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Heute diskutiert der Münstersche Stadtrat über Zuschüsse zum Katholikentag

Das liebe Geld

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Luftbild des Stadzentrums von Münster.
Münster - Was der Münstersche Stadtrat in seinen Sitzungen beschließt, ist für Katholiken außerhalb der Stadt normalerweise nicht von sehr großer Bedeutung. Wenn sich das Gremium heute Abend trifft, ist das anders. Denn es geht um den Zuschuss zum Katholikentag, der für das Jahr 2018 in Münster angedacht ist - also um viel Geld, das der Rat bewilligen oder verweigern kann.

1,5 Millionen Euro hatte das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) beantragt. Im Juli hatten die Laienvertretung und das Bistum Münster bekannt gegeben , dass der 101. Katholikentag 2018 in Münster stattfinden soll. Zwar muss im November noch die ZdK-Vollversammlung zustimmen, doch von deren positivem Votum ist nach aller Wahrscheinlichkeit auszugehen.

Bleibt die Frage der Finanzierung. Rund acht bis zehn Millionen Euro kostet so ein Katholikentreffen im Durchschnitt, getragen in der Regel durch Teilnehmerbeiträge, das gastgebende Bistum, die Bischofskonferenz, das jeweilige Bundesland und die austragende Stadt. Schließlich sei die "neben dem Veranstalter der zweitgrößte Nutznießer der Veranstaltung ", sagt ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius.

FDP: Kein Spielraum für Finanzspritze

Doch in Münster sehen das nicht alle so. Vor allem "Die Linke" und die FDP haben Bedenken, die beide Parteien in Vorlagen für den Stadtrat zusammengefasst haben. So unterstützt die Fraktion der Freien Demokraten unter Vorsitz von Carola Möllemann-Appelhoff zwar ausdrücklich, dass der Katholikentag 2018 in Münster stattfinden soll. Spielraum für eine Geldspritze sieht sie aber nicht: Im "Hinblick auf das gesetzlich vorgegebene Ziel eines ausgeglichenen Haushalts 2020" könne die Stadt die Summe nicht aufbringen. Die Linken begründen ihr "Nein" mit dem Grundgesetz: Wenn die Stadt Geld für den Katholikentag gebe, dann unterlaufe sie damit die Trennung von Kirche und Staat, schreiben sie.

ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius kann verstehen, dass im Stadtrat Diskussionsbedarf besteht, wenn es um eine solche Summe geht. "Nach meiner Erfahrung geht jedoch ein Vielfaches von dem, was ausgegeben wird, wieder an die Stadt zurück", erklärt er gegenüber katholisch.de und zählt eine lange Liste mit Beispielen auf: Da sei einerseits das ÖPNV-Ticket, das jeder Katholikentagsbesucher mit seiner Eintrittskarte erwerbe. Das Geld dafür gehe direkt an die städtische Verkehrsgesellschaft. Hinzu komme die Miete für Veranstaltungsräume oder auch für Schulen, die sich während des Treffens in Übernachtungslager verwandeln.

Zudem ließen die Menschen auch indirekt viel Geld in der Stadt: Nach einer Studie im Auftrag des ZdK aus dem Jahr 2004 gibt im Durchschnitt jeder Dauerteilnehmer pro Tag rund 35 Euro aus, jeder Tagesbesucher 15 bis 20 Euro. Am Beispiel von Regensburg in diesem Jahr macht das für die 33.000 Dauer- und rund 20.000 Tagesteilnehmer rund 4,9 Millionen Euro, wenn man von einem viertätigen Treffen ausgeht.

900 Fernsehminuten

Dazu kommen aus Zdk-Sicht ein möglicher Prestigegewinn und viel, viel Aufmerksamkeit für die Stadt: "2014 in Regensburg wurde allein in den vierzehn Tagen rund um den Katholikentag in 900 Fernsehminuten berichtet", erklärt Bolzenius. Die Berichterstattung von Radio, Tageszeitungen und Online-Berichterstattung sind da noch nicht eingerechnet. "Auch mittelgroße Städte können zeigen, dass sie eine solche Großveranstaltung stemmen können", sagt Bolzenius.

Auch mittelgroße Städte können zeigen, dass sie eine solche Großveranstaltung stemmen können.

ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius

All diese Argumente unterbreitet das ZdK derzeit auch den Verantwortlichen der Stadt. Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) hat vor der heutigen Sitzung schon eine erste Einschätzung vorgelegt. Darin begrüßt er grundsätzlich den Plan, den Katholikentag in vier Jahren in Münster zu veranstalten. Auch er weist darauf hin, dass es sich bei den erbetenen 1,5 Millionen um einen "Brutto-Zuschuss" handele, dem auch Einnahmen entgegenstünden.

Stefan Weber, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rat, hält sich noch bedeckt. Er erinnert an das verheerende Hochwasser, das Münster Ende Juli heimgesucht hat: "Da ist unglaublich viel zerstört worden. Es sind Schäden in Höhe von rund 300 Millionen Euro entstanden", sagt er. Auch das müsse in die Überlegungen mit einbezogen werden. Weber hält es zum jetzigen Zeitpunkt daher noch für zu früh, über die Höhe des Zuschusses zu reden. Vorher wolle man vom ZdK noch mehr darüber erfahren, wie genau der Rückfluss von Geldern aussehe.

Entscheidung im November

So spricht vieles dafür, dass der Rat heute noch keine Entscheidung fällt. Das legt auch die Stellungnahme des Oberbürgermeisters nahe, die explizit auf die nächste Stadtratssitzung am 5. November verweist. Auch dieser Termin liegt noch vor der ZdK-Vollversammlung , die vom 20. bis 22. November tagt und für ihre Entscheidung Planungssicherheit braucht. Bis dahin bliebe noch genug Zeit, sich ein Bild zu machen. Es könnte also schon sehr bald wieder eine Tagesordnung geben, die zumindest für Katholiken von bundesweitem Interesse ist.

Von Gabriele Höfling

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