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Urlaubsvertreter aus aller Welt kommen im Sommer in die Bistümer

Ein Hauch Weltkirche daheim

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Ein Kreuz und eine Deutschland-Flagge.
Bamberg - Wenn die Ferienzeit anbricht, dann übernehmen Priester aus aller Welt die Urlaubsvertretung für hiesige Gemeindepfarrer. Ob sie gerne kommen und welche Erfahrungen sie machen, berichten zwei Priester, die derzeit im Erzbistum Bamberg tätig sind.

Oft befinden sich diese noch im Studium und nutzen ihren Aufenthalt, um die Kirche in Deutschland näher kennen zu lernen und ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. So mancher betreut schon seit Jahren die gleiche Gemeinde und hat Freundschaften zu Familien im Bistum aufgebaut.

Zu ihnen gehört Abbé Pierre Aye Ndione. Der 40-jährige Geistliche aus dem Senegal übernimmt in diesem Jahr bereits zum neunten Mal in der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer im oberfränkischen Kronach die Urlaubsvertretung. Entstanden ist diese Verbindung durch die seit 2007 bestehende Partnerschaft des Erzbistums Bamberg mit der Diözese Thiès im Senegal, in der Pierre Aye Ndione katholischer Priester ist. "Mittlerweile ist es jedes Mal ein bisschen wie nach Hause zu kommen", sagt er.

"Kirche steht vor großen Herausforderungen"

Pierre Aye Ndione fühlt sich wohl und angenommen in seiner Gemeinde auf Zeit. Einige Unterschiede zwischen dem Gemeindeleben hierzulande und zu dem in seiner eigenen Diözese, hat der Geistliche über die Jahre allerdings wahrgenommen. Zwar unterscheide sich die Eucharistie in der Diözese Thiès grundsätzlich nicht von einer im Erzbistum Bamberg. "Die Gottesdienste sind bei uns aber mehr wie Familientreffen", sagt er. Und im Senegal seien die Kirchen immer voll besetzt. Weil zudem sehr viele junge Menschen die Gottesdienste besuchten, gebe es viele Chöre und es werde sehr viel gesungen und manchmal auch getanzt.

"Die Gottesdienste sind bei uns mehr wie Familientreffen": Während sich Abbé Pierre Aye Ndione im Senegal vor allem um die Jugend kümmert, trifft er in deutschen Gottesdiensten eher ältere Gemeindemitglieder.

"Das gemeinsame Beten und Singen gibt den jungen Menschen das Gefühl, Mitglied einer großen Gemeinschaft zu sein." Das vermisse er in Deutschland hin und wieder. Hier sind es vor allem ältere Menschen, die die Gottesdienste besuchen. "Natürlich zeigt dies, dass wir als Kirche vor großen Herausforderungen stehen", sagt er. "Gleichzeitig macht dieser Umstand aber auch die lange und über Generationen fortwährende Tradition der katholischen Kirche deutlich."

In seinem Heimatland, wo etwa 95 Prozent der Bürger Muslime und nur fünf Prozent katholische Christen sind, ist dies anders. Die Katholische Kirche dort ist noch jung. Fragen der Ökumene wie hierzulande, stellen sich für Pierre Aye Ndione, der im Juli 2001 zum Priester geweiht wurde, aus diesem Grund nicht wirklich. Nicht nur deshalb, weil es in seinem Heimatland kaum evangelische Christen gibt. "Wir Christen sind eine Minderheit im Senegal und müssen deshalb ohnehin zusammenstehen, egal ob evangelisch oder katholisch", sagt er.

60 Priester aus 14 Nationen im Erzbistum Bamberg

Für Abbé Pierre Aye Ndione gehört der Kampf gegen die Armut zu einer der wichtigsten und dringendsten Aufgaben der Kirche im Senegal. Kontroversen über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen? Für den Geistlichen in seiner Heimat wenn überhaupt nur eine Randnotiz. Es ist die Arbeit mit jungen Menschen, die ihm vielmehr ein Herzensanliegen ist. Pierre Aye Ndione kennt deren Probleme. Es sind andere: Arbeitslosigkeit, Drogen, Aids, Perspektivlosigkeit.

Was ihm Kraft gibt, diese vielfältigen Aufgaben zu bewältigen? Pierre Aye Ndione antwortet mit seinem Lieblingsvers aus der Bibel: "Gott steht mir bei, und ich wanke nicht." (vgl. Ps 16,8). Unter den 60 Priestern, die im Erzbistum Bamberg derzeit als Urlaubsvertretung eingesetzt sind, sind aber nicht nur Geistliche aus dem senegalesischen Partnerbistum. Sie stammen aus mehr als 14 Nationen, sind aus Indien, Kroatien oder Polen nach Deutschland gekommen.

Auch Professor Jozef Lach ist einer von ihnen. Der polnische Priester ist Urlaubsvertreter in der katholischen Pfarrgemeinde St. Kilian in Bad Staffelstein im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels. Er ist ebenfalls überzeugter "Wiederholungstäter". Bereits zum vierten Mal vertritt er derzeit den dortigen Seelsorger.

Die Liturgie sei hier in Deutschland dieselbe, nur die Sprache eine andere. "Der gravierende Unterschied ist aber, dass zu Hause 90 Prozent der Aufgaben von Priestern übernommen werden und nicht wie hier oftmals auch von Laien", sagt der 67-jährige Geistliche und Professor für Theologie, Anthropologie und Ethik aus dem Bistum Tarnów. "In Deutschland ist dies schlichtweg unumgänglich, weil die Priester dafür fehlen", fügt er hinzu.

In Polen häufiger Zustimmung zum Ausschluss von Sakramenten

Diskussionen, etwa über die Segnung homosexueller Lebenspartnerschaften führe er in Gesprächen mit den Gläubigen hierzulande häufig. Letztlich seien diese aber genaugenommen überflüssig. Ein Blick auf die katholische Lehre reiche eigentlich völlig aus. Zu entscheiden habe das aber schlussendlich die Bischofssynode im Oktober. In Polen erlebe er häufiger als hier dafür Zustimmung, dass gewisse Umstände - etwa die Wiederheirat nach einer Scheidung - unumgänglich zum Ausschluss von Sakramenten führe.

Fronleichnamsprozession in Polen. "Zu Hause werden 90 Prozent der Aufgaben von Priestern übernommen und nicht wie hier oftmals auch von Laien", berichtet der Priester Jozef Lach.

"In Polen gibt es schon ein wenig ein anderes Verständnis", sagt er. "In meiner Diözese zu Hause gilt zum Beispiel der Besuch des Sonntagsgottesdienstes nach wie vor als geboten." In Deutschland beruhe manches zu sehr auf Freiwilligkeit und weniger auf einer gewissen Verbindlichkeit. "Natürlich bedürfen neue Zeiten in mancherlei Hinsicht ein Überdenken des bislang Geltenden, aber den Wesensgehalt der katholischen Lehre darf man dabei nicht aus den Augen verlieren."

Die Menschen in seiner Gemeinde auf Zeit hat er in jedem Fall ins Herz geschlossen. "Es ist mir jedes Mal eine Ehre und große Freude, hier die Vertretung zu übernehmen und mich auszutauschen", sagt er. Ein Kennenlernen anderer Ansichten und ein Blick über den eigenen Tellerrand - auch dafür kann die Zeit der Ferienordnungen in den deutschen Gemeinden gut sein. Für Geistliche wie Gläubige gleichermaßen.

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