Deutliche Worte vom Kardinal
"Dafür werden wir im Erzbistum und mit unserer Caritas die Anwaltschaft übernehmen", kündigte Woelki in der "Berliner Zeitung" an. Manchmal sei es in der Vergangenheit notwendig gewesen, "Druck aufzubauen". Viele Verbesserungen seien aber nur in Kooperation mit der Politik zu erreichen. Ausdrücklich lobte der Kardinal den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Wenn es schwierig wurde, etwa in der Flüchtlingspolitik, hat er sich persönlich eingeschaltet", sagte Woelki dem "Tagesspiegel".
Weiter meinte der Kardinal in den Interviews, es müsse der Politik gelingen, die Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge so zu verändern, dass die Menschen ihre Heimat nicht verlassen müssten. Es sei ein "Skandal, dass wir in der nördlichen Hemisphäre unseren Wohlstand oftmals auf Kosten dieser Menschen erwirtschaften", sagte er der "Berliner Zeitung". Zugleich sei es "unsere verdammte menschliche Pflicht, den Menschen zu helfen, die hierher kommen", betonte er im "Tagesspiegel". Dies betreffe Unterkunft und Verpflegung, medizinische und rechtliche Beratung. "Wir müssen sie auch beraten, wie sie wieder zurückkehren können", fügte er unter Hinweis auf "falsche Versprechungen" von Schleuserbanden hinzu.
Woelki bedauert Äußerung über Bischofskirche
In den Interviews kam Kardinal Woelki auch auf die Berline Sankt-Hedwigs-Kathedrale und ihre Bedeutung zu sprechen. "Ich habe unterschätzt, wie emotional dieser Ort besetzt ist", an dem die Menschen in der DDR Gemeinschaft erfahren hätten, sagte Woelki dem "Tagesspiegel".
Er könne aber die Kathedrale "heute nicht als einen Ort der Identitätsstiftung betrachten, wenn ich sie nur rückwärtsgewandt verstehe, als ein Stück konservierter Vergangenheit", betonte er in der "Berliner Zeitung". Heute habe mehr als jeder fünfte Berliner Katholik einen Migrationshintergrund. Auch für diese Katholiken sei die Kathedrale ihre Bischofskirche.
Zugleich bedauerte Woelki, dass er mit der Bezeichnung der Öffnung zur Unterkirche der Kathedrale als "Loch" manche Katholiken gekränkt habe. Der Begriff sei nicht von ihm gekommen, er habe gedacht, "okay, das ist die Berliner Schnauze", meinte er in den Interviews.
Renovierung der Bischofskirche ist geplant
Für die Bischofskirche gibt es derzeit große Renovierungspläne: Um die geplante Neugestaltung der 1773 geweihten Kirche im Zentrum der Stadt hatten sich mehr als 450 Architektur-Büros beworben. Anfang Juli gab das Erzbistum schließlich den Sieger bekannt: Der erste Preis ging an das Büro Sichau und Walter Architekten in Fulda.
Laut Jury-Vorsitzendem Kaspar Kraemer, selbst Architekt, erhalte der Sieger-Entwurf die Kathedrale "als architektonischen Glanzpunkt". Nach Angaben von Dompropst Ronald Rother ist vorgesehen, den Sieger-Entwurf zu realisieren. Zuvor stünden jedoch weitere Schritte an. So müsse der Entwurf weiter präzisiert und ein Finanzierungskonzept erstellt werden. Deshalb seien die Baukosten derzeit noch nicht verlässlich zu beziffern. Nach Angaben Rothers soll das Projekt vor allem durch Rücklagen des Erzbistums, staatliche Fördermittel, eine neue Stiftung und Sponsoren finanziert werden. (som/KNA)