"Die elitäre Kirche ist kein Segen"
"Wir sind nicht mehr Volkskirche, wir sind Kirche im Volk", begründete der Bischof das ambitionierte Vorhaben. "Für diese Form des Christentums müssen wir eine neue Ausdrucksform finden." Welche Gestalt dieses neue Kirche-Sein im Ruhrgebiet annehmen soll, will Overbeck jedoch nicht "von oben" festlegen; er will die Katholiken eng mit einbinden.
Und die beteiligten sich mit spürbarer Leidenschaft. In 40 Workshops, für die 40 Zelte errichtet wurden, beschäftigten sich die Teilnehmer mit Vorschlägen unter vier Überschriften: "Du wirst gebraucht!", "Du überzeugst!", "Du feierst das Leben"!, "Du glaubst nicht allein!" Dabei ging es beispielsweise um die Frage, wie mit Paaren umzugehen ist, die in der Kirche heiraten wollen, aber gar keine Gemeindebindung haben. Angedacht ist, dass ihnen ein Team für Trauungen als Ansprechpartner angeboten wird.
Ein anderer Vorschlag zur Verbesserung des kirchlichen Lebens: Ein Fachteam holt ein Feedback über Gottesdienste ein. Große Resonanz fand die Idee, den für viele Menschen unverständlichen Ablauf katholischer Gottesdienste und die Vielfalt liturgischer Feiern in Handreichungen zu erläutern - und zwar für Außenstehende wie für Kirchenbesucher. Die Teilnehmer sollten Vorschläge mit Aufklebern markieren, die sie unbedingt umgesetzt sehen wollen. Mit gut 80 Stickern bekam dieser Plan die größte Zustimmung. Ein anderes Votum forderte neue Formen für Feiern zu Wendepunkten im Leben ein, etwa für Trauergottesdienste.
Was soll mit Gläubigen ohne feste Bindung zur Kirche geschehen?
Overbeck beschäftigt wie auch Pfeffer besonders die Frage, wie die Kirche mit Gläubigen umgeht, die keine feste Bindung zu ihr haben. "Wir müssen uns fragen, was mit den Menschen passiert, die ihr Kind taufen lassen wollen, aber nicht zu einer Gemeinde gehören", so Overbeck. "Oder junge Leute, die einfach heiraten möchten, aber ihre Gemeinde nicht kennen. Sie fragen meist ganz höflich an und werden dann abgespeist." Aber auch diese Menschen hätten einen Bezug zur Kirche und sollten nicht abgeschrieben werden. "Wir wollen Kirche für alle bleiben, wir wollen als Kirche jemand sein, der anbietet", betonte Overbeck. "Zu einer kleinen, elitären Kirche zu werden, das ist kein Segen."
Pfeffer wies zugleich darauf hin, dass sich die Kirche im Ruhrgebiet in einer "prekären" Lage befinde und trotz großer Herausforderungen aus finanziellen Gründen Angebote reduzieren müsse. "Für manche ist das eine gewisse Paradoxie, aber gerade deshalb ist es wichtig zu zeigen, dass wir nicht in Lethargie verfallen."
Die Katholiken beim Zukunftsforum nahmen jedenfalls das Angebot mit Enthusiasmus auf, bei der Suche nach einem Zukunftsbild für die Kirche im Ruhrgebiet mitzumachen. "Dieser Prozess ist auf jeden Fall wichtig", befand Andreas Pläsken vom Vorstand des Katholikenrates in Bottrop. "Wir waren lange genug ziemlich starr, jetzt besteht die Chance, dass sich etwas bewegt." Und, davon ist er überzeugt, "es ist ein Prozess, um den uns andere Bistümer beneiden".
Anne Cebulla vom Vorbereitungskomitee des Dialogprozesses teilt diese Einschätzung. Sie erinnert daran, dass es die Laien im Bistum waren, die den Dialogprozess mit angestoßen hatten. Was aber der Bischof dann daraus gemacht habe, die Nachhaltigkeit, mit der er mit den Gläubigen den Dialog führe, das suche "seinesgleichen". Die Projekte, die schließlich auch umgesetzt werden, wollen Overbeck und Pfeffer bei einem Bistumsfest in Essen am 29. August benennen.