"Die Kirche ist für uns da"
Ein begleitendes Heft stellt jeden einzelnen persönlich vor: Da ist Resi (57), die nach ihrer langjährigen Kinderpause keine neue Beschäftigung mehr fand, Willi (56), der aus seine Vergangenheit im Gefängnis keinen Hehl macht und seine kranke Mutter bis zu ihrem Tod pflegte, und da ist Gerd (48 Jahre), der durch eine Krankheit aus seiner Selbständigkeit gerissen wurde. Alle vier haben etwas gemeinsam: Sie sind von Arbeitslosigkeit betroffen, und sie geben der Aktion "Weil Arbeit nicht vom Himmel fällt… sind wir gefragt" ein Gesicht.
Alle drei engagieren sich zudem in Projekten, die die katholische Kirche anbietet. Bei Gerd ist es "Aha 100", ein Laden in Aachen, der gebrauchte Möbel und Kleider anbietet. Arbeitslose haben hier eine Anlaufstelle, es sind immer Menschen für ein Gespräch da. Zweimal in der Woche gibt es ein gemeinsames Frühstück, donnerstags wird zusammen gekocht. Auch verschiedene Bildungskurse gibt es.
Projekt ist Anliegen des Aachener Bischofs
Darauf angesprochen, ob es ihn Mut gekostet habe, an der Ausstellung teilzunehmen und mit dem eigenen Gesicht lebensgroß auf das Thema Arbeitslosigkeit aufmerksam zu machen, zögert Gerd nicht mit einer Antwort: "Nein, ich habe gar kein Problem damit." Die Leute sollten sehen, dass man trotzdem lebe und weiter beim Leben dabei sein wolle. Und er sagt: "Ich will einfach zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind“.
Das Projekt mit den Arbeitslosen ist auch dem Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff ein Anliegen. "Die Heiligtumsfahrt will auch auf solche Dinge aufmerksam machen. Sie ist eben nicht nur ein frommes Dahinfeiern, sondern zugleich der Appell an das soziale Handeln, daran, an die zu denken, denen es nicht gut geht", sagt er. Ähnlich erklärt es auch Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral, Schule und Bildung im Bischöflichen Generalvikariat. "Wir wollen hier ja keine heile Welt vorgaukeln", erklärt er knapp. Das Bistum Aachen lege traditionell einen Schwerpunkt auf die Unterstützung von Menschen ohne Job, da es in einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit liege. Außerdem gebe es jedes Jahr im Mai eine Solidaritätskollekte, die den Arbeitslosenprojekten zugutekomme.
"Die neue Aufgabe hat mir Mut gemacht"
Das spüren auch die Betroffenen. Wili (56) arbeitet mit viel Spaß in der Rad-Werkstatt des "Nell-Breuning-Hauses", einer Bildungseinrichtung des Bistums in Herzogenrath. "Die neue Aufgabe hat mir Mut gemacht – einmal der Kirche wieder näher zu kommen, aber auch, einfach mal wieder unter Menschen zu gehen", erklärt er. Ähnlich sieht es auch Gerd: "Der Staat sorgt mit Hartz IV für Wohnung und Miete und der Rest interessiert nicht", erklärt er. "Aber die Kirche ist für uns da."
Das Kirchenprojekt soll auch bewusst machen: In die Arbeitslosigkeit abzurutschen, kann schnell gehen: Gerd, gelernter Kfz-Mechaniker und Bürokaufmann, hatte sich im Messebereich selbständig gemacht. Dann hatte er einen Bandscheibenvorfall und Gerd stand ohne ausreichende Absicherung da: "Im Nachhinein ist man immer klüger", sagt er und zuckt die Achseln.
Doch egal, wie aussichtslos die Situation auch zunächst aussehen mag: Der 49-jährige Familienvater rät, nicht zu resignieren: "Klar wird man ausgegrenzt –und man grenzt sich ja auch selbst aus, wenn man immer zu Hause bleibt und im Selbstmitleid versinkt. Aber Arbeitslosigkeit ist ja keine Krankheit. Das kann jedem passieren."
Von Gabriele Höfling