Eine Bilanz
Süßigkeiten
42 Tage ohne Schokolade (Sonntage eingerechnet). Das macht 1.008 Stunden, 60.480 Minuten, 3.628.800 Sekunden. Und ein paar Tage fehlen ja noch bis am Ostersonntag die Fastenzeit endet. Kurz: Es war eine lange Zeit ohne Süßigkeiten.
Ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig stolz auf mich bin. Mit Blick auf meine bisherigen Fastenerfahrungen, die eher kläglich endeten, freue ich mich, dass ich sechs Wochen ohne Schokolade, Kuchen und - ich erwähnte dieses Laster bereits im ersten Fasten-Blog – Nutella ausgekommen bin.
Doch trotz aller Freude macht mich die Fastenzeit immer noch nachdenklich. Habe ich das jetzt für mich gemacht oder für Gott? Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich auch um meiner selbst willen gefastet habe. Nicht nur, aber ein bisschen. Schlimm finde ich das nicht. Denn allein, dass ich dieses Mal die Fastenzeit wirklich genutzt habe, mir Gedanken über mich und den Sinn dieser Zeit der Buße zu machen, halte ich für wichtig. Gelegenheit zum Nachdenken bieten auch die nächsten Tage, in denen das Leid Christi präsent wird. Da werde ich ganz bewusst und in Gedanken an Ihn noch einmal verzichten, bevor ich nach der Feier der Osternacht das Fasten breche – und mich über die Auferstehung und das Ende von 40 Tagen ohne Süßes freue.
Fleisch
Vier Tage noch, dann dürfen wir endlich die Auferstehung Christi feiern, dann ist die Fastenzeit endlich vorbei! Wobei, nein. Den letzten Satzteil muss ich streichen. Ich sehne das Ende der Fastenzeit nicht wirklich herbei. Ich werde das Fasten gewiss nicht vermissen, aber es wäre auch nicht schlimm, wenn es noch weiter gehen würde.
Wenn ich so auf die vergangenen 40 Tage zurückblicke, komme ich daher zum gleichen Ergebnis wie in den vergangenen Jahren. Auf Fleisch zu verzichten, fällt mir einfach nicht schwer. Das ist eine Frage der Gewohnheit.
Aber ich hatte mir auch – wieder - vorgenommen, mich geistig intensiv auf das Osterfest vorzubereiten. Und das hätte mir deutlich besser gelingen können, wenn ich ehrlich bin. An ein wirklich geregeltes geistiges Leben, an einen geistigen Habitus, werde ich mich vielleicht nie so ganz gewöhnen.
Aber es geht beim Fasten am Ende wohl auch gar nicht darum, ob es mir nun schwer fällt oder zur Gewohnheit wird. Jetzt, kurz vor Ostern, muss ich mir die Frage stellen, ob ich mich geändert habe. Ob ich die Zeit genutzt habe, mich gut auf das Osterfest vorzubereiten. Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Aber ich freue mich darauf, in vier Tagen endlich die Auferstehung Christi feiern zu dürfen.
Alkohol
Die Fastenzeit neigt sich ihrem Ende zu und ich denke darüber nach, was mir die Tage des Verzichts wohl gebracht haben. Bin ich ein anderer, vielleicht sogar ein besserer Mensch geworden? Sicher nicht. Auf der anderen Seite war ich – so hoffe ich – in dieser Zeit aber auch kein unangenehmer Mensch. Kein schlechterer Gesprächspartner als sonst, kein schlechterer Sohn, Bruder, Freund oder Arbeitskollege.
Vielleicht war ich in diesen (bisher fast) 40 Tagen etwas ruhiger, besonnener und in mich gekehrter, als ich es für gewöhnlich bin. Vielleicht. Denn wer auf etwas verzichtet, der denkt in regelmäßigen Abständen und in bestimmten Situationen an diesen Verzicht. Eine spirituelle Erinnerungsmail, wenn man so will. Und in der steht: Es geht nicht um den Verzicht selbst. Er ist nur Symbol für etwas anderes, über das es sich ab und zu nachzudenken lohnt.
Jetzt, in der Karwoche, wird mir das noch einmal besonders bewusst. Das Verzichten zeigt mir, wie gut es mir eigentlich geht. Dass mein "Leiden" nichts ist, im Vergleich zu dem, was andere Menschen überall auf der Welt tagtäglich durchmachen müssen. Und was selbst der Sohn Gottes erleiden musste, stellvertretend für alle Menschen. Gleichzeitig bleibt aber auch Zeit, an die schönen Dinge zu denken und daran, dass der Verzicht bald ein Ende hat. Auch das darf sein. Denn der Karfreitag lässt sich auch nur mit dem Blick auf Ostern ertragen.