Bauarbeiten ohne Ende
Die jetzige Sanierung an der weltweit größten Kathedrale im gotischen Baustil sei notwendig, da der Sandstein teilweise drastische Verwitterungsspuren zeige, erklärte das Domkapitel. Hier war in den 1860er Jahren vor allem Schlaitdorfer Sandstein aus Süddeutschland verwendet worden. Die relativ groben Quarzsandkörner sind der Dombauhütte zufolge nahezu verwitterungsresistent. Problematisch ist hingegen das karbonatische Bindemittel des Steines, das durch die Schwefelsäure in Luft und Regen zu Gips umgewandelt wird. Dieser ist wasserlöslich, was zu Absandungen und Schalenbildungen am Stein führt. Gerade an statisch sensiblen Bereichen des Domes wie dem Strebewerk ist daher laut Domkapitel dringender Handlungsbedarf geboten.
Zudem werden in den betroffenen Bereichen die noch immer zahlreichen Kriegsschäden behoben, so das Domkapitel weiter. Teilweise seien ganze Fialaufbauten auf den Strebepfeilern abgesprengt, um manche Fialen hätten sich Bleiplatten gewickelt, die durch die Sprengkraft der Fliegerbomben im Zweiten Weltkrieg vom Domdach geschleudert wurden. Für die Sanierung müsse zunächst ein Grundgerüst aus etwa 51 Doppel-T-Trägern errichtet werden, die bis zu 7,5 Meter lang und 875 Kilogramm schwer sind.
Die Erzbistümer Köln und München-Freising haben erstmals Drohnen verwendet, um den Zustand von Kirchengebäuden zu analysieren. Die Fotos der Drohnen geben Schäden an den Gemäuern zentimetergenau wider.
Ebenso ist laut Domkapitel die Sanierung der Südquerhausfassade angelaufen. Hier werden vor allem der im 19. Jahrhundert aus Kalkstein gefertigte und bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Fries über den Portalen sowie die Fialen seitlich der Portalbekrönung erneuert und zahlreiche Kriegsschäden behoben. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten soll nach und nach die Restaurierung der Strebewerksysteme des Südquerhauses und der südlichen Langhauswand erfolgen.
In der Vergangenheit waren an dem bedeutenden Bauwerk im Herzen Kölns immer wieder aufwendige Renovierungsarbeiten nötig. Für diese wurden im Oktober vergangenen Jahres zum ersten Mal in der Geschichte des Doms Drohnen eingesetzt. Die Drohneneinsätze seien kostengünstiger und praktikabler als die bisher zur Begutachtung verwendeten Gerüste oder Hebebühnen, hieß es zur Begründung aus der Kölner Dombauhütte. Spektakulär war auch der Einsatz eines gigantischen Hydraulikkrans vor zwei Jahren. Das 750 Tonnen schwere Baugerät sollte eines der Stahlgerüste vom Nordturm des zweithöchsten Kirchengebäudes Europas aus einer Höhe von über 100 Metern herunterholen.
Der Kölner Dom war im Mittelalter eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Europas. Bis heute ist er die meistbesuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland. In Spitzenzeiten zieht er täglich 30.000 Besucher an. Seit 1996 gehört er zum Unesco-Weltkulturerbe. (jml/KNA)