Der Kardinal steigt auf den Bagger
Beim Verlegen von Pflastersteinen hält sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz noch vornehm zurück, in seinem schwarzen Straßenanzug ist er auch nicht passend gekleidet. Nur kurz geht der Erzbischof in die Hocke und führt einige eher symbolische Hammerschläge aus. Schnell läuft sein Gesicht rot an.
Mehr reizen ihn die Schalthebel eines Mini-Baggers. Marx besteigt den Sitz, Azubi Michael weist ihn kurz in die Bedienung ein, bevor er loslegt. Etwas zu ungestüm lässt der Kardinal die Schaufel in einen Haufen Splitt hinabsausen. Das Raupenfahrzeug bäumt sich auf und droht zu kippen, ein kurzer spitzer Schrei. Michael muss korrigierend eingreifen.
Neuer Job für den Erzbischof?
Doch nach einigen Versuchen ist die erste Ladung Kies nach einem Viertelschwenk des Baggers in der Kiste abgeladen. Jugendbischof Karl-Heinz Wiesemann frozzelt: "Na, hast Du einen neuen Job gefunden?" Darauf Marx: "Da könnte ich mich dran gewöhnen." Und Michael findet, dass sich sein Lehrling doch gar nicht so schlecht angestellt habe - fürs erste Mal.
Landschaftsgärtner ist ein anspruchsvoller Beruf, sagt Kolping-Geschäftsführer Alfred Maier. In der Saison dauert ein Arbeitstag schon mal von morgens halb sieben bis abends um acht. In der kalten Jahreszeit müssen die "Gala-Bauer" dagegen damit klarkommen, nichts zu tun zu haben. Schon die Ausbildung ist nicht ohne. Für die Prüfung gilt es, 400 Pflanzennamen zu büffeln - auf Deutsch und Lateinisch.
Immerhin 85 Prozent seiner Schützlinge kann Maier zum erfolgreichen Abschluss führen. Wer am Leistungsdruck in der freien Wirtschaft scheitert, weil er mit der Sprache, dem Rechnen und Schreiben oder mit dem Lernen überhaupt Probleme hat, erhält bei Kolping eine zweite Chance. Geduldige Handwerksmeister und Sozialpädagogen helfen dabei, auch wenn es manchmal drei Anläufe bis zum Prüfungserfolg braucht.
Seit zehn Jahren nutzt die katholische Kirche in Deutschland den Gedenktag des heiligen Josef am 19. März, um zu diesem Termin für faire Chancen junger Menschen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu werben. Die beiden Bischöfe finden lobende Worte für die Aktion der katholischen Jugendverbände, -sozialarbeiter und -seelsorger. Junge Menschen bräuchten aber nicht nur eine vernünftige Ausbildung, sondern im Anschluss auch sichere Jobs, um eine Existenz, womöglich eine Familie zu gründen, sagen sie.
Wiesemann: Die Kirche ist optimistisch
"Ihr seid unglaublich wertvoll", ruft der Jugendbischof den Azubis in ihrer grünen Kluft aufmunternd zu. Und dass es sich die Gesellschaft in Deutschland gar nicht leisten könne, auch nur auf einen von ihnen zu verzichten - schon aus demografischen Gründen. Jeder habe ein Talent, wolle zeigen, was in ihm stecke. Die Kirche stehe für die optimistische Perspektive: "Wir geben keinen auf."
85 Prozent Ausbildungserfolg, das bedeutet aber auch: Für 15 Prozent reicht es nicht, was Kolping und andere Träger der beruflichen Bildung für benachteiligte Jugendliche an Unterstützung bieten. Ihnen bleibt nur die Perspektive: Hilfsarbeiter oder Hartz IV. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisi Maier, will sich damit nicht zufrieden geben: "Ich glaube, wir haben noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft."