Das Geld bleibt aus
Der Rohstoff Holz lässt sich schon seit einiger Zeit blendend vermarkten und so bringt der erzbischöfliche Gang ins Grüne in diesen Monaten mehr ein als so mancher Gang an die Börse. Rund 30.000 kirchliche Stiftungen gibt es nach Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen derzeit in Deutschland und längst nicht allen geht es angesichts von Zinsen nahe der Null-Linie so gut wie den wohltätigen Nutzern des Linzer Forsts.
Nicht nur kirchliche Geldanleger müssen damit leben, dass die Erträge ihres Kapitals wegen des seit geraumer Zeit abschüssigen Zinsniveaus zurückgegangen sind und nun auf einer niedrigen Ebene verharren. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart rechnet man beispielsweise damit, dass das in Hypothekenpfandbriefen angelegte Geld bei einer Fortsetzung der momentanen Entwicklung "auf lange Sicht" mehr als 37 Prozent weniger abwerfen wird als noch zu Beginn des Jahrzehnts. "Um das gleiche Einnahmenniveau erzielen zu können", stellt der Jahresbericht des Bistums trocken fest, "müsste der Kapitalstock um etwa 60 Prozent erhöht werden" - eine kaum wahrscheinliche Steigerung.
Niedrigzinsen bedrohen die Ausschüttungen
Für die kirchlichen Stiftungen, die sich traditionell in der allgemeinen caritativen Hilfe, in der Kulturförderung sowie als Träger etwa von Kindertagesstätten, Schulen, Hochschulen oder Krankenhäusern engagieren, sind damit schwierige Zeiten angebrochen. Geht es den sogenannten "Trägerstiftungen" noch verhältnismäßig gut, die aus dem Betrieb eigener Einrichtungen mitunter nicht unbeträchtliche Einnahmen erwirtschaften, so drohen die rein fördernden und helfenden Stiftungen finanziell auszutrocknen.
Vor allem die kleineren unter ihnen haben inzwischen teilweise bereits Schwierigkeiten, aus den von ihnen angelegten Mitteln ihre Hilfsprojekte zu finanzieren. Zwar ist nach Angaben des Rottenburger Generalvikars Clemens Stroppel in seinem Bistum noch kein Rückgang caritativer Aktivitäten festzustellen. Sollte die Niedrigzinsphase aber andauern, könnten die Ausschüttungen der Förderstiftungen dann "umso deutlicher rückläufig sein".
Die Renditen schmelzen weg
Die hehren Absichten der in der Regel kirchlich stark engagierten Stifter werden so auf Dauer von den schnöden Entwicklungen der Finanzmärkte unterlaufen. Für einige der Geldgeber mag zwar - theologisch nicht ganz sauber - die Hoffnung im Vordergrund stehen, dass Gott für ihre Spende die von ihnen begangenen Sünden heilen möge, wie es der Passauer Domprobst Heinrich im 12. Jahrhundert in eine von ihm gestiftete Kirche schreiben ließ. Die meisten Stifter wollen mit ihren Stiftungen jedoch im sozialen oder kulturellen Bereich schlicht etwas unterstützen, das ohne ihre Hilfe nicht oder nur in geringerem Maße entstanden wäre. Allenfalls in zweiter Linie dürfte für sie als eine Art "Kollateralnutzen" eine Rolle spielen, dass sie mit ihren Stiftungen über den eigenen Tod hinaus bleibende irdische Spuren hinterlassen.
Doch sei es nun als eigentliches Ziel oder als gern in Kauf genommener Nebeneffekt: Genau diese bleibenden irdischen Hinterlassenschaften durch Stiftungen geraten nun in Gefahr. Sollten die Zinsen nicht bald wieder steigen, wird die Situation selbst für solche Stiftungen schwierig, die ihr Geld langfristig und damit noch zu besseren Konditionen als den gegenwärtigen angelegt haben. Auch ihre verfügbaren Mittel dürften mangels ausbleibender Renditen wegschmelzen und ihnen nur noch die Alternative lassen, entweder den Einsatz pro Unterstützungsfall zu kürzen oder die Zahl der Unterstützungsfälle generell zu beschneiden. Beides entspricht weder den Intentionen der Stifter noch ist es einer Öffentlichkeit zu vermitteln, die den Umgang der Kirche mit ihren Geldern mittlerweile sehr kritisch begleitet. Sie neigt meist dazu, eher auf das stattliche Grundkapital zu sehen als auf die mageren Zinsen, mit denen allein es zu wirtschaften gilt.
Der Immobilienmarkt ist keine Alternative
Hilfe ist in dieser unbefriedigenden Situation kaum in Sicht. Generalvikar Stroppel, zu dessen Bistum 59 kirchliche Stiftungen gehören, sieht keinen Ausweg darin, die Finanzmittel großflächig umzuschichten. Selbst für größere Stiftungen ist es angesichts der hohen Preise auf dem Immobilienmarkt kaum mehr möglich, Vermögen in Grundstücken oder Gebäuden anzulegen und daraus zu vertretbaren Bedingungen zumindest befriedigende Pacht- oder Mietzahlungen zu erwirtschaften. Vollends schwierig wird es, wenn es darum geht, Geld mit Wertpapiergeschäften zu verdienen: "Kapitalanlagen sind im kirchlichen Bereich an bestimmte, in Anlagerichtlinien festgelegte, ethische Mindeststandards gebunden und dem Gebot der Nachhaltigkeit verpflichtet. Höher verzinste, aber risikoreichere Anlagen sind damit weitestgehend ausgeschlossen."
Dass eine solche Sensibilität in Bezug auf kirchliche Geldanlagen entstanden ist, wird bei Priestern wie Laien indes einhellig begrüßt, verzichtet man doch gern auf einen weiteren Skandal in und mit deutschen Bischofssitzen. Es gilt nun stattdessen, betont sparsam zu wirtschaften, oder sich vielleicht ebenfalls auf einen Holzweg analog zum "Erzbischöflichen Linzerfonds" zu begeben. Statt gewissenloser Spekulanten sorgt dort wenigstens der Schöpfer persönlich für ein solides Anwachsen des Kapitals...
Von Uwe Bork