Bätzing: Blick auf andere kann eigene Bürde relativieren
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, rät dazu, in persönlich schwierigen Zeiten den Blick auch auf das Umfeld zu lenken. "Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Kaum jemand geht unbeschwert durchs Leben", sagte Bätzing am Donnerstag im Fronleichnamsgottesdienst im Hohen Dom zu Limburg. "Die Geschichten anderer, die womöglich weit mehr belastet sind und das über lange Zeit, sie relativieren die eigene Bürde." Er äußerte sein Erstaunen darüber, was Menschen alles aushalten könnten, wenn es ihnen zugemutet werde.
Der Limburger Bischof fügte hinzu: "Was wir tragen und was uns trägt, das hängt oft eng miteinander zusammen." So sei die Verantwortung, die man übernehme, oft der Grund für das eigene Selbstwertgefühl. "Freundschaft und Fürsorge, die wir schenken, stärken die Beziehungen, die uns Halt geben", erläuterte Bätzing laut vorab verbreitetem Manuskript.
"Der Glaube, den wir in Gottesdienst, Gebet und mit offenen Händen und Herzen üben, gibt Sicherheit und festen Stand – gerade in kargen Zeiten und in krisenhaften Lebensphasen. Was wir tragen, ist nicht selten auch das, was uns trägt", betonte der Konferenzvorsitzende und ergänzte mit Bezug auf Fronleichnam: "Was uns bei der heiligen Kommunion in die zu einem Thron geformten Hände gelegt wird, damit wir es ehrfürchtig empfangen, und was schließlich voll Freude in der Monstranz getragen wird, das ist es, was uns im Leben hält und trägt."
Marx: Andere Religionen wertschätzen
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat dazu aufgerufen, die Schätze der eigenen Glaubenstradition wertzuschätzen und zugleich mit Ehrfurcht auf andere Religionen und Traditionen zu schauen. "Die Vielfalt des Religiösen ist auch eine Einladung, das Religiöse selbst neu zu verstehen", sagte Marx beim Fronleichnamsgottesdienst im Münchner Liebfrauendom. Zugleich warnte er davor, überheblich zu sein, und warb dafür, aus der Geschichte zu lernen.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seien miteinander verschränkt, erklärte Marx. Das werde einem bewusst, wenn Ereignisse aus der Vergangenheit wieder sichtbar würden "und uns neu herausfordern". Manches erscheine dann plötzlich in einem anderen Licht. Das erlebe auch die Kirche in den Herausforderungen im Umgang mit sexuellem Missbrauch. "Vergangen ist nicht vergangen, es kommt nach oben und stellt uns neu vor die Frage: Wer sind wir eigentlich? Was wollen wir sein, und was bedeutet das im Blick auf die Vergangenheit, auf die Betroffenen?"
Erinnerung an Völkermord
Der Kardinal erinnerte zudem an den Völkermord, den deutsche Kolonialtruppen an den Herero verübt hatten und der erst vor wenigen Tagen - nach 120 Jahren - von der Bundesrepublik anerkannt worden war. "Niemand von uns war damals auf der Welt, als das geschehen ist, und doch tragen wir als deutsche Staatsbürger jetzt Mitverantwortung." Auch im Blick auf den eigenen Glauben gelte es, aus der Geschichte zu lernen. "Mit welcher Überheblichkeit sind wir auf andere zugegangen?", fragte Marx mit Blick auf andere Kulturen und Religionen.
Am 60. Tag nach Ostern - am zweiten Donnerstag nach Pfingsten - feiern die Katholiken Fronleichnam, das "Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi". Bei dieem Fest wird die Eucharistie besonders verehrt, traditionell wird sie in Prozessionen durch die Ortschaften getragen. (cph/KNA)
3.6., 16:20 Uhr: Ergänzt um das Statement von Marx