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Bätzing und Bedford-Strohm: Corona-Krise ist "Einladung zum bewussten Leben"

Bischöfe rufen in Weihnachtspredigten zu mehr Zusammenhalt auf

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Bonn - Wie Weihnachten feiern angesichts der Bedrohung durch Corona? Die deutschen Bischöfe sind dieser Frage in ihren Weihnachtspredigten nachgegangen und haben unterschiedliche Antworten gefunden. Eine Übersicht über die Ansprachen aller 27 Oberhirten.

In ihren Weihnachtspredigten haben viele Bischöfe zu größerem gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Corona-Krise aufgerufen. Erstmals in der Geschichte des deutschen Fernsehens wandten sich die obersten Repräsentanten der beiden großen Kirchen an Heiligabend direkt nach der ARD-Tagesschau mit einem Ökumenischen Wort an die Zuschauer. Darin ermunterten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die Bürger, die Corona-Krise als "Einladung zum bewussten Leben" und als "Aufforderung zu einem neuen Miteinander" zu verstehen. Es sei wichtig, auch in diesen Tagen Rücksicht aufeinander zu nehmen und so menschliches Leben zu schützen.

Bätzing übte am ersten Weihnachtstag zudem scharfe Kritik am Umgang mit Flüchtlingen. Es sei "für Europa wahrlich eine Schande", dass man nicht zu einer gemeinsamen Asylpolitik "als einzig richtiger Antwort auf die weltweite Migration" finde, sagte der Limburger Bischof. Wegen der hohen Aufmerksamkeit für die Pandemie liege "das Flüchtlingsdrama inmitten der freien und wohlhabenden Welt wieder im Schatten".

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx betonte, Gott sei gegenwärtig insbesondere in der Corona-Zeit. "Er ist da: auf den Intensivstationen und in den Pflegeheimen, er ist zu Hause bei den Obdachlosen, bei denen auf der Flucht und bei den Kindern auf der Insel Lesbos", so der ehemalige DBK-Vorsitzende.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, Weihnachten erinnere an die Verbundenheit Gottes mit den Menschen. In einem persönlichen Wort äußerte sich Woelki in der Christmette im Kölner Dom auch zum Verhalten des Erzbistums bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Er bat darin um Verzeihung und erneuerte sein Versprechen nach umfassender Aufklärung der Taten.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief zu mehr Ehrlichkeit in Politik und Gesellschaft auf. "Wenn Menschen Unwahrheiten immer wieder als Wahrheiten ausgeben und somit mit falschen Worten Wirklichkeiten zu konstruieren versuchen, hat das oft fatale Folgen", sagte der Sozialbischof. In der Corona-Pandemie würden sich "verschwörungstheoretische Abgründe" auftun und "unzeitgemäße Apokalyptik" zutage treten.

Münsters Bischof Felix Genn rief dazu auf, in der Corona-Pandemie nicht die Hoffnung zu verlieren. Christen sollten "mehr Hoffnungsträger als Bedenkenträger" sein und als "wirkliche Querdenker" gegen Einsamkeit und Resignation Zuversicht schenken. Bei aller Kontroverse sei er auch dankbar dafür, dass Menschen dazu fähig sind, einen Impfstoff zu entwickeln.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann bezeichnete die Geburt Christi als eine Botschaft der Hoffnung. Dass sich an Weihnachten Himmel und Erde verbinden und Gott Mensch werde, mache Weihnachten "so einzigartig und so glaubwürdig und so tröstlich, gerade auch für schwere Zeiten". Gerade in einer Zeit "gesteigerter Ängste, in der Menschen Angst haben, krank zu werden, andere anzustecken, sich falsch zu verhalten, um ihre Existenz bangen oder wie nach der Amokfahrt in Trier trauern und verunsichert sind", sei dies eine wichtige Gegenbotschaft, sagte Ackermann.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser bekundete Verständnis für die Wünsche der Menschen nach Leben, Liebe, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Überwindung der Pandemie und Ehrlichkeit. "Wir wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und die Lügner nicht grinsend Recht behalten." Gott erfülle dabei die Wünsche der Menschen viel tiefer, als sie es selbst auf Anhieb verstünden.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker forderte alle Christen auf, die Globalisierung mitzugestalten. Die Corona-Pandemie habe in diesem Jahr gezeigt, wie sehr die Weltgesellschaft verbunden sei. Dabei dürfe es aber nicht nur um technischen Fortschritt und ökonomischen Nutzen gehen. "Ohne eine religiöse und moralische Globalisierung hat die eine Welt keine Zukunft", sagte der Erzbischof.

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr bezeichnete das diesjährige Weihnachtsfest als möglichen Wendepunkt in der Pandemie. In diesem Jahr sei es "für alle Menschen ein Fest der Hoffnung, dass die dunklen Tage der Bedrohung durch das Coronavirus und der Infektionsschutzmaßnahmen bald zu Ende gehen, dass der Höhepunkt der Pandemie erreicht ist und die Bedrohung abnimmt und sogar ganz verschwindet".

Die Botschaft von Weihnachten richtet sich nach den Worten des Fuldaer Bischofs Michael Gerber direkt an gestresste Menschen. "Jesus will genau da gegenwärtig sein, wo Menschen nach menschlichem Ermessen völlig überfordert sind." Auch für Maria und Josef sei ihr Weg von Nazareth nach Bethlehem, wo sie keine Herberge fanden, eine einzige Überforderung gewesen. Dieser Impuls, es irgendwie schaffen zu müssen, beschäftige auch in der Corona-Krise viele Menschen. "Irgendwie müssen wir es auf die Reihe bekommen - damals wie heute", sagte der Bischof.

Der Oberhirte von Magdeburg, Bischof Gerhard Feige, betonte: "Mag es sich um eine konkrete Furcht vor Ansteckung handeln oder um eine tiefe Existenzangst, die das Virus ausgelöst hat, Gott will uns nahe sein und uns in allen Nöten und Schwierigkeiten beistehen. Dazu ist er Mensch geworden." Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes sei "eine Freude mitten in aller Gefahr". Das könne helfen, "unserer Furcht und unserer Angst ins Auge zu blicken und sie gerade so zu entmachten".

Erzbischof Heiner Koch sieht in der christlichen Weihnachtsbotschaft eine starke Trost- und Kraftquelle in der Corona-Krise. "Wir feiern gerade jetzt, dass Gott wirklich tragender Trost ist. Wir feiern, dass Gott in die Nacht unseres Lebens gekommen ist, in unsere Dunkelheiten." Darauf zu vertrauen, dass Gott einem Trost sei, "ist die mutige Entscheidung des Weihnachtsfestes", so der Berliner Oberhirte.

Dresdens Bischof Heinrich Timmerevers drückte seine Hoffnung auf Zuversicht durch die Weihnachtsbotschaft auch in schwieriger Zeit aus. Im Jesus-Kind in der Krippe komme den Menschen die Liebe Gottes entgegen. Er wünsche sich, dass dies neue Zuversicht gebe angesichts zahlreicher gesellschaftlicher und persönlicher "Baustellen". Gegenwärtig müsse größere Rücksichtnahme füreinander entwickelt werden. "Vielleicht hilft uns das, einen neuen, direkteren Zugang zur Weihnachtsbotschaft zu finden", so Timmerevers.

Die Corona-Schutzformel AHA (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) lässt sich an Weihnachten laut Bischof Wolfgang Ipolt auch christlich buchstabieren. "Annahme, Heil, Anbetung  - daran werden wir 2020 erinnert. Das sind 'AHA-Glaubensworte', mit denen wir das Fest feiern", erklärte der Bischof von Görlitz in seiner Weihnachtspredigt. "Gerade die Andersartigkeit des Weihnachtsfestes in diesem Jahr legt doch das Eigentliche frei, lässt das Geheimnis dieses Festes nackt und bloß vor uns erscheinen - wenn wir uns dafür öffnen."

In Hannover feierten der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer und der evangelische Landesbischof Ralf Meister einen Weihnachtsgottesdienst in der Kultgaststätte "Klickmühle".  In der an Heiligabend auf Youtube veröffentlichten Aufzeichnung nahmen sie Bezug auf die Sorgen und Nöte der Bevölkerung in der Corona-Krise.

Weihnachten fordert die Christen nach den Worten des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode heraus, die Menschenfreundlichkeit Gottes in dieser Welt zu leben. Der Mensch solle sich durch Hass und Ausbeutung nicht selbst zum Virus machen lassen, sondern vielmehr "ansteckend" sein in der Liebe und im Erbarmen. "Dabei sollen wir uns verbünden - gerade heute in der weltweiten Herausforderung der Pandemie - mit allen Menschen guten Willens", sagte Bode.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße machte in seiner Weihnachtspredigt auf die menschlichen, seelischen und sozialen Folgen der Corona-Pandemie aufmerksam. Die Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen seien möglicherweise die nachhaltigsten Einschränkungen und damit auch Veränderungen für die Menschen, so Heße. "Mit dem Verstand ist jedem klar, wie wichtig all diese Kontaktbeschränkungen für uns gerade jetzt sind, aber mit dem Herzen sind sie nur sehr schwer auszuhalten. Wir sind Menschen mit Leib und Seele." Jeder brauche Kontakte und Berührungen.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick stellte das Schicksal von jungen Menschen in den Mittelpunkt seiner Weihnachtspredigt. "Bei aller Sorge um die älteren Menschen - die uns sehr wichtig sind - dürfen die Kinder und Jugendlichen nicht vergessen werden." Kinderreiche Familien müssten während der Corona-Krise auf engstem Raum leben und spielen. Er denke auch an jene, die Gewalt erlebten oder selbst erlitten. Zudem erinnerte Schick an Kinder im Ausland, die Kinderarbeit leisten müssten anstatt zu spielen und zu lernen, und an jene, die in Flüchtlingscamps oder Kriegsgebieten lebten.

Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht in der Weihnachtsbotschaft den Aufruf, "mit Jesus den Kontakt zu den Menschen zu suchen, die abgeschnitten sind und so sehr auf ein Lebenszeichen warten." Auch solle man den Menschen die Augen für "das viele Gute und Aufopferungsvolle öffnen, das derzeit geschieht und für das wir unendlich dankbar sein dürfen".

Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus als Einladung zu sehen selbst Mensch zu werden, dazu forderte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die Gläubigen auf. Ohne Vorleistung des Menschen käme Gott auf die Menschheit zu und werde in Bethlehem einer von ihnen.

Für den Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann geht von Weihnachten ein Licht der Hoffnung aus. Im vergangenen Jahr habe sich allerdings die "globale Verletzbarkeit unserer Welt" besonders einschneidend und allumfassend gezeigt, sagte der Oberhirte in der Christmette im Speyerer Dom. Daher gehe es an diesem Weihnachtsfest besonders um Anteilnahme für Menschen in Not: "Wo Menschen einsam sind und keinen Halt finden; wo Menschen um ihr Leben ringen und andere sich mit ihrem eigenen Leben für sie einsetzen; wo Menschen unausweichlich vor Entscheidungen gestellt werden, die sie überfordern und moralische Ordnungen zerbrechen lassen; wo Gerechtigkeit und Menschenwürde mit Füßen getreten wird, nur weil Menschen arm, anders, fremd, auf der Flucht sind."

In Augsburg nannte Bischof Bertram Meier Gott einen Grenzgänger, der sich nicht aufdränge. An Weihnachten habe er sich an die Peripherie gewagt und rufe dem Menschen zu: "Komm auch du heraus!" Weihnachten zeige den Christen, wie Evangelisierung gehe, also das Verkünden der Frohen Botschaft.

Ein Virus scheine sich "zwischen uns und den Himmel" wie eine dunkle Wolkendecke ausgebreitet zu haben, sagte der Passauer Bischof Oster. Wer habe da noch Lust auf Feiern? Aber die von vielen erfahrene Armut an diesem Weihnachten, aber auch die Freiheit von allem möglichen Aktionismen, könne den Menschen in eine neue innere Bewegung führen und ihm zu verstehen geben: Gott komme von selbst durch Jesus in die Welt und lasse von sich aus Weihnachten werden.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer griff in seiner Ansprache den Begriff der "Nachtwache" auf. Dabei dankte er allen, die an Weihnachten in Krankenhäusern oder in Hospizen ihren Nachtdienst leisteten: "Sie üben einen wahren Hirtendienst aus im Aufschauen auf die ihnen anvertrauten Menschen." Die Gedanken und Gebete seien bei ihnen, aber auch bei jenen, die wirtschaftliche Sorgen hätten, einsam seien oder den Tod eines geliebten Menschen zu beklagen hätten.

Im Freiburger Münster betonte Erzbischof Stephan Burger, die Pandemie werfe auch die Frage auf, warum Gott solch großes Leid zulasse. Mit der Menschwerdung Jesu an Weihnachten habe Gott aber versprochen: "Ich halte das alles mit euch aus, und ich halte es für euch aus, um das zu überwinden, was ihr aus eigener Kraft nicht schafft." Diese Botschaft könne zu einer "Art geistlichem Impfstoff" werden, der "uns schon längst zur Verfügung steht und der uns befähigt zu leben".

Der Oberhirte des Bistums Rottenburg-Stuttgart, Bischof Gebhard Fürst, äußerte in seiner Weihnachtsbotschaft die Hoffnung, dass sich die Menschen auch nach dem Ende der Corona-Pandemie bewusst machten, dass sie nicht von Wohlstand, Geld und Besitz, sondern von zwischenmenschlichen Beziehungen leben würden.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf warb um Zuversicht trotz der aktuellen Krise. Auch wenn es wegen Corona diesmal keine ausgelassenen und fröhlichen Weihnachten seien: "gnadenreiche" seien es in jedem Fall. (rom/KNA)

25.12.2020, 17.05 Uhr: ergänzt um aktuelles Zitat von Bischof Kohlgraf. /rom

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