Bewegte Bilder - für wen?
So wird es aus Deutschlands zweitgrößtem Wallfahrtsort Kevelaer im Bistum Münster ab Sonntag regelmäßige Übertragungen im Fernsehen und im Internet geben. "Unsere Gottesmutter von Kevelaer, die Trösterin der Betrübten, kann nun Menschen in ganz Deutschland und darüber hinaus regelmäßig in ihrem Glauben stärken", sagt der Rektor der Wallfahrt, Domkapitular Rolf Lohmann. Für die Ausstrahlung haben sich das Bistum und die Pfarrgemeinde Sankt Marien mit dem Internetportal katholisch.de, dem Fernsehsender EWTN und Radio Horeb zusammengetan. Die Basilika wurde dafür mit sechs Kameras ausgestattet.
Konzepte wichtiger als Technik
Aber mit der Bereitstellung der Technik ist es längst nicht getan, betont Ulrich Fischer, Leiter der Katholischen Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz. "Eine Kameraausrüstung kostet rund 100.000 Euro, aber mindestens genauso wichtig ist zu wissen, wie man damit umgeht, für wen man sendet, wer einem das Signal für die Übertragung liefert und wie man dafür wirbt", gibt der Theologe zu bedenken. Seine Einrichtung ist unter anderem zuständig für die Umsetzung der den Kirchen vertraglich zugesicherten Senderechte beim ZDF. Er selbst hat für das neue Projekt in Kevelaer die Liturgen geschult. Denn "es ist nicht damit getan, dass der Pfarrer vom Blatt abliest, 'ich begrüße auch die Zuschauer an den Fernsehgeräten'".
Bundesweit verfügen unter anderem die Bischofskirchen in Essen, München, Münster und Freiburg über sendefähige Technik. Die Kameras im kürzlich sanierten Dom in Münster kamen beim Requiem für Bischof Reinhard Lettmann via Internet-Livestream zum Einsatz. Aus freudigerem Anlass, nämlich zum 75. Geburtstag von Erzbischof Robert Zollitsch, ging die neue Technik im Freiburger Münster auf Sendung.
Kameras als Sichthilfe
Auch in Rottenburg und Eichstätt, so Fischer, gebe es die Absicht, Kameras einzubauen. Und im Hildesheimer Mariendom sollen nach der Sanierung 2014 vier bis fünf hochauflösende Kameras hängen. Diese dienen zwar vor allem dem reibungslosen liturgischen Ablauf, indem sie Sichtverbindung zu Küster und Organist schaffen, doch bieten sie theoretisch auch die Möglichkeit einer Übertragung, sagt Bistumssprecherin Petra Meschede. Auch die Kameras im Hamburger St. Marien-Dom dienen vor allem dazu, den Besuchern auf der Empore Bilder aus dem Altarraum zu liefern.
Der einzige Ort, von dem derzeit täglich Gottesdienste übertragen werden, ist laut Ulrich Fischer der Kölner Dom. Domradio.de verbreitet die Feiern in Kooperation mit katholisch.de und dem Spartensender Center TV. "Das ist von der Qualität her perfekt und macht Sinn", meint der Medienexperte und verweist auf die Nachfrage, die über den sonntäglichen ZDF-Gottesdienst hinaus bestehe, der im Wechsel katholisch und evangelisch ist. Das ZDF, so Fischer, sehe die wachsende Zahl an Kameras in Kirchen gelassen, "auch weil das schon aufgrund der geringen Zuschauerzahlen keine Konkurrenz ist".
Fernsehsender bleiben gelassen
Auch die ARD, die nur zu besonderen Anlässen Gottesdienste überträgt, plant nach Fischers Angaben nicht, dabei auf fest installierte Kameras zurückzugreifen: "Eine Gottesdienstübertragung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist teuer und hochwertig". Bis zu 30 Mitarbeiter seien dabei in Aktion.
Ganz unabhängig von den klassischen Übertragungen befürwortet Fischer die nicht gerade billigen Bestrebungen vieler Bistümer, selbst Gottesdienste zu übertragen. "Was aber fehlt, ist ein Gesamtkonzept." Dazu wären vor allem Kooperationen zwischen Bistümern, Bischofskonferenz, Sendern und Internetportalen erforderlich. Fischers Fazit: "Das Ziel ist erkannt, aber der Weg ist noch weit - auch, weil alle Pfarrer schon so genug zu tun haben."
Von Sabine Kleyboldt (KNA)