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Kardinal Reinhard Marx ruft zur Überwindung der Kirchentrennung auf

"Das Ziel ist eine sichtbare Einheit"

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Bonn - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat zur Überwindung der Kirchentrennung aufgerufen. In einem Beitrag für das ökumenische Internetprojekt "2017 gemeinsam unterwegs" sagte Marx, für die katholische Kirche sei das Ziel eine sichtbare Einheit.

"Das meint aber weder eine uniforme Einheitlichkeit, noch können im Sinne einer Beliebigkeit alle Unterschiede nebeneinander bestehen bleiben", so der Erzbischof von München und Freising. Die Spannung zwischen Vielfalt und Einheit gelte es miteinander auszuloten, "denn Vielfalt ist auch eine Chance". Marx räumte ein, dass es erfahrungsgemäß auf dem Weg nicht immer geradeaus gehe.

"Entscheidend ist, dass wir in Liebe und Geduld einander verbunden bleiben und das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren", so der Kardinal. Ausdrücklich würdigte er die Entwicklungen in der Ökumene: "Die Fortschritte, die wir erzielt haben, machen mir Hoffnung, dass es uns gelingt, das Gedenkjahr 2017 gemeinsam als ein Christusfest zu begehen. Wenn wir Jesus Christus und seine Botschaft in die Mitte stellen, dann kommen wir nicht nur ihm, sondern auch einander näher."

Unternehmensberater plädiert für mehr Authentizität

In einem weiteren Beitrag für das Projekt plädierte der Unternehmensberater Thomas von Mitschke-Collande für eine größere Authentizität kirchlicher Amtsträger. Die katholische Kirche betone eher zentrale Deutungskompetenzen, die lutherische Kirche dagegen eher partizipative Strukturen, die zur Identifikation einlüden.

Für die Glaubwürdigkeit der Kirchen sei in beiden Fällen "nicht so sehr die Kompetenz des Amtes, sondern die Authentizität und das Charisma des Amtsinhabers" entscheidend, so Mitschke-Collande, der Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist. Heute überzeuge nicht mehr das Argument der Macht, sondern die Macht der Argumente und die Authentizität der Person. Dies lebe auch Papst Franziskus überzeugend vor.

Internetseite soll noch bis zum 21. November online bleiben

Bei dem Internetportal handelt es sich um ein interaktives Projekt des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbunds (DNK/LWB) und des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik in Paderborn zum Dialogdokument "Vom Konflikt zur Gemeinschaft. Gemeinsames lutherisch-katholisches Reformationsgedenken 2017". Bischof Gerhard Feige, der Vorsitzende der Ökumenekommission der Bischofskonferenz, bezeichnete das Internetprojekt "als ein Teilstück des Weges, auf dem wir gemeinsam unterwegs sind, zum Reformationsjahr 2017, aber auch unterwegs zu Jesus Christus".

Die Internetseite, die bis zum 21. November online bleiben soll, bietet Kurzbeiträge prominenter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche. Die ersten Beiträge stammen unter anderem von Bundestagspräsident Norbert Lammert und dem ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Dokument "Vom Konflikt zur Gemeinschaft" selbst zu kommentieren und über den Text ins Gespräch zu kommen. (bod/KNA)

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