Marx bei Begegnungstag mit Missbrauchsbetroffenen: Sind auf gutem Weg
Das Erzbistum München und Freising hat am Freitag zum fünften Mal Betroffene sexuellen Missbrauchs zu einem "Tag der Begegnung" eingeladen. Die jährlich stattfindende Veranstaltung nutzen den Angaben der Pressestelle zufolge mehr als 40 Betroffene und ihre Angehörigen, um sich untereinander und mit Vertretern der Kirche auszutauschen sowie über neue Angebote zur Begleitung zu informieren. Im Namen des Erzbistums dankten Kardinal Reinhard Marx (Foto oben), sein Stellvertreter, Generalvikar Christoph Klingan, und Amtschefin Stephanie Herrmann den Betroffenen für ihr Kommen und ihr Engagement.
Im Rahmen des Treffens in Schloss Nymphenburg betonte Marx: "Wir sind auf einem guten Weg, aber er wird nicht zu Ende gehen. Das haben wir in einem Kreis der Betroffenen gesagt. Wir brauchen solche Begegnungen." Zudem sicherte er zu, dass auch das von den Betroffenen gewünschte geistliche Angebot fortgesetzt werde. Dieses müsse allerdings so breit sein, "dass auch Menschen, die eigentlich mit der Kirche fast nichts mehr zu tun haben, doch angesprochen sind".
Auch seine 2020 gegründete Stiftung "Spes et Salus" (Hoffnung und Heil) habe dieses Ziel, betonte der Kardinal. Gerade auf jene Leute gelte es zuzugehen, die sagten, der Missbrauch habe ihren Glauben beschädigt oder sogar zerstört. Diesen Menschen zu helfen, sei ihm ein großes Anliegen.
Dankbar für die Entwicklung
Mit Blick auf die ersten Gespräche mit Betroffenen im Jahr 2010 fügte Marx hinzu: "Das ist schon ein Weg gewesen, den ich am Anfang nicht einmal geahnt habe. Ich kann das nicht ohne Erschütterung sagen. Ich bin sehr dankbar, dass Sie uns auch immer wieder daran erinnern. Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung der letzten Jahre."
Generalvikar Klingan betonte, wie wichtig weiterhin der direkte Dialog mit den Betroffenen und ihren Angehörigen sei. Auch der Betroffenenbeirat der Erzdiözese bleibe ein zentraler Gesprächspartner, der die Anliegen von Betroffenen aktiv einbringe und die Arbeit der Erzdiözese kritisch-konstruktiv begleite. Etliche seiner Initiativen habe die Erzdiözese unterstützt, wie etwa die erst jüngst veröffentlichte Studie zu Vorwürfen physischer, psychischer und sexueller Gewalt am Studienseminar Sankt Michael in Traunstein (1960 bis 1990).
Der Sprecher des Betroffenenbeirats, Richard Kick, dankte seinerseits dem Kardinal und dessen Führungsteam für die Zusammenarbeit. "Das war nicht selbstverständlich und ist bis heute nicht selbstverständlich in vielen Diözesen Deutschlands." Viele Betroffene hätten menschliche und finanzielle Hilfe erhalten und das Gefühl, "es passiert was, es geht was voran, Kirche bewegt sich", so Kick.