Bischof Hanke: Kam mir in der Corona-Krise manchmal nutzlos vor
Den Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke haben die Auswirkungen auf seinen Berufsalltag durch die Corona-Krise nach eigenen Worten sehr belastet. "Das hat mich sehr stark irritiert und auch betroffen gemacht, bis dahin, dass ich mir manchmal so nutzlos vorgekommen bin, oder so überflüssig", sagte Hanke in einem am Dienstag veröffentlichten Videointerview der diözesanen Pressestelle, in dem er auf das Jahr 2020 zurückblickt. Er sei als Bischof eigentlich dazu da, den Menschen zu begegnen, ihnen Mut zuzusprechen und mit ihnen ein Stück auf den Weg des Glaubens zu gehen. "All das war nicht mehr möglich", so der Bischof mit Blick auf die pandemiebedingten Einschränkungen.
Er habe daher versucht, seine Kontakte "in neue Bahnen zu lenken", so Hanke weiter. Er habe viel telefoniert, auch mit Menschen, mit denen er schon lange keinen Kontakt mehr gehabt habe. Gleichzeitig sei er sensibler geworden für die Notwendigkeit, einander im Gebet verbunden zu sein. "Ich habe oft an die alten, an die kranken Mitbrüder gedacht, an die Menschen, die sich dem Gebet anempfohlen haben", sagte der Oberhirte. Das habe "in dieser Zeit der Abgeschlossenheit" noch mehr Gewicht bekommen. Alles in allem sei der Lockdown in Frühjahr "eine verrückte Zeit" gewesen.
Laut Hanke muss die Kirche nach der Corona-Krise den Menschen die Antworten des Evangeliums auf die Fragen des Lebens wieder neu "buchstabieren". "Und zwar so buchstabieren, dass die Menschen diese Antworten verstehen." Gleichzeitig werde es entscheidend sein, die Nähe Gottes, die die Kirche in der Liturgie feiere, im Alltag konkret erfahrbar zu machen. "Christsein darf nicht zur Routine erstarren, zur Frömmigkeitsroutine", betont Hanke. Die Aufgabe der Kirche bestehe darin, nach neuen Wegen zu suchen, den Menschen in ihren Nöten nahe zu sein und sie zu begleiten. Dazu müsse sie ihnen auch Perspektiven für die Zukunft geben. Dass der Mensch eine Zukunft hat, sei nämlich die Verheißung des Evangeliums, so Hanke.
Nicht nur die Kirche werde nach der Corona-Krise eine andere sein, sondern auch die Gesellschaft, unterstreicht Hanke. "Wir erleben es zurzeit in der Gesellschaft, dass da Erdplatten aneinanderstoßen". In allen Teilen seien Ängste spürbar: auf der einen Seite die Angst um Leib und Leben, "weil wir auch das Thema Krankheit und Tod weithin tabuisiert haben in unserer Gesellschaft", unterstreicht Hanke. Auf der anderen Seite gebe es die Angst, Freiheit und Demokratie könnten ausgehöhlt werden. All diese Ängste bedürften nach der Pandemie einer gesellschaftlichen Aufarbeitung, so der Eichstätter Bischof. (mal)