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Ein Pfarrer spricht im Gottesdienst mit seiner Gemeinde.
Osnabrück/Bonn - Heute wird in Bonn der deutsche Predigtpreis verliehen. Qualitativ erstklassige Predigten werden hier ausgezeichnet. Aber gibt es die noch in Zeiten, in denen Online-Predigt-Datenbanken zum Kopieren einladen?

Wenn Dominikanerpater Manfred Entrich, Direktor des Instituts für Pastoralhomiletik in Düsseldorf und Mitglied der Jury des Predigtpreises, eine Predigt schreiben muss, läuft das so: "Erst einmal lese ich die Schrifttexte. Je früher, umso besser. Dann setzt der Text sich in mir ab, arbeitet von alleine."

Nach den Doktorabeiten die Predigtplagiate?

Eine Vorbereitung, für die man sich Zeit nehmen muss. Zeit, die immer weniger Pfarrer haben. Einer der Hauptgründe dafür, dass die Zahl an Predigtdatenbanken im Internet in den vergangenen Jahren stetig gewachsen ist. Ob evangelisch oder katholisch, bestückt mit Hunderten Predigten, werden Suchende hier reich beschenkt. Zu jedem Hochfest, jedem Sonntag des Jahreskreises.

Und die Folgen? Kommen nach den Doktorarbeiten auch die Predigtplagiate? Verfällt die Predigtkultur, weil nur noch stumpf abgekupfert wird? Wohl kaum, denn Predigtsammlungen gab es schon immer. Dennoch war es noch nie so einfach, an diese heranzukommen und zu kopieren.

Antike Rhetorik als Vorbild

Eine Frage, die sich durch die Predigtvorlagen stellt, ist eine moralisch-rechtliche: Sagt der Pfarrer, wenn er eine fremde Predigt vorträgt, dass er diese von einem anderen übernommen hat? Für Aufsehen sorgte beispielsweise ein Fall in Baden-Württemberg, bei dem ein evangelischer Pfarrer auf seiner Homepage zahlreiche Predigten veröffentlichte, die jedoch gar nicht von ihm stammten. Eine zweite Frage sucht nach den Folgen für die Qualität der Predigt. Hier können Predigtsammlungen Fluch und Segen zugleich sein. Fluch, wenn ein Pfarrer eine Vorlage aus dem Internet nimmt, "und die Aktualität dann in der Predigt völlig fehlt", wie Entrich betont. Zugleich besteht die Gefahr, dass der Pfarrer dadurch nicht seine eigene Sprache spricht. "Es gibt doch nichts Schlimmeres, wenn beispielsweise ein Pfarrer bei einem Kindergottesdienst kindlich gestelzt spricht", sagt Entrich.

Die antike Rhetorik, aus der die "ars praedicandi" (die Kunst des Predigens) hervorgegangen ist, sprach in diesem Fall von der Sprachtugend der Angemessenheit, dem "aptum". Die Sprache gilt es so zu wählen, dass sie dem Publikum und eben auch der Person des Redners angemessen ist.

Eigene Gedankenreisen durch Predigtvorlagen

Eines ist sicher. Eine schlechte Predigt vertreibt die Leute. Und dort, wo gut gepredigt wird, kommen Leute. Und wenn Predigtdatenbanken dazu führen, dass am Ende eine gute Predigt herauskommt, werden sie zum Segen. "Vorlagen können einen bei der Vorbereitung auf eine Gedankenreise mitnehmen, bei der man Entdeckungen machen kann", betont Professor Erich Garhammer, Pastoraltheologe in Würzburg.

Mit Predigtplagiaten setzte sich übrigens schon der heilige Augustinus auseinander. Im vierten Buch seines Werkes "De doctrina christiana" stellt er klar: Das Wichtigste bei einem Prediger ist, dass sein eigenes Leben mit seiner verkündeten Botschaft übereinstimmt. Wenn demnach der Prediger die Predigt eines anderen übernimmt und danach lebt, sei er glaubwürdiger als ein womöglich rhetorisch Begabter, der zwar eine eigene Predigt verfasst hat, aber sich nicht selbst danach richtet. Ein Plagiator ist also nur der, der seine Botschaft nicht selber lebt.

Von Daniel Gerber

Erschienen in den Zeitungen derVerlagsgruppe Bistumspresse

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