"Begegnungen von sanfter Dringlichkeit"
Er "genieße die Vielfalt an Begegnungen, den Anregungsreichtum, der von der Arbeit dieser Akademie ausgeht und freue mich über manche gemeinsame Aktivitäten", so Khuon. Die Nachbarschaft zwischen Akademie und Deutschem Theater bedeute "mehr als örtliche Nähe".
In seiner Festrede hob der Intendant auf die wechselseitige Ergänzung von Theater und Kirche ab. "Sinnstiftende Gemeinschaften wie die Kirchen und sinnbefragende Gemeinschaften wie die Theater unterstützen Individuen beim Gebrauch ihrer Freiheit", so Khuon. Zugleich pflegten diese Institutionen das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft.
"Das Gestern in der Kultur des Heute"
Die geschichtlich geprägte Struktur der Religion wie der Künste, vor allem der Theaterkunst, "ermöglicht es den Menschen zum Absolutismus der Gegenwart und damit auch zu sich selbst auf Distanz zu gehen", sagte der Intendant. Im Theater wie in der Religion werde der Mensch "mit einer fundierten Vergangenheit, mit anderen, längst vergangenen menschlichen Erfahrungen, Erwartungen, Hoffnungen und Sehnsüchten konfrontiert". Damit stellten Theater wie Religion "eine Ungleichzeitigkeit her", sie hielten damit "in der Kultur des Heute das Gestern gegenwärtig".
Eine lange Tradition kann die Katholische Akademie in Berlin nicht vorweisen. Unter den 23 Akademien bundesweit ist sie ein "Newcomer". Als katholisches Markenzeichen in der Hauptstadt spielt sie jedoch eine Sonderrolle.
Der frühere sächsische Minister für Wissenschaft und Kunst, Hans Joachim Meyer (CDU), hob als Vorsitzender des Trägervereins der Akademie hervor, diese habe sich "zu einem anerkannten Teil der Berliner Öffentlichkeit und einen beachteten ökumenischen Partner entwickelt". Er erinnerte an die Überlegungen zur Gründung einer Katholischen Akademie zu DDR-Zeiten, die damals nicht umgesetzt worden seien, weil die DDR "kein Ort des freien Wortes" gewesen sei. Für die Katholiken seien ersatzweise die katholischen Studentengemeinden und Akademikerkreise Orte der geistigen Auseinandersetzung gewesen.
Koch: Akademie ist ein Stück synodaler Weg
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte unter Hinweis auf seine Teilnahme an der Weltbischofssynode in Rom, auch die Katholische Akademie sei "ein Stück synodaler Weg" im Erzbistum Berlin. Dies bedeute, gemeinsam auf dem Weg zu sein und Möglichkeiten für weiteres Fragen und Handeln zu eröffnen. Weiter meinte der Erzbischof, die Akademie lebe nicht zuerst vom Reden, sondern vom Zuhören. Im Dialog gehe es nicht darum, sich nur bestätigen zu lassen, sondern um die gegenseitige Bereicherung der Partner.
Träger der Berliner Akademie sind die katholischen Bischöfe in Ostdeutschland. Ihre erste Veranstaltung hatte sie am 27. Oktober 1990. Seither zählte sie rund 250.000 Besucher. (KNA)