Die Sorge der Kirche für die Fremden
Hier mache es das Kirchenasyl möglich, diese schwierige Zeit der Lösungssuche zu überbrücken"und damit doch noch eine gewaltfreie und auch durchaus rechtskonforme Hilfe zu leisten". Man dürfe sich also von den wenigen Kirchenasylen keine Karikatur machen, sondern müsse sie im Zusammenhang mit der grundlegenden Sorge der Kirche für die Fremden sehen.
Der Kardinal hob hervor, dass wirtschaftliche und soziale Not "dramatisch" gestiegen und heute für viele Menschen nicht weniger lebensgefährlich als Verfolgung wegen Rasse, Religion, Nationalität und politischer Gesinnung seien. In diesem Sinne sei die Flüchtlingsbewegung zu einem "globalen Marsch" geworden.
Lehmann fordert enge Zusammenarbeit
Lehmann unterstrich, es sei zu einfach und zu billig, wenn man meine, dieses "Weltproblem" mit dem Wort "Wirtschaftsflüchtlinge" in den Griff bekommen zu können. Wie Papst Franziskus in seiner Umwelt-Enzyklika "Laudato si" zeige, sei die Not der Flüchtlinge eng auch mit den ökologischen Schäden verbunden, "die wir weitgehend selbst verursachen". "Dem 'globalen Marsch' muss auch eine wenigstens global orientierte Hilfe entsprechen. Wir müssen mit allen Kräften eng zusammenarbeiten", betonte der Kardinal.
Ende Februar hatten die Kirchen und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vereinbart, bis Herbst eine neue Zusammenarbeit bei Kirchenasylfällen zu erproben. Dabei sollen Kirchenvertreter die Möglichkeit bekommen, Einzelfälle erneut vom Bundesamt überprüfen zu lassen, im Idealfall noch bevor die betroffenen Personen ins Kirchenasyl aufgenommen werden. Im Spätherbst soll es dann zu einer Evaluierung des Verfahrens kommen. Vorausgegangen war eine kontroverse Debatte zwischen Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) und den Kirchen über einen möglichen Missbrauch des Kirchenasyls.
Nach Auffassung des Berliner evangelischen Bischofs Markus Dröge stärkt das Kirchenasyl die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates. Ziel sei es, "Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, zu ihrem Recht zu verhelfen", schreibt der Bischof in einem Gastbeitrag für das Magazin "The European". Jeder Rechtsstaat sollte dankbar sein, wenn sich Bürger auf diese Weise für Menschenrechte engagierten.
Die Vorstellung, Kirchenasyl sei das Verstecken von Flüchtlingen, habe mit der Realität nichts zu tun. "Gemeinden, die Kirchenasyl anbieten, stellen weder den Rechtsstaat infrage noch verwenden sie dieses bewährte christlich-humanitäre Instrument systematisch als Mittel politischer Kritik", so Dröge. Beim Kirchenasyl gehe es gerade um Transparenz und um die Möglichkeit, "dass Flüchtlinge ihr Verfahren mit juristischem Beistand in angemessener Weise durchführen können". (som/KNA)