Bischof Kohlgraf: Gender-Diskussion ja, Weihe nein
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hält es für berechtigt, "angesichts der Gender-Thematik heute über Geschlechterrollen neu nachzudenken". Dem Thema könne sich auch das katholische Lehramt nicht entziehen, schreibt er am Mittwoch in einem Beitrag für die Mainzer "Allgemeine Zeitung". Kohlgraf reagierte damit auf einen Text der Journalistin und Buchautorin Christiane Florin.
Florin schrieb am vergangenen Wochenende ebenfalls in der "Allgemeinen Zeitung", dass einige Bischöfe "tatsächlich glauben, dass Gott eher Mann als Mensch wurde". Bis ins 19. Jahrhundert hinein seien Frauen jedoch nicht deshalb vom Weiheamt ausgeschlossen worden, weil die Priester Christus repräsentierten. "Sie galten als minderwertig, als missratene Kreaturen, bei feuchtem Südwind gezeugt", so die Journalistin, die dabei auf den Kirchenlehrer Thomas von Aquin verwies. Florin hatte in dem Beitrag auch Kohlgraf persönlich vorgeworfen, die Frage der Frauenweihe als beantwortet zu betrachten. Ihr neuestes Buch trägt den Titel "Der Weiberaufstand – Warum Frauen in der katholischen Kirche mehr Macht brauchen".
Der neue Mainzer Bischof widersprach nun: Gott sei "nicht eher Mann als Mensch geworden". Gleichzeitig könne der Mensch nach der geltenden Lehre nur Mensch als Mann oder als Frau sein. Die Frage, ob es von der Natur des Menschen her vorgegebene Wesensmerkmale gebe, beantworte die traditionelle Theologie mit "Ja", schreibt er weiter. Ihm sei klar, "dass ein derartiges Verständnis heute hinterfragt wird". Das kirchliche Lehramt kann nach Kohlgrafs Worten auch "nicht den Kopf in den Sand stecken und so tun, als sei jede Gegenposition nur Unsinn". Die Gegner dürften dies aber auch nicht.
Kohlgraf beunruhigt über Macht-Debatte in Kirche
Bis ins 19. Jahrhundert sei die Frage der Frauenordination auch gesellschaftlich bedingt kein relevantes Thema gewesen, so der Bischof. Es stimme aber nicht, dass heutige kirchliche Argumente ein Produkt des 19. Jahrhunderts seien. Es gehe um die Frage, ob die Kirche eine Tradition ändern könne, die im zweiten Jahrhundert "abgeschlossen" gewesen sei.
Kohlgraf zeigt sich darüber hinaus beunruhigt, dass in der Kirche über die Zulassung zu "Machtämtern" diskutiert werde. Dies zeige, "dass insgesamt etwas falsch gelaufen ist". Und er ergänzte, dass nicht nur Frauen, sondern auch die meisten Männer von Machtfragen ausgeschlossen seien, "weil zu viele Themen von Macht über die Jahrhunderte an das Weiheamt gekoppelt wurden". Kohlgraf sieht sich aber als Bischof "selbstverständlich an die Aussagen des päpstlichen Lehramts gebunden". 1994 habe Papst Johannes Paul II. die Frage einer Weihe von Frauen entschieden, und "Papst Franziskus hat die Aussage bekräftigt". Der Bischof nimmt deshalb für sich eine Loyalitätspflicht wahr. (bod/KNA)