"Ein großer Segen"
Auf der 400 Meter langen Brücke ist kein Ende in Sicht. Überall Königskronen, Umhänge und Sternenstäbe. 4.000 Sternsinger nehmen an der Auftaktveranstaltung zur bundesweiten Aktion Dreikönigssingen 2014 teil.
Rund um den Dreikönigstag (6. Januar) werden deutschlandweit Kinder und Jugendliche in den Gewändern der Weisen aus dem Morgenland von Tür zu Tür ziehen. Sie bringen den Segen zu den Menschen und sammeln Spenden. Für Sternsinger aus 14 der 27 deutschen Bistümer beginnt ihre Tätigkeit an diesem Montag mit dem Aussendungsgottesdienst mit Kardinal Joachim Meisner im Kölner Dom. Das Besondere: In Köln steht der Schrein mit den Gebeinen der heiligen drei Könige.
Der größte und kostbarste Schrein wurde für die heiligen drei Könige gebaut
Kaspar, Melchior, Balthasar: "Seit dem sechsten Jahrhundert tragen sie diese Namen, und sie standen für die damals bekannten drei Erdteile Afrika, Asien und Europa", erklärt der Kölner Brauchtumexperte Manfred Becker-Huberti den Kindern. 1164 brachte der damalige Kölner Erzbischof Reinhard von Dassel die Gebeine von Mailand nach Köln. "Für sie wurde der größte und kostbarste Schrein des Mittelalters gebaut", so Becker-Huberti.
Auf diesen Schrein blickt Kardinal Meisner in seiner Predigt. "Die heiligen drei Könige können sich wirklich freuen, sie haben Nachfolger gefunden, die sich sehen lassen können." Er würdigt den Einsatz der Sternsinger bei Wind und Wetter: "Ihr seid ein großer Segen für viele Kinder". Damit greift er das Leitwort der Aktion 2014 auf: "Segen bringen, Segen sein. Hoffnung für Flüchtlingskinder in Malawi und weltweit!".
Weltweit sind nach Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als 45 Millionen Menschen auf der Flucht, fast die Hälfte davon Kinder. Auf ihr Schicksal wollen die Träger der Aktion, das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), aufmerksam machen. Für Meisner ist das ein Herzensanliegen, denn er war selbst einst ein Flüchtlingskind: In den Wirren der Nachkriegszeit musste der Elfjährige im tiefsten Winter aus Schlesien fliehen.
Bei besonderen Aktionen darf das Kamel nicht fehlen
Deutlich milder ist es, als sich die Kinder auf den Weg vom Dom auf die andere Rheinseite begeben. Unter den vielen Sternen ragen zwei Höcker hervor. Sie gehören zu "Camilla", dem Vorzeige-Kamel der Sternsinger aus Glehn bei Neuss. "Das Kamel kommt immer mit, zumindest bei besonderen Aktionen", verrät Martin (10), eines von 16 Kindern der Pfarrei Sankt Pankratius.
Unter den Kamelhöckern verbergen sich Anna (20) und Clara (12). Anderthalb Stunden stecken sie schon unter dem Stoffüberzug, bevor der Zug losgeht. "Es ist schon anstrengend, vor allem als Kamel", sagt Clara. Insgesamt gibt es in dem 6.000-Seelen-Ort Glehn 148 Sternsinger, die im vorigen Jahr über 17.000 Euro eingesammelt haben. Bundesweit waren es sogar 43,7 Millionen Euro, das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der 1959 gegründeten Aktion.
Der Präsident des Kindermissionswerks, Klaus Krämer, ist zuversichtlich für die bevorstehende Aktion 2014: "Ich rechne damit, dass die Sternsinger offene Türen finden werden und ihr wichtiges Anliegen erkannt und unterstützt wird." Dass die gegenwärtige Diskussion um die Baukosten des Bischofshauses in Limburg spürbar würden, glaubt er nicht. Dennoch sind die Helfer vorbereitet: "Für erwachsene Begleiter gibt es auf unserer Homepage Informationen darüber, wie sie in schwierigen Situationen adäquat reagieren können", erklärt Krämer.
Auch Martin aus der Glehner Gruppe ist zuversichtlich: "Die Leute sind nett und viele sehr großzügig", sagt er. In den acht Jahren, seitdem er mit dabei ist, hätten nur ganz wenige Leute ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Vielleicht liegt das, wie Prälat Krämer findet, an den leuchtenden Augen der Kinder. Und ganz sicher auch an Camilla, dem fröhlichen Kamel aus Glehn.
Von Michael Merten (KNA)