Burda-Chef: Netz ist vorn
Dazu müssten sich die Kirchen auch auf die Veränderungen der Medien im digitalen Zeitalter einstellen, etwa auf die Bedeutung von Facebook, Twitter und Co. Zugleich müsse die Qualität der Beiträge stimmen.
Internet als primäre Informationsquelle
Mit Blick auf verschiedene Kommunikationskanäle sagte der Burda-Chef, die künftige primäre Informationsquelle werde angesichts der schnellen technischen Entwicklung das Internet sein. Printprodukte müssten dann einen Zusatznutzen bieten. Inhaltlich muss die Kirche nach Auffassung Kallens stärker versuchen, mit denjenigen Menschen in Kommunikation zu treten, die am Rand stehen, sich aber für Glaubensfragen interessieren. Er habe den Eindruck, die kirchliche Medienarbeit befasse sich zu stark mit dem Kern der treuen Kirchgänger.
Kallen, seit 2010 Vorstandschef bei Burda, betonte, dass sich die Medien im digitalen Zeitalter neu erfinden müssten. Wenn die Pressefreiheit erhalten werden solle, müssten die Kommunikationsunternehmen wirtschaftlich unabhängig bleiben und neue Erlösquellen finden, sagte er auch unter Verweis auf die Entwicklung bei Burda. Dort hatte das Verlagsgeschäft vor zehn Jahren einen Umsatzanteil von mehr als 60 Prozent. Die Sparte Digital machte 30 Prozent aus. Mittlerweile ist das digitale Geschäft, etwa durch den Zukauf von einer Partnervermittlung, einer Handelsplattform von Haustierbedarf und des Geschäftsleute-Netzwerks Xing, bei 55 Prozent angekommen.
Kallen: Journalismus breiter definieren
Die Frage für Medienunternehmen sei heute, wie lang der Kunde gehalten werden könne, fügte Kallen hinzu. Wenn etwa Burdas Reiseportal "HolidayCheck" den Kunden mit Hilfe über andere Verbraucher über qualitätsvolle Reiseziele informiere, sei das eine zutiefst journalistische Leistung. Die digitale Technologie ermögliche, dass viel mehr Menschen an einem journalistischen Produkt beteiligt seien als bisher. Sowohl der Begriff "Content" als auch der des Journalismus müsse künftig sehr viel breiter interpretiert werden, als das derzeit in der Branche immer noch der Fall sei.
"Journalismus ist doch längst nicht nur das, was fest angestellte politische Journalisten machen." Inhaltliche Beiträge könnten auch die Nutzer liefern. Aufgabe der Journalisten sei es dann, die Einträge auf Qualität und Plausibilität zu prüfen. Wichtig sei aber, "um welchen Kern wir unsere Geschäfte bauen, und das ist und bleibt der Content".
Vergleich zwischen USA und Europäischer Union
Kallen betonte, die Digitalisierung verändere nicht nur die Medien, sondern die gesamte Industrie weltweit mit einer großen Dynamik. Dabei hätten amerikanische Megakonzerne einen riesigen Startvorteil. "In Berlin und in der EU verlässt das Denken den traditionellen Rahmen nicht. Man betreibt dort Telekom-Politik, Datenschutzpolitik, Medienpolitik und E-Commerce-Politik, aber niemand betrachtet die Consumer-Internet-Industrie als Ganzes, und deshalb fehlt auch ein wirksamer ordnungspolitischer Rahmen", mahnte er. (KNA)
Katholisch.de wird bestimmte Programmpunkte des Medienkongresses live übertragen: Dienstag, 28. Oktober 2014: 10:00-10:30 Referat: Mission Medien – Zukunftsszenarien kirchlicher Kommunikation; 10:45-12:15 Podiumsdiskussion: In welcher Mission unterwegs Von der Veranstaltung wird unter dem Account @kathmeko und dem Hashtag #kmk14 außerdem getwittert.