Ein Zeichen - auch für den Pfingstmontag?
Es ist ein ökumenischer Höhepunkt des Reformationsjubiläums. Katholiken und Protestanten feiern am Samstag in Hildesheim einen gemeinsamen "Buß- und Versöhnungsgottesdienst". Und die Feier soll nach dem Willen beider Seiten zeigen, dass Ökumene in Deutschland eine gute Grundlage hat und man heute gemeinsam unterwegs ist. (Auch wenn das gemeinsame Abendmahl nach wie vor noch aussteht.)
Die Feier unter dem merkwürdigen Titel "healing of memories" hat auch internationale Bedeutung. Das veranschaulicht die Rednerliste. Während des Gottesdienstes sprechen die beiden Spitzenvertreter der Kirchen in Deutschland, Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in einer - eine Premiere - gemeinsamen "Dialog-Predigt". Im Anschluss kommen mit Grußworten unter anderen der Ökumene-Minister des Vatikan, Kurienkardinal Kurt Koch, und der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, zu Wort. Das ist die erste Liga des ökumenischen Gesprächs.
Ein weiteres Grußwort kommt von Bundespräsident Joachim Gauck. Er nimmt - wie auch Kanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle - an dem Gottesdienst teil. Die Präsenz von vier der fünf Verfassungsorganen zeigt, welche Bedeutung ein gutes Miteinander der Konfessionen gerade in Deutschland hat, dem Kernland der Reformation. Aber es bleibt doch zwiespältig. Mancher in Hildesheim wundert sich, dass die üblichen Kirchgänger der lokalen Gemeinden von vornherein nur Zugang bekamen zu einem weiteren Gotteshaus, in der die Live-Übertragung zu verfolgen ist. Da verdrängt also der "offizielle Rahmen" die Gläubigen vor Ort.
Sage niemand, dass mit der Feier in Hildesheim sich bei den großen Fragen der Ökumene gar nichts verändere. In mehreren deutschen Bistümern, so in Osnabrück und Rottenburg-Stuttgart, finden gleich am nächsten Tag vergleichbare Feiern statt.
Der nächste Tag nach dem Samstag ist ein Sonntag. Und ökumenische Gottesdienste an einem Sonntag sind eigentlich so gar nicht im Sinne der Deutschen Bischofskonferenz. Immer mal wieder gab es Bemühungen, den Pfingstmontag (der ja sogar im Vatikan ein Werktag ist) zu ökumenischen Gottesdiensten zu nutzen und damit an der Basis die Verbundenheit zu pflegen. Und wenn doch nun Bischöfe an einem Sonntag ..., dann könnte doch auch mal die Basis am Pfingstmontag ... Auch da zeigt sich: Es ist gut, dass es die Feier von Hildesheim gibt. Auch lange Wege bedürfen der kleinen Schritte. Und vielleicht sind es angesichts der medialen Aufmerksamkeit auch diverse kleine Schritte, die am Samstag gegangen werden.
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