Da hilft kein Kulturpessimismus
Unverkennbar rückt die Zeit der Advents- und Weihnachtsmärkte näher: In den Fußgängerzonen wird gehämmert. Stromleitungen werden angeschlossen und letzte Abwasserschläuche gelegt. Nur noch wenige Tage, dann drängeln sich die Menschen in den Gassen zwischen den hölzernen Buden. Für viele gibt es nichts Schöneres als diese Mischung aus Tand, ein wenig Kunsthandwerk und ganz viel Essen und Trinken. Andere haben bereits vor dem ersten Advent die Nase voll vom Geruch vom ranzigen Fett und überzuckerten Glühwein. Zu welcher der beiden Fraktionen wir gehören wollen, hängt vermutlich von der eigenen Tagesform ab. So ein Bummel über den benachbarten Weihnachtsmarkt mit Freunden oder Kollegen kann schon Spaß machen. Andern tags nervt einfach dieser süßliche Geruch aus der Holzhütte, der zusammen mit einer viel zu lauten "Stille Nacht" die Nerven strapaziert.
Da hilft auch kein Kulturpessimismus: Weihnachtsmärkte sind heute ein Teil des Eventgeschäfts und für viele familiengeführte Schaustellerbetriebe ein Geschäftsfeld, das Existenzen sichert. Trotzdem gut, dass jetzt die Leute vom Hilfswerk Adveniat mit ihrer Aktion "Höchste Zeit für wahre Werte" an Alternativen erinnern. Sie tun dies sogar mit einem ungewöhnlichen Videoclip, in dem Krippen- und Weihnachtsfiguren gemeinsam in einer lautstarken Demo auf einem Miniatur-Weihnachtsmarkt für die wahren Werte im Advent eintreten. Das ist natürlich mit Augenzwinkern gemeint und nicht unbedingt eine Aktion zum Nachmachen in der eigenen Fußgängerzone. Vielleicht reicht es ja, andere Anregungen von Adveniat aufzugreifen: Mit Freunden zusammen Kerzen ziehen oder mit der Familie Plätzchen backen. Da erleben wir Gemeinschaft und kommen vielleicht ein wenig zur Ruhe. Genauso wie bei der geistlichen Frühschicht in der eigenen Kirchengemeinde oder bei der Roratemesse mit Kerzenschein in der Pfarrkirche. Wer diese besonderen Momente des Advent erlebt, der kann danach vermutlich auch frohen Herzens über den Weihnachtsmarkt ziehen, weil er (oder sie) eine starke Ahnung von der wirklichen Weihnachtsüberraschung hat.
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