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US-Bestseller "Killing Jesus" nun auch auf deutschem Buchmarkt

Ebenso mitreißend wie verfälschend

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Grau-blaues Buchcover zeigt Kreuz auf Hügel
Bonn - Das Kind, das noch sechsunddreißig Jahre zu leben hat, wird gejagt." Gleich der erste Satz des Buches "Killing Jesus" hat es in sich. Sofort findet sich der Leser in anschaulich geschilderten Szenen des von König Herodes angeordneten Kindermordes. Die US-Autoren Bill O'Reilly und der für gut recherchierte historische Sachbücher bekannte Martin Dugard haben mit ihrem Doku-Thriller in den USA einen Bestseller gelandet.

Nun ist das Werk Anfang März auf den deutschen Buchmarkt gekommen. Das Buch wolle kein "religiöses Lehrwerk" sein, betonen die Autoren - beide römisch-katholisch - zu Beginn. Deshalb beschäftigen sie sich nicht mit Jesus als Messias, sondern als charismatischem "Prediger, der in einer abgelegenen Region des Römischen Reiches die Menschen aufrüttelte und sich sehr mächtige Feinde schuf, weil er eine Philosophie des Friedens und der Liebe lehrte".

Die Lebensgeschichte Jesu betten sie ein in die umwälzenden Ereignisse, die zur Christianisierung der römischen Welt führten. Der erste Teil - "Die Welt Jesu" - lässt den Leser eintauchen in die historischen Lebensumstände und in die Kindheit Jesu. Teil zwei - "Ecce homo" - beleuchtet wichtige Stationen seines Lebens:

Vertreibung der Händler aus dem Tempel, die Offenbarung seines göttlichen Wesens, die Berufung der Jünger, die Bergpredigt, Wundertaten, seine letzten Lebenstage, das Letzte Abendmahl, die Leidensgeschichte, seinen Tod am Kreuz, das leere Grab. Anhand zeitgenössischer Quellen, biblischer Überlieferung und überwiegend englischsprachiger Fachliteratur entwerfen die Autoren ein breites historisches Panorama um Leben und Sterben von Jesus von Nazareth.

Fließende, sehr lebendige Erzählweise

Eine Stärke des Buches sind die fließende, sehr lebendige Erzählweise, die alle Sinne anspricht. So meint man als Leser fast dabei zu sein, wenn Maria und Josef auf dem Rückweg von der beschwerlichen Pilgerreise nach Jerusalem bemerken, dass sie Jesus in der Masse verloren haben. Die verzweifelte Suche nach dem Jungen in Jerusalems quirligen Basaren und Gassen gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen - die Erleichterung der Eltern und Verwunderung über die reife Rede des Zwölfjährigen im Tempel fühlt man ebenso mit. Auch die mit medizinischen Details angereicherten Schilderungen von Kreuzigungen wie die des Judas von Gamla lassen den Leser unfreiwillig nah an dem Grauen teilnehmen.

"Mit unserem auf Fakten beruhenden Buch wollen Martin Dugard und ich nicht den Anschein erwecken, wir wüssten alles über Jesus", stellt O'Reilly gleich im Vorwort klar. Gleichwohl hätten sich Dugard und er um ein möglichst korrektes Bild bemüht. Keine einfache Arbeit, denn: "Was man von Hörensagen weiß, wird nicht selten als Wahrheit präsentiert, oder Behauptungen erweisen sich als komplett falsch, sobald man sie mit anderen Quellen abgleicht."

Deshalb sei die Arbeit an dem Buch für das Erfolgsduo, das in ähnlicher Herangehensweise bereits mit "Killing Lincoln" und "Killing Kennedy" Bestseller auf dem US-Buchmarkt gelandet hat, eine besondere Herausforderung gewesen. Die Autoren sympathisieren offen mit der Hauptperson. Jesus sei "zweifellos der berühmteste Mensch, den die Welt je hervorgebracht hat". Über keinen anderen seien mehr Bücher geschrieben, keinem anderen mehr Lieder gewidmet worden; kein anderer habe Künstler zu mehr Kunstwerken inspiriert.

Borromäusverein: Buch nicht überzeugend

Den Borromäusverein überzeugt das Buch dennoch nicht. Die Autoren hätten sich zwar bemüht, "die Geschichte Jesu in den Kontext seiner Zeit einzubetten und sie mit den Mitteln eines Romans spannend zu erzählen", erklärt Christoph Holzapfel. Dies sei zwar "mitreißend, aber eben auch verfälschend"; die vier ganz unterschiedlichen Evangelien seien "zu einem undefinierbaren Brei" vermengt worden.

Vermeintlich als Fakten präsentierte Umstände entpuppten sich zudem oft als Spekulationen. Herausgekommen sei eine eindimensionale, schale, sensationslüsterne Erzählung, die alles sei, nur nicht "die wahre Geschichte" über Jesus, wie der Untertitel des Thrillers suggeriert.

Von Angelika Prauß (KNA)

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