Autorin Gomringer wollte als Kind Nonne werden – hörte aber keinen Ruf
Die deutsch-schweizerische Lyrikerin Nora Gomringer wollte als Kind Nonne werden – verfolgte diesen Wunsch aufgrund einer ausbleibenden Berufung aber nicht weiter. "Es ist keine Frage des Wollens, sondern ob du den Ruf hörst, der dir sagt: 'Geh in ein Kloster und widme dein Leben Jesus Christus'. Ich höre ihn nicht. Und dann wäre das schon sehr hart", sagte Gomringer am Dienstag dem Schweizer Rundfunk SRF. "Learning by doing" stelle sie sich als Nonne schwierig vor.
Auslöser für ihren Wunsch sei ihre Großtante gewesen, die selbst als Nonne in einem Kloster gelebt habe. "Sie war ein gutes Beispiel dafür, wie Frauen Intellektualität und Kirche verbinden können. Sie war Lehrerin für Physik und Chemie in einer Klosterschule und vermutlich sehr streng", so die Lyrikerin. Dies habe ihr Eindruck gemacht. "Zudem war sie den ganzen Tag verkleidet, also im Habit. Das fand ich als Kind natürlich großartig", sagte Gomringer. Bis heute habe sie große Hochachtung vor Ordensfrauen, die aus ihren Klöstern eine Art Forum machten. Sie verbänden sich mit der Welt, indem sie Gemüse anbauten und Bienen hielten – und diese Produkte dann verkauften.
"Wir haben die Verantwortung, uns unserer Tradition zu besinnen"
In dem Interview bekannte Gomringer auch, dass sie in ihrer Jugend mit dem Gedanken gespielt habe, zum Judentum zu konvertieren. Sie sei ein suchender junger Mensch gewesen "und das Kind einer Mutter, die stets auf der Suche war und Antworten verlangte". Ihre Mutter habe sie mit Blick auf eine mögliche Konversion zwar unterstützt, aber zu Bedenken gegeben, dass sie dann "die einzige Jüdin weit und breit" sei. "Das fand ich interessant, denn so hatte ich das nie betrachtet", so die Autorin.
Gomringer, die als Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Wegs auch am Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland beteiligt ist, betonte zudem die Bedeutung des religiösen Bekenntnisses. Sie persönlich sehe sich in dieser Hinsicht "in einer Tradition und in einem Verständnis, das tief europäisch, christlich und jüdisch ist. Wir haben die Verantwortung, uns unserer Tradition zu besinnen." Sie sei überrascht, wie Menschen so weltlich werden könnten, dass sie überzeugt seien, ohne Religion zurechtzukommen. (stz)