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Standpunkt

Die Hölle unserer Zeit ragt ins Diesseits hinein

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Ein Kommentar von
Katharina Goldinger
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Bonn - Krieg, Klimakrise, Extremismus – viele Konflikte und Gefahren prägen unsere Zeit. Die Kirche hat in dieser Weltlage eine besondere Aufgabe, kommentiert Katharina Goldinger.

Der Welt fehlt etwas. Zumindest scheint ein ruheloser Geist düsterer Schwermütigkeit um sich zu greifen und ganze Gesellschaften zu erfassen. Allenthalben sorgen Mahner, verstärkt durch den Wahnsinn schriller Algorithmen, für Angst und Schrecken. Sie kündigen in Herzschlagfrequenz die nahende Apokalypse: das Ersterben der Demokratien, eine wachsende Militarisierung, das Ende von Menschheit und Weltgefüge. Wer sich dem nicht zu erwehren weiß, wird krank an Körper und Seele.

Es ist moralisch geboten, Gefahren deutlich zu benennen: Demokratien straucheln, Krieg wird ins Herz Europas getragen und der Klimawandel bedroht unsere Zukunft. Es ist aber moralisch verwerflich, die Ängste der Menschen zu schüren und sie dann mit den Folgen allein zu lassen. Das tun Populisten und wankelmütige Machtpolitiker, die die Lücke zwischen Problemanalyse, Lösungsmöglichkeiten und Sinnfrage mit einfachen Antworten im Stil mittelalterlicher Höllenpredigten füllen.

Kirche verwirklicht sich in der Seelsorge. Die Sorge um die Seelen ist unser Auftrag. Zur Wahrheit gehört: In der Vergangenheit haben Menschen nicht immer behutsame Seelsorge erfahren, sondern – unter dem Deckmantel der Hirtensorge – auch Übergriffigkeit und autoritäres Gehabe. Aus gutem Grund haben sie der Kirche den Rücken gekehrt. Diese bittere Einsicht unserer Schwächen und unserer Schuld ändert aber nichts an der positiven Bestimmung, die der Seelsorge innewohnt.

Dass qualifizierte Seelsorge gebraucht wird, zeigen die wachsenden Zahlen von Menschen, die beratende und therapeutische Angebote suchen. Dass Seelsorge gesucht wird, zeigt sich auch im Zuspruch, den etwa die Telefonseelsorge erfährt. Dass ein Interesse an der Frage nach dem Wesenskern des Menschen, nach der Seele und ihrer Gesundheit, da ist, zeigen zum Beispiel die rasant wachsenden Zahlen von Studierenden für das Fach Psychologie.

Die Hölle unserer Zeit ragt weit ins Diesseits hinein. Die Frohe Botschaft ist: Gerade hier können wir Gott begegnen und von der Hoffnung erzählen, die uns erfüllt. In der Seelsorge liegt unser Auftrag.

Die Autorin

Katharina Goldinger ist Theologin und Pastoralreferentin im Bistum Speyer und Religionslehrerin an einem Speyerer Gymnasium.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin wider.

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