"Aufarbeitung und Neubeginn"
Es war der 26. März 2014, an dem der Heilige Vater den Amtsverzicht des damaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst annahm. In der Diözese Limburg sei es zu einer Situation gekommen, in der eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes verhindert werde, hieß es zur Begründung. Außerdem bat der Papst den Klerus und die Gläubigen des Bistums, "die Entscheidung des Heiligen Stuhls bereitwillig anzunehmen und sich darum zu mühen, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückzufinden".
Vom ersten Tag an habe Grothe in Limburg gespürt, dass der Appell des Heiligen Vaters ernstgenommen werde. "Ich bin sehr herzlich und sehr offen im Bistum aufgenommen worden“, erinnert er sich. Die Gottesdienste, die vielen Gespräche und Begegnungen seien wertschätzend, vertrauensvoll und konstruktiv. Auch lerne er die Menschen und die Diözese immer besser kennen. In den kommenden Monaten möchte der Mann, der nach der Priesterweihe zunächst als Religionslehrer arbeitete, gerne weiter im Bistum unterwegs sein und mit den Gläubigen ins Gespräch kommen. Wegen eines vollen Kalenders müsse jedoch noch nach Terminen und Möglichkeiten des gegenseitigen Kennenlernens gesucht werden.
Manches braucht noch Zeit
Bisher sei man nicht untätig gewesen, sagt der Weihbischof. "Der Weg der Aufarbeitung und des Neuanfangs im Bistum Limburg hat begonnen." Die Prüfkommission, die Ende Oktober 2013 vom damaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, eingesetzt worden war, hatte Fehler finanzieller, rechtlicher und kommunikativer Art aufgedeckt. Grothe selbst hatte die Kommission geleitet und kannte die im Prüfbericht festgehaltenen Ergebnisse gut. Anhand des Berichts hat die Bistumsleitung nach eigenen Angaben eine umfangreiche Themenliste erstellt, die nun systematisch und verlässlich abgearbeitet werde.
Die Agenda beinhalte Finanzfragen, rechtliche und strukturelle Fragen genauso wie Themen der Kommunikation und des Miteinanders im Bistum. Während vieles bereits umgesetzt oder auf den Weg gebracht worden sei, brauche anderes eine längere Zeit der Beratung, der Planung und der Umsetzung, erklärt Grothe. Beschlossen wurde beispielsweise, dass die Vorgänge rund um das St. Georgswerk bis zum Jahresende rückabgewickelt werden. Die Veräußerung von Anteilen werde überprüft und die Bedingungen für eine Bereinigung des Sachverhalts würden abgeklärt, so der Geistliche.
Überlegungen gibt es auch zur Nutzung des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus auf dem Domberg. In dem Gebäudeensemble sollen künftig Konferenzen und Veranstaltungen des Bistums stattfinden, heißt es. "Wie die künftige Nutzung der Wohnung aussieht, muss jedoch ein neuer Bischof entscheiden", erklärt der Weihbischof. In zwei Wochen plant die Bistumsleitung zudem einen weiteren Schritt in Richtung Transparenz. Dann werden das Vermögen und die finanziellen Verpflichtungen des Bistums, des Domkapitels, des Bischöflichen Stuhls und der Schulstiftung offengelegt.
Grothe setzt auf konstruktives Miteinander
Als die Limburger Staatsanwaltschaft vor wenigen Tagen die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens gegen Tebartz-van Elst ablehnte, wertete Grothe das als ein gutes Zeichen. Für das Bistum sei es eine "wichtige Feststellung, die den Weg der Aufarbeitung und des Neubeginns erleichtern".
Die Zeit eines Administrators in einem Bistum sei immer begrenzt, sagt der Weihbischof. Sie berge aber die große Chance, zu gestalten, zu ordnen und einem neuen Bischof den Weg zu einem segensreichen Wirken zu ebnen. Dies gehe jedoch nicht im Alleingang, so dass Grothe auf ein gutes und konstruktives Miteinander und gegenseitigen Respekt setzt. Wie lange er selbst noch in Limburg sein wird, um die auf den Weg gebrachten Reformen weiter zu begleiten, wisse er nicht. "Aber ich werde nach Kräften versuchen, dazu beizutragen, dass die Menschen die Freude am Glauben wiederfinden und wieder erleben."
Von Björn Odendahl