Deutsche Reiztaste Tebartz
Ehrlich? Ehrlich: Wir können es hier in Rom nicht mehr hören, und wir tun uns sogar schwer damit, es zu verbreiten. "Jetzt muss der Papst entscheiden", hören wir in Sachen Bischof Tebartz-van Elst die Bild-Zeitung frohlocken. Es geht um eine saftige Schadenersatzforderung des Bistums Limburg an den 2014 zurückgetretenen Bischof, der im Vatikan gnadenhalber eine neue Aufgabe gefunden hat.
Ein kirchenrechtliches Verfahren gegen einen Bischof muss vor einem vatikanischen Gericht geführt werden, insofern ist der Heilige Stuhl involviert, wenn auch nicht der Papst persönlich. Auch dass Diözesanverwalter Manfred Grothe diesen Weg geht, ist seine Pflicht und keineswegs ein "Nachtreten". Ein guter Verwalter tut genau das. Er versucht, den entstandenen Flurschaden zu bereinigen und das Feld so gut bestellt wie eben möglich einem Nachfolger zu übergeben, dessen Aufgabe wir uns als anspruchsvoll denken dürfen.
Der Vatikan greift ein in Fällen, in denen Ortskirchen allein nicht mehr zurechtkommen. Das ist das gute alte kirchliche Prinzip der Subsidiarität. Dass das Finanzdebakel von Limburg in Rom aufgerollt wird, ist nicht nur richtig, sondern auch gut, weil es Abstand braucht.
Denn Bischof Tebartz ist eine deutsche Reiztaste, die auf unabsehbare Zeit Schmerzimpulse abgeben wird. Die Zeitung veröffentlichte unter anderem die angebliche Höhe des Ruhestandsgehaltes, das der heute 56-Jährige mit dem Bistum ausverhandelt hatte, als er endlich ging (der Bistumssprecher wollte die Ziffer nicht kommentieren). Ja, natürlich verstört es zu lesen, dass jemand, der die Kirche materiell und immateriell schädigte, von der Kirche so und so viele Tausend Euro pro Monat bezieht – nur dafür, dass er woanders wohnt. Das widerspricht, auch wenn es "Recht" ist, jedem Gerechtigkeitsempfinden.
Es verstimmt aber auch zu sehen, wie ein solches Empfinden geschürt wird, wie der Bild-Text eine weitere Taste auf der Klaviatur der Abschätzigkeit anschlägt und die breite Lust am Dreinschlagen kanalisiert. Billiges Virtuosentum.
Gibt es denn wirklich keinen dritten Weg zwischen der öffentlichen Lynchjustiz und dem "Lasst endlich Gras über die Sache wachsen"-Reflex?
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