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Zwei ehemalige Kapläne erinnern sich an den 8. Oktober 1989

"Bringt euch nicht um euer Leben"

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Dresden - Frank Richter und Andreas Leuschner erinnern sich oft in diesen Tagen. Richter ist heute Leiter der Sächsischen Zentrale für politische Bildung, Leuschner katholischer Pfarrer der Gemeinde St. Paulus in Leisnig, einer Kleinstadt, etwa 50 Kilometer südöstlich von Leipzig. Am 8. Oktober vor 25 Jahren waren die beiden Männer Kapläne in Dresden und schrieben bei einer Demonstration in nur wenigen Minuten ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Wende von 1989.

Ausgangspunkt der ersten öffentlichen Demonstrationen sind die Eisenbahn-Zügen, die Flüchtlinge aus der Prager Botschaft über das Staatsgebiet der DDR in den Westen bringen. Entlang der Strecke versuchen hunderte DDR-Bürger an die Schienen zu gelangen um auf die Züge aufzuspringen. Tausende Polizisten sichern die Bahnstrecken durch Sachsen um Fluchtversuche zu verhindern. In Dresden eskaliert die Situation am 4. Oktober 1989: Vier Züge werden an diesem Tag durch den Hauptbahnhof geleitet. Vor und im Gebäude versammeln sich rund 5.000 Menschen. Sie versuchen den Bahnhof und die Gleise zu besetzen.

Der Dresdener Bischof Joachim Reinelt ist zu Anfang bei den Demonstranten. "Ich habe mit diesen jungen Menschen gesprochen, die auf die Züge aufspringen wollten", erinnert er sich. "Es war schon zu erkennen, dass es zu schlimmen Auseinandersetzungen kommen wird. Ich habe nur gesagt, 'Bringt euch nicht um euer Leben'", berichtet der ehemalige Dresdener Bischof von den Ereignissen. Doch die Demonstranten hätten ihn belehrt: Die jungen Leute sagten ihm: "Wir sind die letzten die hier rauskommen, dann machen die euch sowieso alle fertig", so Reinelt.

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1.800 Festnahmen an einem Tag

Tatsächlich räumt die Polizei den Bahnhof schließlich mit Gewalt. Die Demonstranten werfen mit Pflastersteinen und zünden einen Polizeiwagen an. "Auf der Fahrt nach Bautzen kamen mir dann mindestens zehn LKWs mit Polizisten von der Volkspolizeischule Löbau entgegen. Da war mir klar, was dort passiert", erzählt der Bischof.

Die Polizei geht mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor und nimmt zahlreiche Menschen fest. Von bis zu 1.800 Verhaftungen ist bis heute die Rede. Danach fahren die Sonderzüge nicht mehr über Dresden. Fünf weitere werden über Vojtanov in der Tschechoslowakei und Bad Brambach umgeleitet.

Die "Gruppe der 20" entsteht

Vier Tage später, am 8. Oktober, stehen Frank Richter und Andreas Leuschner in einem Polizeikessel auf der Prager Straße in Dresden. Wieder sind tausende Menschen in Dresden auf der Straße. Die beiden Kapläne haben sich bei der Demonstration zufällig getroffen. An den Tagen zuvor war Richter auch in der Stadt unterwegs, hatte die Unruhe, die Demonstrationen mitbekommen. "Die Situation eingekesselt zu werden, hatte ich an den Vortagen nur von außen gesehen", erinnert sich Richter. Statt abzuwarten, was die Polizei macht, gehen die beiden Kapläne auf die Polizei zu – und werden durchgelassen. Dort sprechen sie mit einem Zivilpolizisten. Die beiden Kapläne wissen in diesem Augenblick nicht, wer vor ihnen steht: Detlef Pappermann ist damals 31 Jahre alt und Mitglied der "Diensteinheit 9", einer Eliteeinheit wie die GSG9 in Westdeutschland.

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