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Ab Donnerstag läuft "Rabbi Wolff" in den Kinos

Ein außergewöhnlicher Mensch

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Bonn - Rabbi Wolff heißt eigentlich William Wolff. Woche für Woche pendelt der 88-Jährige zwischen seiner Wohnung östlich von London und seinem Arbeitsplatz in der jüdischen Gemeinde Schwerins hin und her. Ab Donnerstag läuft sein Porträt in den Kinos.

Dafür braucht das beschwingte Porträt von Britta Wauer nur ein paar stille Momente, denn Wolff ist der Inbegriff eines sympathisch-bescheidenen, aber doch auch distinguierten Mannes, der mit in sich gekehrtem Charme und einer entwaffnenden Freundlichkeit im Nu für sich einnimmt.

Dass der Zentralrat der deutschen Juden im Jahr 2002 ausgerechnet den damals 75-jährigen Engländer berief, um in "McPom" das jüdische Leben wieder in Schwung zu bringen, verwundert weniger, wenn man Wolff im Umgang mit prominenten und weniger prominenten Zeitgenossen erlebt. Der drahtige Geistliche, den man kaum alt zu nennen wagt, weiß Menschen alle Couleur miteinander zu verbinden. Ob beim Pferderennen in Asten, beim Gottesdienst in der Synagoge oder auf der politischen Bühne in der Landeshauptstadt Schwerin: stets macht er eine gute Figur und findet die passenden Worte, um seine Zuhörer mit Witz und großer Herzlichkeit in Bewegung zu versetzen.

Sprache als Schlüssel zum Denken und Empfinden

Es sagt sehr viel über seinen Charakter, dass er in Schwerin unverzüglich eine Lehrerin engagierte, um Russisch zu lernen; denn die meisten der 2.000 Gemeindemitglieder in Mecklenburg-Vorpommern stammen aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Sprache, das weiß Wolff aus seinem langen Leben, ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation, sondern der Schlüssel zum Denken und Empfinden der Menschen. Das hatte er selbst oft genug am eigenen Leib erfahren.

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Auf der Flucht vor den Nazis war Wolff 1933 mit seiner Familie zunächst in Amsterdam gestrandet, 1939 dann in London, was neben vielen tragischen Dingen jeweils auch eine neue Sprache mit sich brachte. Darin bewegte er sich bald so souverän, dass es ihn nach dem Studium sogar in den politischen Journalismus verschlug. Seine pointierten Kommentare aus dem britischen Unterhaus machten ihn zu einer auch international gefragten Institution. Doch 1979 hängte er seine Karriere an den Nagel, schrieb sich am Leo-Baeck-College in London ein und ließ sich fünf Jahre lang zum jüdischen Rabbiner ausbilden.

Porträt wahrt respektvolle Distanz

Über die Gründe für diesen ungewöhnlichen Schritt erfährt man nicht viel, nur dass Wolff schon als Kind Journalist oder Rabbiner werden wollte. Obwohl das kurzweilige, über einen Zeitraum von drei Jahren entstandene Porträt eine große Fülle an biografischen Informationen ausbreitet und den unternehmungslustigen Rabbi beim Fasten in der Buchinger-Klinik in Bad Pyrmont, bei Reisen und Besuchen um die halbe Welt und bei vielen, vielen Begegnungen begleitet, wahrt es stets eine respektvolle Distanz. Die psychische, intellektuelle oder auch religiöse Kontur des informationssüchtigen Büchernarren Wolff blitzt deshalb nur in Momenten auf, wenn Wolff beispielsweise sein kinder- und familienloses Dasein mit der engen Mutterbindung in Verbindung bringt oder er durchblicken lässt, dass ihn die Altersarmut zu seinem fortwährenden Berufsleben antreibt. Als er 2014 nicht ganz freiwillig seines Amtes als Landesrabbiner entbunden wird, liegt ein Anflug tragischer Verzweiflung auf seinem Gesicht – bis eine Art Rente ihn von allen finanziellen Sorgen befreit.

Es macht die Größe, aber auch die Grenze dieser liebenswürdigen Annäherung aus, dass sie ihrem Protagonisten auf Augenhöhe begegnet und dafür die passenden filmsprachlichen Mittel einschließlich einer betont fröhlichen Filmmusik findet; für die Katastrophen, Brüche, Narben oder Ambivalenzen im Leben von Rabbi Wolff, aber auch für seine philosophisch-religiöse Signatur bleiben da nur Andeutungen und Spuren.

Bewertung der katholischen Filmkommission

Dokumentarisches Porträt des Rabbiners William Wolff, der seit 2002 die jüdische Kultusgemeinde in Rostock, Schwerin und Wismar mit neuem Leben füllte. Der Film skizziert die erstaunliche Biografie des 1927 in Berlin geborenen Theologen, der 1933 vor den Nazis floh, in London als Parlamentsjournalist reüssierte und sich 52-jährig zum Rabbiner ausbilden ließ. Im Mittelpunkt steht dabei die gewinnend-verschmitzte Persönlichkeit eines außergewöhnlichen Menschen, der zeitlebens Brücken geschlagen und die unterschiedlichsten Welten miteinander in Kontakt gebracht hat. - Sehenswert ab 12.

Filmdienst

Die Filmkritik wurde katholisch.de vom Magazin "Filmdienst" zur Verfügung gestellt. Seit 1947 begleitet der Filmdienst wie kein anderes Magazin kritisch das Kinofilmgeschehen. Herausragende Porträts von Filmschaffenden stehen neben umfassenden Filmkritiken zu jeder Kinopremiere in Deutschland, spannende Debatten neben aufschlussreichen Interviews, Hintergrundberichte neben Neuigkeiten aus der Filmwelt. Die Beilage "Film im Fernsehen" informiert über sehenswerte Filme im Fernsehen. Die Datenbank CinOmat ist ein beispielloses Nachschlagewerk, das mehr als 250.000 Filmschaffende mit fast 75.000 Filmen verknüpft. Der Filmdienst ist darüber hinaus Herausgeber des "Lexikons des Film", zeichnet neue DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen mit dem "Silberling" aus und verleiht gemeinsam mit dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit jährlich den "Caligari-Filmpreis".

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