Der Papst ist voll im Trend
Auf etwa 160 Seiten fasst Stefan von Kemps, Redakteur von Radio Vatikan, die wichtigsten Stationen und die Gedankenwelt des neuen Pontifex zusammen. Herder kooperiert dabei mit dem "Weltbild-Verlag". "Unser Autor ist Redakteur bei Radio Vatikan und sitzt zur Stunde in Rom, um am Manuskript zu arbeiten", so Andreas Bernheim, vom Herder-Verlag. Neben einem Textteil wird das Buch über den neuen Papst auch Fotos aus dem Leben von Papst Franziskus enthalten.
Auch Benedikt XVI. sehr gefragt
Auf der Frühjahrsmesse befinden sich auch die Werke des alten Papstes. Benedikt XVI. ist noch immer der Renner bei den katholischen Buchverlagen, die sich noch bis Sonntag auf der Messe präsentieren. "Nach den dessen Rücktritt sind in diesem Jahr eine Reihe von Büchern Josef Ratzingers wieder oder neuaufgelegt worden", erklärt Konrad Höß, Geschäftsführer des Katholischen Medienverbandes, einen der nicht zu übersehenden Trends im Frühjahrsprogramm der katholischen Verleger. Es gebe auch Novitäten, wie "Beten – Die Kunst mit Gott zu sprechen", welches der Sankt Ulrich Verlag aus Augsburg als "das letzte Buch des Papstes". ankündigt. Oder "Papst im Widerspruch – Benedikt XVI. und seine Kirche 2005 – 2013" (Pattloch-Verlag) für das der Journalist Alexander Kissler bis zum 28. Februar 2013 recherchierte – den Tag, den sich der Pontifex offiziell für seinen Abschied ausgesucht hatte.
Der Gemeinschaftsstand der katholischen Verlage steht in Halle 3, wie in den vergangenen Jahren. "Eigentlich ist es ein ökumenischer Gemeinschaftsstand", betont Höß, "weil hier auch die evangelischen Verlage ihre Angebote auslegen". Gut 20 katholische Verlage sind dort vertreten: vom renommierten Herder-Verlag, über den Don-Bosco-Verlag, bis hin zum St.-Benno-Verlag aus Leipzig.
Biografien sind Verkaufsschalger
In der sächsischen Messestadt präsentieren Verleger aus 43 Ländern auf 69.000 Quadratmetern ihre Frühjahrsprogramme. Mehr als 2.000 Aussteller haben grob geschätzt 20.000 Neuerscheinungen dabei. Insgesamt werden gut 100.000 Titel auf etwa 40.000 Metern Buchregal vorgestellt – Thriller, Fantasy, Kinder- und Jugendbücher, Comics, Sachbücher aber auch Hörbücher und CDs gehören zum Angebot dieser Frühjahrsmesse. Wie sich der Buchmarkt im Wettbewerb zur digitalen Konkurrenz entwickeln wird, ist eine Frage, die nicht nur die katholischen Verlage beschäftigt.
Eine Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren bereits abgezeichnet; auch die Frühjahrsmesse hat diesen Trend bestätigt: Lebensläufe oder Biografien sind bei den Lesern weiterhin gefragt. Die Menschen seien auf der Suche nach Vorbildern, erklärt Konrad Höß. Hier sei das Buch des Bundestagspräsidenten und engagierten Katholiken Norbert Lammert zu nennen. Der hat mit "Credo – Texte und Bilder zum Glaubensbekenntnis" ein auch in seiner Ausstattung besonderes Buch herausgegeben, das neue Ölbilder des Künstlers Andreas Felger zeigt - frisch zur Buchmesse im adeo-Verlag erschienen. Auch spirituelle Ratgeber oder Sachbücher zur Lebenshilfe erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, wie zum Beispiel "Achtsam sprechen – kraftvoll schweigen" von Anselm Grün im Vier-Türme Verlag.
Lücke im Programm
Für das Publikum gibt es gleich hinter dem Gemeinschaftsstand eine „Leseinsel Religion“. Auf einer Bühne werden dort moderierte Gespräche angeboten: „Vom Wert der Werte“, „Reden und Schweigen über religiöse Differenz“ oder „Himmelschätze - Biblische Geschichten für Vorschulkinder“ sind die Themen, die dort zur Sprache kommen. Damit reagieren die Verlage auf eine Lücke, die sie im Angebot der Buchmesse ausgemacht haben: „Da wir festgestellt haben, dass in dem die Buchmesse begleitenden Leseprogramm „Leipzig liest“ das religiöse Buch unterrepräsentiert ist, wollen wir 2014 zusammen mit unseren evangelischen Partnerverbänden einen neuen, eigenen Akzent setzen. Wir planen gerade eine Lesenacht der Religionen in verschiedenen Kirchen der Messestadt.“, erzählt Konrad Höß. Auch hier wird ökumenisch gedacht. „Es läuft derzeit eine Annäherung zwischen dem evangelischen und katholischen Medienverband“, sagt dazu Stefan Wiesner, Programmleiter des zu Bertelsmann gehörenden adeo-Verlages, „weil das Publikum nicht nach Konfessionen schaut, sondern nach Autoren und guten Büchern“. Aus diesem Grund gibt es nun wohl auch schon Überlegungen zu einem Gemeinschaftsstand für die geschäftlich interessantere Buchmesse im Herbst in Frankfurt am Main.
Von Rocco Thiede