Das wünschen wir uns für 2018 in der Kirche
Was ich mir wünsche
Jugendlichen zuhören
Vom 3. bis 28. Oktober findet im Vatikan die Bischofssynode zum Thema Jugend statt. Die Bischöfe werden dabei nicht nur über Jugendliche sprechen, sondern auch mit ihnen. Dabei sollten sie die Chance nutzen und den Jugendlichen ausdrücklich für ihr Engagement in der Kirche danken und ihnen ihre Wertschätzung ausdrücken. Denn ohne Jugend hat auch die Kirche keine Zukunft.
Über den Glauben reden, nicht nur über Skandale!
Ich wünsche mir, dass 2018 in der Kirche noch mehr debattiert wird - nicht nur über den Papst und dessen vermeintlich häretische Ansichten, sondern vor allem über die grundlegenden Fragen des Glaubens.
Besonnenheit bei Strukturreformen
Auch in diesem Jahr werden verschiedene deutsche Bistümer sogenannte Strukturreformen vorantreiben, um zukunftsfähig zu bleiben. Man kann nur hoffen, dass dabei die Verantwortlichen auf Diözesanebene Besonnenheit walten lassen. Dass zum Beispiel nicht gleich jedes Kirchengebäude "dicht gemacht" wird, nur weil eine bestimmte Zahl regelmäßiger Gottesdienstbesucher nicht erreicht wird. Auf dem Papier entscheidet es sich leicht, ein Sakralgebäude zu schließen oder gar abzureißen. Es muss aber abseits aller Bürokratie auch an die Menschen vor Ort gedacht werden, denen ihre Heimatkirche etwas bedeutet. Dort, wo noch kirchliches Leben ist – wenn auch nicht im Umfang früherer Zeiten –, sollte die Kirche auch 2018 "im Dorf" gelassen werden.
Eine Renaissance des Sakraments der Versöhnung
Das Lutherjahr ist vorbei, aber das, was Luther existentiell angetrieben hat, hat kaum eine Rolle gespielt – in der evangelischen wie in der katholischen Kirche: Schuld und Vergebung, Buße und Rechtfertigung. Diese Fragen – das hat auch Papst Franziskus jüngst in der ersten Generalaudienz des Jahres gesagt – sind zentral für den christlichen Glauben. Doch wozu es eigentlich heute Erlösung und Vergebung der Sünden braucht, das scheint auch vielen Christen kaum bewusst zu sein – und die erste Beichte vor der ersten Kommunion bleibt für viele auch die letzte. Mutter Teresa soll einmal gefragt worden sein, was sich an der Kirche ändern müsse. "Sie und ich", war ihre Antwort. Die Beichte ist ein erster Schritt.
Diakoninnen
Im vergangenen Jahr gab es schon ermutigende Signale: Im Juni fand die erste Runde eines bundesweiten kirchlichen Trainee-Programms ihren Abschluss, das mehr Frauen in kirchliche Führungspositionen bringen soll. Im Dezember dann veranstalteten Theologinnen in Osnabrück einen Kongress über Frauen in kirchlichen Ämtern. Und noch im selben Monat erklärte der US-amerikanische Kardinal Joseph Tobin, dass theologisch eigentlich nichts dagegen spräche, Frauen sogar zu Kardinälen zu ernennen. Liebe Kirchen, wie wäre es, wenn 2018 den schönen Worten endlich mal Taten folgten? Der 50. Jahrestag der ersten nachkonziliaren Weihe von ständigen Diakonen am 28. April wäre doch ein idealer Anlass, um auch Frauen endlich ein verantwortungsvolles Amt zu übertragen.
Mehr Ökumene von unten
Im vergangenen Jahr hat das Reformationsgedenken daran erinnert, dass die Konfessionen gespalten sind. Doch es zeigte auch, dass eine größere Nähe der Christen möglich ist. 2018 könnte das Jahr werden, in dem sich die Ökumene Bahn bricht – nicht von oben, sondern von unten. Die Christen der unterschiedlichen Kirchen sollten alles zusammen tun, was sie derzeit können. Das gemeinsame Abendmahl gehört natürlich nicht dazu, aber es wäre doch möglich, jeden Tag gemeinsam mit einem Gebet zu beginnen oder zu beenden. So kann langsam eine Kircheneinheit wachsen, wie wir sie uns heute noch nicht vorstellen können.
Vollere Kirchen
Es mag zwar frommes Wunschdenken sein: Doch was wäre es schön, wenn sich unsere Kirchenbänke wieder füllen würden! Wie genau man das angeht, steht freilich noch in den Sternen. Fest steht aber: Die Kirche ist dabei in der "Bringschuld" und muss ihre Gottesdienste künftig so attraktiv gestalten, dass sich Menschen wieder – oder ganz neu – von unserer Liturgie angesprochen fühlen. Von alleine werden sie jedenfalls nicht (zurück-)kommen. Wo ich meine religiöse Heimat finde, weil mir der Gottesdienst "etwas gibt", da bleibe ich, da trete ich nicht aus. Hier den eigenen Handlungsbedarf verstärkt zu erkennen, das ist unserer Kirche in diesem Jahr zu wünschen.
Eucharistische Gemeinschaft
Ich wünsche mir von der Kirche im neuen Jahr ein kraftvolles Signal in Richtung Interkommunion. Was wäre das für ein schönes und starkes Zeichen, wenn katholische und evangelische Christen 2018 endlich gemeinsam am Tisch des Herrn Platz nehmen könnten! Wie viele andere Christen auch hatte ich mir den Schritt zu einem wechselseitigen Empfang von Kommunion und Abendmahl zwar schon im zu Ende gegangenen Lutherjahr erhofft. Aber wenn es nun ein Jahr später klappen sollte, würde ich mich genauso freuen. Vor allem diejenigen Gläubigen, die in einer gemischtkonfessionellen Ehe leben, sollten endlich die Chance bekommen, Quelle und Zentrum des kirchlichen Lebens gemeinsam erleben zu können.
Eine vermittelnde Rolle in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft
Ich wünsche mir, dass wir als Kirche in diesem Jahr stärker eine vermittelnde Rolle in den Teilen unserer Gesellschaft spielen, die immer weiter auseinanderdriften: reich und arm, rechts und links. Im Jahr 2018 bewegen sich die Menschen trotz – oder gerade wegen – des Internets fast nur in ihren eigenen Kreisen und wenn sie sich begegnen, dann kommt es eher zu Pöbeleien als zu Austausch und Diskussion. Als eine jahrtausendealte Institution hat die Kirche einen langen Atem und sollte nicht aufhören, den Dialog zu suchen und ihre eigenen Werte einzubringen. Wenn aber wieder einmal eine Steuererleichterung nur den Besserverdienenden weiterhilft oder einzelne Parteien gegen ganze Menschengruppen hetzen, muss die Kirche mit scharfen Worten benennen, wo das Problem liegt und sagen, was der bessere Weg wäre.
Christen, die für ihren Glauben eintreten
Anfeindungen oder Diffamierungen gegenüber dem Papst, Bischöfen oder der Kirche sind nicht nur in den Sozialen Netzwerken zur Normalität geworden. Viele Menschen reden daher ihren Glauben in der Öffentlichkeit klein oder gelangen in die Situation sich für ihren Glauben rechtfertigen zu müssen. Für solche Situationen wünsche ich mir, dass die Christen für ihren Glauben eintreten und mit Mut, Stolz und Selbstbewusstsein zum Aushängeschild der Kirche werden.
Mehr Angebote für Familien mit Kindern
2018 sollte es innerhalb der Kirche mehr Angebote für Familien mit Kindern geben. Wünschenswert wären parallele Kindergottesdienste zum normalen Gottesdienst an den Sonntagen, bei denen die Kinder sich nicht unwohl fühlen, wenn sie etwas lauter sprechen oder nicht still in der Bank sitzen bleiben. Denn gerade kleinen Kindern fällt es oftmals schwer eine Stunde still und ruhig in der Kirchenbank zu sitzen.
Worauf ich verzichten kann
Machtkämpfe spirituell bemänteln
Die vorschnelle und oft scheinheilige spirituelle Bemäntelung von innerkirchlichen Entscheidungsprozessen mit dem Wirken des Heiligen Geistes sollten wir aufgeben. Auch in der Kirche gab und gibt es Machtkämpfe. Dazu muss man stehen und die Sache beim Namen nennen, sonst wird Kirche unglaubwürdig.
Bischöfliche Wortmeldungen zu jedem Thema
Es ist gut, dass die Bischöfe ihre Meinung sagen und die Position der Kirche klarmachen. Sie müssen das Evangelium verkünden: Sei es gelegen oder nicht. Das kann auch politisch sein. Doch Kommentare zu allen möglichen Problemen und Dingen sind dabei fehl am Platz. Denn es dient nicht dem Auftrag der Kirche, den Glauben an Jesus Christus zu bezeugen und sich gleichzeitig zu Belanglosigkeiten zu äußern.
Schlechte Argumente gegen die "Ehe für alle"
Das Wettern gegen die "Ehe für alle" mit schlechten Argumenten will ich nicht mehr hören. Das einzige Argument, das manche Bischöfe seit einigen Monaten vorbringen, ist, dass aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften keine Kinder hervorgehen könnten – anders als aus verschiedengeschlechtlichen Ehen. Das sagt die Kirche und handelt doch anders: Denn alte Paare können sich in der Kirche das Sakrament der Ehe spenden und jüngeren unfruchtbaren Paaren wird es auch nicht verweigert. Seit Papst Paul VI. behauptet die katholische Kirche nicht mehr, dass die Fortpflanzung der einzige Zweck einer christlichen Ehe sei – und für staatliche Ehen fordert sie es nun? Als denkender Christ fühlt man sich verschaukelt. Wenn wir als Kirche nicht noch mehr unsere Glaubwürdigkeit beim Thema Partnerschaft verspielen wollen, müssen wir überzeugende Argumente nennen – falls es sie denn gibt – oder schweigen.
Traditionen und verschiedene Ästhetiken des Glaubens zu politisieren
Römerkragen – konservativ! Alte Messe – reaktionär! Messopfer – um Gottes Willen! Aber auch: Stuhlkreis – Kuschelchristentum! Gitarre und Schlagzeug – seicht! Sich für Flüchtlinge, gegen Klimawandel einsetzen: links und verweltlicht! In der Kirche ist Platz für viele Ausdrucksformen des Glaubens, für viele Spiritualitäten, für Aktion und Kontemplation. Grabenkämpfe um Symbole wie den Stuhlkreis und den Römerkragen sind aus der Zeit gefallen. Sie waren vielleicht aktuell, als es noch eine Volkskirche gab, von der man sich abgrenzen konnte, musste oder wollte, sei es, weil sie zu seicht, sei es, weil sie zu konservativ wahrgenommen wurde. Jede Form des Glaubens gleich in links und rechts zu sortieren, das bringt die Kirche nicht voran.
Immer nur jammern
Worauf ich in diesem Jahr gut verzichten kann, sind weitere lähmende Debatten über die ach so deprimierende Situation der Kirche in Deutschland. Wer immer nur das Negative betont und sich selbst in Untergangsszenarien gefällt, wird die Frohe Botschaft nie erfolgreich unters Volk bringen. Trauen wir uns als Christen wieder mehr, dass Positive in den Mittelpunkt zu stellen! Zwar müssen Probleme und Fehlentwicklungen in der Kirche klar benannt werden, sie sollten die Frohe Botschaft aber nicht länger überdecken.
Innerkirchliche Querelen
Auf der einen Seite die "Tradis", auf der anderen die großen Reformer, und dazwischen die breite Mitte: Dass unsere Kirche in verschiedene Lager "gespalten" ist, wurde gerade auch in der jüngeren Vergangenheit wieder deutlich. Da gab es die papstkritischen "Dubia"- und "Correctio"-Wortmeldungen aus (erz-)konservativen Kreisen, da gab es die Gegen-Initiative "Pro Pope Francis" von reformorientierter Seite. Und im eher Verborgenen – namentlich in einschlägigen Internetforen – beschimpft das eine Lager das andere oft aufs gröbste. Muss das sein? Müssen Katholiken gegen Katholiken kämpfen? Oder sollten wir als Kirche künftig nicht lieber wieder verstärkt mit einer Stimme sprechen? Dass festgefahrene Meinungen überwunden, gegenseitige Geringschätzung aufgegeben und die innerkirchlichen Querelen beendet werden, wäre ein schöner Vorsatz für 2018.
Von der katholisch.de-Redaktion