Bischof Overbeck: Kirche hat Botschaft der Hoffnung in der Pandemie
Mitten in der zweiten Corona-Welle und nach den Erfahrungen der vergangenen Monate appelliert Sozialbischof Franz-Josef Overbeck an Gesellschaft, Politik und Kirche, stärker auf die Hoffnung zu setzen. In einem am Dienstag veröffentlichten "sozialethischen Zwischenruf" erinnert der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) daran, dass die Pandemie die Verwundbarkeit der menschlichen Existenz deutlich mache und grundlegende Fragen an das gesellschaftliche Zusammenleben stelle. Vor diesem Hintergrund und als Ergebnis der Beratungen bei der jüngsten Sitzung der Kommission habe er den Zwischenruf zu Corona mit Beobachtungen und Fragen sowie Wertvorstellungen formuliert, so der Essener Bischof.
Mit Blick auf das herannahende Weihnachtsfest fragten sich viele, ob es wie zu Ostern "wieder einen einsamen Segen für die Vereinsamten geben" müsse. Die Ungewissheit sei zum charakteristischen Kennzeichen der Gesellschaft geworden, so Overbeck. Fehlende Planbarkeit, Überlastung, Zukunftsängste und Isolation belasteten die Menschen. Insbesondere erinnert er an Gruppen, für die die notwendigen Entscheidungen im ökonomischen Sinne zu existenzieller Not führen können, etwa die Künstler und Kulturschaffenden.
Zu den zentralen Beobachtungen der Krise gehören die offensichtliche Sozial- und Sozialstaatsbedürftigkeit des Menschen und das Comeback des Staates, das Erstarken der wissenschaftlichen Politikberatung sowie nicht zuletzt ein großes neues Interesse an ethischen Fragen. Erforderlich seien das sozialethische Grundprinzip der Solidarität sowie eine Stärkung der Familie und besondere Aufmerksamkeit für Kinder und Jugendliche.
Bisheriger Modus der Verkündigung trägt derzeit nur noch schwer
Sozialpolitische Maßnahmen sollten Menschen und Branchen zielgenau unterstützen, jedoch keine Lasten ungebührlich in die Zukunft verschieben. Weiter mahnt Overbeck Solidarität auch im europäischen und globalen Maßstab an. Der Mensch sei als "der Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen" ins Zentrum zu stellen und ihn dabei "in seiner gottgegebenen Würde anzuerkennen, aus der heraus ihm Freiheit und Verantwortung zur Entfaltung seiner Ressourcen zustehen". Die Kirche selbst spüre "den Wandel und die Verletzlichkeit gewachsener Strukturen" und muss laut Overbeck in dieser Zeit "eine lernende und zuhörende Kirche sein, die das Suchen nach den Spuren Gottes in dieser Zeit und Wirklichkeit in neuer Weise begleitet".
"Auch als Kirche tun wir uns schwer mit dieser Situation. Wie für die ganze Gesellschaft ist sie für uns völlig neu. Wir sehen und spüren die Not der Menschen, sind aber oft unsicher, wie wir konkret helfen sollen. Klar ist, dass der bisherige Modus der Verkündigung derzeit nur noch schwer trägt", unterstrich Overbeck.
Mit Blick auf Verschwörungstheorien mahnte er: "Selbst wenn sich Teile der Bevölkerung der Verantwortung für ihre Mitmenschen verweigern, sich aus einem falsch verstandenen Freiheitsverständnis heraus an Gesundheitsschutzmaßnahmen abarbeiten und verschwörungsideologischen Ansätzen glauben, ist das Gesamtbild ein Hoffnungsvolles." (KNA)