Suche
Thomas Marschler warnt vor Alarmismus in Reformdebatte

Dogmatiker: Keine volleren Kirchen durch Frauenpriestertum

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Köln - "Die Kirchen werden nicht voller werden, wenn morgen das Frauenpriestertum eingeführt wird oder bestimmte Kirchenstrukturen verändert werden": Der Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler erwartet keinen nennenswerten Aufschwung durch Kirchenreformen.

Der Augsburger Theologe Thomas Marschler hat vor Alarmismus in der Reformdebatte innerhalb der katholischen Kirche gewarnt. "Niemand wird wohl glauben, dass durch irgendwelche Reformschritte die langfristigen Entwicklungen von Religion in der Moderne entscheidend beeinflusst werden können", sagte der Professor für Dogmatik am Mittwoch dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de.

"Die Kirchen werden nicht voller werden, wenn morgen das Frauenpriestertum eingeführt wird oder wenn bestimmte Kirchenstrukturen verändert werden", so Marschler weiter. Umgekehrt habe es in den vergangenen 300 Jahren schon häufig Situationen gegeben, in denen der Kirche der Untergang vorausgesagt worden sei, wenn sie dieses oder jenes nicht tue. "Bisher ist das nicht eingetreten."

Reizthemen der Reformdebatte wiesen auf tieferes Problem hin

Nach Marschlers Worten weisen Reizthemen wie die Rolle der Frau, der Umgang mit Missbrauch oder die Organisationsform der Kirche, die in der aktuellen Reformdebatte im Vordergrund stehen, auf ein tieferes Problem hin. Die entscheidende Frage sei, "ob der moderne Autonomie-Begriff, der die Gestaltung der Moderne prägt, eins zu eins in den innerkirchlichen Bereich übernommen werden kann und sollte."

Wenn Menschen sich dafür entschieden, Christen zu sein, dann hätten sie ihre Freiheit schon in gewisser Weise festgelegt, betonte der Theologe. Diesen Menschen zu sagen, dass sie innerhalb der Kirche alle Freiheitsrechte behielten, sei widersprüchlich. Die unterschiedlichen Freiheitsbegriffe seien ein Thema, das gerade in der deutschen Theologie sehr stark diskutiert werde, so Marschler.

Die am Sonntag zu Ende gegangene Amazonas-Synode hatte unter anderem über mehr kirchliche Leitungsämter für Frauen sowie die Möglichkeiten einer Priesterweihe von verheirateten Männern in bestimmten Extremsituationen diskutiert und dem Papst dazu schriftliche Reformvorschläge unterbreitet. Auch der geplante "synodale Weg" der Kirche in Deutschland wird sich mit entsprechenden Reformen auseinandersetzen. (tmg/KNA)

kna-katholisch-swarm-node3 (0.014s)