Authentisch und ehrlich
Unter dem Motto "Freiheitserfahrungen mit und ohne Gott" hatten von Dienstag an Kirchenvertreter, Philosophen, Politiker und Künstler über den Glauben diskutiert.
Weiter sagte Zollitsch in seiner Schlussbilanz, dass der Dialog mit dem "Vorhof der Völker" nicht "mit dem heutigen Tag enden" werde. Durch die Initiative seien Fragen aufgegriffen worden, "die an zahlreichen Orten in unseren Städten und Gemeinden mit großer Ernsthaftigkeit beleuchtet und diskutiert werden." Als Beispiel nannte Zollitsch den Religionsunterricht, an auch viele konfessionslose Kinder teilnähmen. "Dort haben heute Fragen der Art, wie wir sie in diesen Tagen gestellt und zu beantworten versucht haben, ihren festen Platz", so Zollitsch.
Die noch von Papst Benedikt XVI. ins Leben gerufene Dialogveranstaltung fand erstmals in Deutschland statt. Als Vertreter des Vatikan war der Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, Kardinal Gianfranco Ravasi, in die Bundeshauptstadt gereist. Er ist für die Initiative verantwortlich, die seit 2011 in über 20 Städten weltweit stattfand.
Kurienkardinal warnt vor "geistlicher Gleichgültigkeit"
In seiner Predigt zum Abschluss des "Vorhof der Völker" ermutigte Ravasi, sich an der Bibel zu orientieren, die Mut mache und zur Suche nach Gott auffordere. Auch wenn der Alltag oft schwer sei, fordere Christus unmissverständlich auf: "Erhebt euch, richtet den Kopf auf." Zugleich warnt er vor "geistlicher Gleichgültigkeit", die "banale Oberflächlichkeit" und der "Schläfrigkeit in der Moral" in der heutigen Zeit. Veranstaltungen wie der "Vorhof der Völker" könnten diesem entgegenwirken.
Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki betonte, dass die Vielfältigkeit der Diskussionen gerade für die Hauptstadt eine große Bedeutung habe. "Besonders beeindruckt hat mich die immer sehr ehrliche und persönliche Diskussion", so Woelki weiter. Keiner der Teilnehmer habe sich hinter vorgefertigten Positionen versteckt. Vielmehr hätten alle sehr "offen über ihren Glauben oder ihren Nicht-Glauben gesprochen". (meu)
Die Initiative "Vorhof der Völker" soll den Dialog zwischen glaubenden und nichtglaubenden Menschen fördern. Den Anstoß zu den Gesprächsreihen gab der damalige Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009. Sie sollen den vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeleiteten Dialog der katholischen Kirche mit Atheisten und Agnostikern fortführen. Der Titel spielt auf den Bereich des antiken Jerusalemer Tempels für die Nichtjuden an. Nach den Worten von Benedikt XVI. soll der Begriff für einen Raum des offenen Austauschs stehen. Auftakt war 2011 am Sitz der Weltkulturorganisation Unesco in Paris. In Berlin fanden vom 26. bis 28. November im Roten Rathaus, dem Charite-Krankenhaus, dem Deutschen Theater und dem Bode-Museum Veranstaltungen statt. Organisiert wurde der "Vorhof der Völker" von der Deutschen Bischofskonferenz, dem Erzbistum Berlin und dem Päpstlichen Rat für die Kultur in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie des Erzbistums Berlin und der Romano-Guardini-Stiftung. (meu/KNA)