Das Schlimmste noch nicht überstanden
Nach der Jahrhundertflut vom August 2002 und dem verheerenden Neiße-Hochwasser vom August 2010 hatte Dresdens Generalvikar Michael Bautz im Auftrag seines Bischofs bereits Handlungsempfehlungen für den Ernstfall zusammengestellt. Dennoch ließen sich die Fluten nicht aufhalten. Auch in Greiz im südöstlichen Thüringen mussten Pfarrer und Referentin der Gemeinde Herz Jesu evakuiert werden, erklärte Baudisch.
An Gera rauschte die Welle der Weißen Elster gestern Nacht gegen 4 Uhr vorbei. Dekan Klaus Schreiter war mittendrin: "Die Keller sind hier überall vollgelaufen. Ein Drittel der Bevölkerung hat keinen Strom mehr." Im Ortsteil Langenberg seien die Anwohner in die dortige Kirche aufgenommen worden. "Der Bischof wird eine Sammelaktion ins Leben rufen, da einige Anwohner auf den Schäden sitzenbleiben werden", erklärt der Dekan weiter.
Pfarrei St. Antonius in Chemnitz unter Wasser
In Chemnitz wurden Pfarrsaal und Jugendhaus der Pfarrei St. Antonius überflutet. "Das Wasser steht hier einen Meter hoch", erzählt Pater Heinz Menz. Parkettboden, Billardtisch, und die gesamte Kücheneinrichtung inklusive Elektrogeräte: "Wohl alles kaputt", sagt Menz. Mit rund 100.000 Euro Schaden rechnet der Salesianer Don Boscos. Denn auch das Jugendhaus sei vollgelaufen. Der einzige Lichtblick: Das Wasser werde weniger.
So oder ähnlich sieht es in weiten Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern aus. Im niederbayrischen Passau hat das Hochwasser am Montag um 21 Uhr seinen Scheitelpunkt erreicht. Das Bischöfliche Ordinariat ist seit Montag geschlossen. Auch die Mitarbeiter der diözesanen Caritaszentrale konnten ihre Büros in der Altstadt nicht aufsuchen. Dennoch: Das Schlimmste scheint hier am Dienstag überstanden.
In Magdeburg muss der Bischof seine Wohnung verlassen
In Dresden hingegen wartet man noch auf die Flutwelle. "Noch ist aber alles trocken. Und wir sind vorbereitet", verspricht Bistumssprecher Baudisch. Man habe aus dem letzten Hochwasser gelernt und Vorkehrungen getroffen. "Die Kathedrale hat beispielsweise Aluminiumsperrbalken und Pumpen bekommen", so Baudisch weiter.
Im Bistum Magdeburg ist jetzt sogar die Wohnung von Bischof Gerhard Feige in Gefahr. "Die muss wohl geräumt werden", bestätigte Pressesprecher Thomas Lazar gegenüber katholisch.de. Der Magdeburger Bischof hat seine Teilnahme am Eucharistischen Kongress in Köln aufgrund des Hochwassers abgesagt. Er wolle in Magdeburg präsent sein, um "wenn nötig selbst helfen zu können".
In Bitterfeld seien zudem ein Altenheim der Caritas sowie die Kirche Herz Jesu in Gefahr. Das Heim werde zurzeit evakuiert. Katastrophenalarm wurde auch in Halle ausgerufen. "Hier läuft der Keller die alte Moritzkirche voll", so Lazar. Außerdem wurden alle Schulkinder nach Hause geschickt.
Kloster Weltenburg als "Zufluchtsort"
Der niederbayrischen Benediktinerabtei Weltenburg in Kelheim fügten die Hochwasser von 1999 und 2002 schwere Schäden zu. "Doch bisher hat die Feuerwehr hier alles im Griff", sagt der klösterliche Verwalter Hans-Christian Wagner. Der Pegel liege bei rund 7,15 Meter. Für knapp acht Meter sei man hier gerüstet.
Nicht so viel Glück hatte das Nachbardorf Weltenburg. Hier ist inzwischen die Bundeswehr im Einsatz. Doch sei "das Schlimmste noch nicht überstanden", so der Verwalter. Den Scheitel des Hochwassers erwarte man gegen Abend. Die Mönche haben sich derweil jedoch nicht in ihrem Kloster verschanzt. "Sie wollen den Bewohnern moralischen Beistand geben und versuchen dort zu sein, wo es notwendig ist", sagt Wagner. Außerdem sei das Kloster Weltenburg "jederzeit Zufluchtsort".
Von Björn Odendahl
Kampf gegen das Wasser: Auch kirchliche Einrichtungen sind vom Hochwasser betroffen