BKU: Kirche braucht neue Strukturen zur Missbrauchsbekämpfung
Nach Veröffentlichung des Kölner Missbrauchsgutachtens fordert der Bund katholischer Unternehmer (BKU) neue Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Das Gutachten habe gezeigt, "dass viele der festgestellten Pflichtwidrigkeiten auf fehlenden Organisations- und Compliance-Strukturen beruhen", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier.
"Das Gercke-Gutachten macht einmal mehr deutlich, dass es in der Kirche einen Modernisierungsbedarf gibt, der auch Strukturen und Arbeitsweisen betrifft", erklärt der BKU-Vorsitzende Ulrich Hemel. Daher sei neben neuen Regeln ein verändertes Prinzip von Aufsicht und Kontrolle notwendig. Dem schließe sich unter anderem eine Überprüfung von Führungsprinzipien und Qualifikation von Leitungspersonal sowie eine transparente Kommunikation an. Der Verband verfüge mit seinen Mitgliedern dahingehend über eine breite Expertise und biete der Kirche an, "sie auf diesem Modernisierungsweg zu unterstützen", so Hemel.
Das am vergangenen Donnerstag vorgestellte Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln hatte 75 Pflichtverletzungen von acht lebenden und verstorbenen Verantwortlichen zwischen 1975 und 2018 festgestellt. Die meisten Pflichtverletzungen – 24 und damit rund ein Drittel aller Fälle – wurden Kardinal Meisner nachgewiesen, sein Vorgänger Kardinal Joseph Höffner soll acht entsprechende Vergehen begangen haben. Zu den weiteren Beschuldigten zählen unter anderen der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sowie der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, die noch am Donnerstag dem Papst ihren Rücktritt anboten. (mpl/wlt)