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Sandra Pantenburg über das Leben in einer Theologiestudenten-WG

"Eine gute Gebetsschule"

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Ein Kreuz im Museum Kolumba.
Vallendar - Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar bietet eine Wohngemeinschaft für Theologiestudenten an. Das Motto lautet: "Leben – Lernen – Beten". Mitbewohnerin Sandra Pantenburg hat mit katholisch.de über die Besonderheiten ihrer WG gesprochen.

Frage: Frau Pantenburg, wie sind Sie auf die Idee gekommen, in der Wohngemeinschaft zu wohnen?

Pantenburg: Ich habe seit einiger Zeit überlegt, in Vallendar zu studieren. Im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeiterinnen des Dekanats habe ich dann erfahren, dass eine Studierenden-WG in Planung sei. Dieses Projekt hat mich fasziniert, da man durch das Wohnen auf dem Gelände der Hochschule in den Gesamtkontext des Hochschulortes eingebunden ist. Ich habe mich dann umgehend beworben und auch einen Platz in der WG erhalten.

Frage: Was begeistert Sie an der WG und was an Ihrem Studium?

Pantenburg: Ich möchte die Frage herumdrehen und zunächst mit dem Studium beginnen. Für mich bedeutet das Theologiestudium, neben der wissenschaftlichen Seite, das Suchen und Forschen nach einem großen, im letzten doch unergründlichen Geheimnis. Und damit unterscheidet es sich deutlich von einem Informatikstudium. Hier geht es um Gott, den Schöpfer des ganzen Universums, der sich uns Menschen offenbaren möchte. Vieles aus den Vorlesungen und Seminaren begleitet mich somit durch den ganzen Tag. Die WG ist dann ein toller Ort mit anderen in Austausch zu treten und sich so gegenseitig zu bereichern. Spätestens bei der abendlichen Komplet ist es wunderbar im Tagesrückblick die Möglichkeit zu haben, Dinge, die mich bewegen nochmals anzusprechen.

Frage: Sie leben nun schon seit fast einem Jahr in dieser WG. Wollen Sie noch länger bleiben?

Pantenburg: Sofern es von der Hochschule aus möglich ist, dass ich verlängere, würde ich dort gerne noch etwas bleiben. Der Mietvertrag wird im Normalfall für ein Jahr geschlossen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich damit ganz bewusst für eine "besondere" Zeit entscheidet. Anders als in einer herkömmlichen WG, in der man oft über Jahre hinweg zusammenwohnt, würde ich das Leben in der Studierenden-WG vielleicht eher als Oasenzeit betrachten. Im Kontext des Gesamtkonzeptes "grabe" ich bewusst nach der Quelle des Lebens. Dies äußert sich konkret in den gemeinsamen, festgelegten Gebetszeiten, in denen wir das Wort Gottes hören und betrachten, in den Gemeinschaftsabenden, in den vielfältigen Begegnungen im Haus, in den gemeinschaftlichen Aktivitäten und der vereinten Suche nach der Bedeutung des Glaubens für unser Leben. Dies bedeutet hin und wieder wirkliche "Arbeit", durch die man aber immer beschenkt wird.

Die 39-jährige Sandra Pantenburg lebt seit einem Jahr in der Theologen-WG. Nach einem "etwas längeren Weg der Sehnsucht", sei sie ihrem Herze gefolgt und habe sich noch für ein Studium der Theologie entschieden.

Frage: Wie ist die Atmosphäre bei Ihnen?

Pantenburg: Natürlich leben in dieser WG keine Engel, sondern Menschen. Im täglichen Miteinander gibt es also durchaus auch schon mal Missverständnisse oder Spannungen wie in jeder anderen WG auch. Die vielfältigen Aktivitäten bieten dann aber auch den Raum, darüber zu sprechen und sich besser kennenzulernen. Sei es beim gemeinsamen Kochen, beim Brunch am Sonntagmorgen nach der Messe, beim Grillabend am Teich oder im Rahmen der tollen Angebote innerhalb des Hauses der PTHV. Gemeinschaft trägt und fordert dazu auf, mit den anderen weiterzugehen. Sehr schön und hilfreich ist es, dass uns zwei Begleiter an die Seite gestellt wurden. Sie sind vor allem bei den Gemeinschaftsabenden dabei – und stehen uns jederzeit mit Rat und Tat zur Seite! Nicht zuletzt formt meines Erachtens nach auch das Gebet die WG – das Leben dort ist eine gute Gebetsschule. Wir beginnen und enden den Tag gemeinsam im Oratorium, das schafft eine "unsichtbare" Einheit.

Frage: Gibt es darüber hinaus andere Dinge, die Sie gemeinsam tun? Zum Beispiel für eine bevorstehende Prüfung zu lernen?

Pantenburg: Da wir in unterschiedlichen Semestern studieren, ist ein gemeinsames Lernen für Prüfungen nicht wirklich möglich. Aber dennoch setzen wir uns zum Lernen zusammen und bitten einander um Hilfe. Nicht zu vergessen, gibt es neben der WG natürlich auch noch Kommilitonen, mit denen man sich treffen kann.

Frage: Wie sieht es mit dem ganz persönlichen Glauben aus? Diskutieren Sie miteinander darüber?

Pantenburg: Ja, das tun wir. Denn was mich und mein Leben berührt, was mich vielleicht umtreibt, die Fragen, die sich mir stellen, das alles drängt nach Austausch. Glauben ist nicht nur Privatsache! Selbstverständlich gibt es dabei unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen der Dinge. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, wie hilfreich es ist, aus meiner Begrenzung herauszutreten, andere anzuhören, die Vielfalt der Ansichten und Lebensentwürfe zu entdecken und damit auch meinen Blick weiten zu lassen. Gerade in der Theologie, wo ich nicht so einfach Beweise anführen kann, sind diese Diskussionen spannend!

Frage: Das klingt nicht nach einer normalen WG. Gibt es noch mehr Besonderheiten?

Pantenburg: Viele! Der Ort ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. Ich lebe hier nicht in einer großen, anonymen Ansammlung von Menschen, sondern in einem eher freundschaftlichen Rahmen. Durch die diversen Gruppierungen, die alle unter dem Dach der Hochschule leben, ist der Alltag von vielerlei Begegnungen geprägt. Mit der Zeit kennt man sich einfach. Zu der Pallottinischen Gemeinschaft haben wir eine gute Beziehung. Sonntags feiern wir gemeinsam den Gottesdienst oder halten einfach mal einen Plausch auf dem Flur.

Darüber hinaus ist hier immer "was los". Die sehr unterschiedlichen und interessanten Angebote halten für jeden Geschmack etwas bereit. Auch, was das Studium betrifft: So genieße ich die relativ geringe Zahl an Studierenden vor Ort, die Professoren kennen jeden Einzelnen, so dass man in einem persönlichen Rahmen lernt, wo dann auch die eine oder andere Diskussion Platz hat. Für mich bedeuten die Vorlesungen einen lebendigen Austausch zwischen den Beteiligten. Man spürt, wie wichtig es den Professoren ist, uns das mitzugeben, was sie selbst bewegt. Und das nicht nur bis zur nächsten Prüfung, sondern für's Leben!

Isabel Meuser, Anne Schlund, Patrick Wöhrle und Sandra Pantenburg (v. l.) leben zusammen in der Wohngemeinschaft "Leben - Lernen - Beten".

Frage: Wenn Sie und ihre Mitbewohner so viel gemeinsam machen. Haben Sie da nicht manchmal das Gefühl, sich zurückziehen zu müssen?

Pantenburg: Ja, durchaus. Und das ist auch legitim und in der Freiheit jedes Einzelnen. Wir beten morgens gemeinsam die Laudes und beenden den Tag mit der Komplet. Während des Tages trennen sich unsere Wege in der Regel, da es unterschiedliche Vorlesungszeiten und Aktivitäten gibt. Jeder gestaltet den Tag selbst, so dass es immer mal wieder Zeiten der Zurückgezogenheit geben kann.

Frage: Mit Beginn der WG wollten sie diese unter das Patronat eines himmlischen Begleiters stellen. Wen haben Sie gewählt?

Pantenburg: Bei der offiziellen Gründung der WG, am 1. November 2014, haben wir uns einstimmig für Madeleine Delbrêl entschieden. Madeleine Delbrêl (1904-1964) hat mit einer Gruppe Frauen mitten in Paris unter den Menschen gelebt. Ihre Berufung war es, Gott im Alltag "einen Ort zu sichern" und ihn in allen Dingen zu suchen. Diese Vision hat uns fasziniert. Vielleicht gelingt es auch uns, hier an der Hochschule – mitten im Studienalltag – und in unserem Leben Gott einen Ort zu sichern, und uns von IHM beschenken zu lassen.

Frage: Wer kann nun in die WG einziehen?

Pantenburg: Grundsätzlich zunächst einmal jeder, der an der PTHV als Student der Katholischen Theologie eingeschrieben ist. Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit eines einjährigen Schnupperstudiums. Während dieser Zeit kann man ebenfalls in der WG leben. Da es nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen gibt, werden diese in einem Bewerbungsverfahren vergeben. Am besten schaut man einfach auf die Homepage oder man meldet sich direkt persönlich im Studiendekanat. Wir freuen uns auf neue Mitbewohner!

WG-Bewohner werden

Die Studierenden-WG verfügt über eine eingeschränkte Zahl von Plätzen, die in einem Bewerbungsverfahren für ein Jahr vergeben werden. Eine Verlängerung ist möglich. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester ist jeweils der 01. September, für das Sommersemester der 01. Februar. Die Kosten betragen 250 Euro pro Monat.

Weitere Informationen
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