiertage. Im wiedereröffneten Hildesheimer Mariendom befasst sich die Arbeitsgruppe Liturgie im Auftrag des Domkapitels mit der Gestaltung der Messe. "In diesem Jahr werden wir zum ersten Mal die Heilige Nacht im frisch sanierten Dom feiern", freut sich Domzeremoniar Kaplan Roland Baule. Er selbst nimmt dabei die Rolle des Regisseurs ein, der den Ablauf und die Rollenverteilung im Blick behält.

Von Kerzen erhellt

"Anders als in der Osternacht ist die Liturgie an Weihnachten nicht so schwierig, denn es handelt sich ja um einen normalen Gottesdienst." Und trotzdem ist es besonders feierlich: Mitten im Dom hängt der Heziloleuchter, der größte mittelalterliche Radleuchter der Welt. Er ist Sinnbild für das himmlische Jerusalem, das auf die Erde herabkommt. "Seine 72 Kerzen werden am Heiligen Abend brennen und das Weihnachtsfest wird darunter angekündigt. Dann erst beginnt der Einzug in den Altarraum", so Baule.

In der Dorfkirche Sankt Michael in Niederdollendorf bei Bonn beginnt die Christmette im Dunkeln. Am Friedenslicht, das die Pfadfinder aus Betlehem gebracht haben, werden in der zweiten Hälfte des Gottesdienstes Kerzen entzündet und das Licht auf diese Weise an alle Besucher weitergegeben. Es ist eine der ersten Weihnachtsaufgaben des Küsters, die Kerzen im Oktober beim Großhändler zu bestellen.

Seit 1991 hat die Pfarrkirche Sankt Michael in Niederdollendorf eine ungewöhnliche Krippe. Ein Schreiner des Dorfes hat auf Anregung des damaligen Pfarrers das originalgetreue Model eines alten Frachtschiffes nachgebaut.

Das Gemeindeleben in Niederdollendorf ist sehr lebendig. Auch unter dem Jahr sind die Gottesdienste gut besucht. "Etwa 120 Teilnehmer sind es an einem normalen Sonntag, in der Christmette sind es dann sicher mehr als 200", schätzt Kirchenvorstand Karl Willi Weck. "Da müssen wir Stühle aus dem Pfarrheim dazustellen." Im Hildesheimer Dom richtet man sich auf etwa 500 Besucher ein. Auch hier wird die Bestuhlung aufgestockt. "Wir haben keine Kirchenbänke mehr, dafür ein großes Stuhllager. Mit dem Flaschenzug holen wir sie stapelweise herunter", erklärt Kaplan Baule.

Experimente im Dom

Auch die Dekoration ist ein großes Thema der Vorbereitung. In Sankt Michael werden Weihnachtssterne und Tannengrün das neugotische Innere schmücken. Im Hildesheimer Dom nutzt man die neue Schlichtheit des Kirchenraums, um zu experimentieren. Statt eines klassischen Adventskranzes gibt es einen Adventsweg, der die Stufen zum Altar hinaufführt. Auch die Weihnachtskrippe könnte dieses Jahr von der klassischen Darstellung abweichen. "Wir überlegen, die Geburtsszene in ein Flüchtlingszelt zu verlegen", verrät Baule.

In Niederdollendorf am Rhein ist die Frage der Krippengestaltung schon seit 1991 geklärt und auch hier ist die Darstellung ungewöhnlich. In 600 Arbeitsstunden hatte ein Schreiner des Dorfes auf Anregung des damaligen Pfarrers das originalgetreue Model eines alten Frachtschiffes nachgebaut. Auch die Krippenfiguren wurden dem heimatlichen Geschehen angepasst und so stehen zwischen den traditionellen Figuren auch liebevoll modellierte und gekleidete Winzer, Fischer, Holzfäller und bäuerliche Großfamilien.

Ein Blick in den frisch renvovierten Dom. Für mehrere Jahre war die Bischofskirche von Hildesheim die größte Kirchenbaustelle Deutschlands.

Den Aufbau der Szenerie übernimmt jedes Jahr ein Helfer aus der Gemeinde. Dann wird das Schiff hinter dem Hochaltar hervor geholt und die Schachteln mit den Krippenfiguren die enge Speichertreppe herunter getragen. Im Hildesheimer Dom verteilen sich Weihnachtsschmuck und Krippenfiguren wegen der Sanierung auf verschiedene Lager: "Eine Zeit lang war der Stall für die Krippe verschwunden, bis sich ein Hausmeister daran erinnerte, dass er in einer Scheune bei einem Bauern eingelagert war", schmunzelt Baule.

Die Bäume kommen auf verschiedenen Wegen

Auch die Christbaumständer wurden gefunden und die Frage nach der Anzahl der Bäume für den Altarraum geklärt: "Es wird einen acht bis zehn Meter hohen Christbaum geben und drei kleine um die Krippe herum, die aus den Wäldern um Hildesheim stammen", so Baule. In Niederdollendorf spenden Gemeindemitglieder zwei Bäume aus ihren Gärten, die von der freiwilligen Feuerwehr abgeholzt und in der Kirche aufgebaut werden.

"Das wäre in Hildesheim nicht möglich", sagt der bischöfliche Kaplan, "denn der Dom hat keine Pfarrgemeinde mehr." Vor der Sanierung gab es noch eine und damit viele helfende Hände. Nun aber haben sich die sechs Innenstadtkirchen zu einer großen Gemeinde zusammengeschlossen und der Dom gehört nicht mehr dazu. "Wir haben zwar rund 60 Ehrenamtliche für die liturgischen Dienste, aber keinen Gemeinderat oder Helfer von Kolping, die traditionell Aufgaben an Weihnachten übernehmen."

Der Hildesheimer Dom und die kleine Dorfkirche Sankt Michael werden am Heiligen Abend erstrahlen, so wie jede große oder kleine Kirche, in der die Menschen die Christmette feiern. Und wenn es still wird, im Kirchenraum und die Besucher im Kerzenschein auf die ersten Orgelklänge warten, dann spüren sie wieder diese Atmosphäre, die Gottesdienste an Weihnachten so besonders macht.

Von Janina Mogendorf

Die Pfarrkirche Sankt Michael ist der Mittelpunkt des Rheinortes Niederdollendorf, südlich von Bonn. Wer die Hauptstraße entlang kommt, sieht schon von weitem den hübschen Kirchturm, der nicht auf, sondern neben der Kirche steht und ein Relikt des neobarocken Baus ist, der sich einst hier befand. Wenn im Dezember ein geschmückter großer Weihnachtsbaum im Windschatten des roten Turms steht, ist Weihnachten nicht mehr weit. Mehr über die Pfarrkirche Sankt Michael finden Sie hier.

Der Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt ist eine der ältesten Bischofskirchen Deutschlands. Seine Baugeschichte reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Immer wieder wurden Teile der Kirche zerstört – zuletzt im zweiten Weltkrieg, als Bomben sie bis auf die Grundmauern niederrissen. Erst 1960 konnte der wiederaufgebaute Dom geweiht werden. Von 2010 bis August 2014 wurde die romanische Bischofskirche umfassend saniert. Das bedeutet, die diesjährige Christmette ist die erste im "neuen" Mariendom. Mehr über den Hildesheimer Dom finden Sie hier.

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