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Warum die Steyler Missionare Schuldenschnitt bei Solarworld zustimmen

"Eine vernünftige Entscheidung"

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Zwei Mitarbeiter arbeiten am 05.08.2013 in der Modulkontrolle der Solarworld AG in Freiberg (Sachsen).
Bonn - So wie es scheint, kriegt Deutschlands Marktführer für Solarstromtechnologie noch einmal die Kurve. Nur noch die Aktionäre müssen dem Rettungsplan für Solarworld zustimmen. Bereits am Montag und Dienstag hatte der von der Pleite bedrohte Konzern aus Bonn die Gläubiger dazu bewegen können, durch einen Schuldenschnitt 55 Prozent des Geldes abzuschreiben. Im Klartext heißt das: Ein großer Teil des investierten Geldes ist futsch. Betroffen davon ist auch ein kirchlicher Orden.

Zu den Gläubigern gehören auch die Steyler Missionare. Nach eigenen Angaben ist der Orden über seine Arnold-Janssen-Stiftung mit 700.000 Euro bei einer Anleihe von Solarworld engagiert. Missionsprokurator Pater Konrad Liebscher war am Montag mit einem großen dunklen Kreuz um den Hals auf der Versammlung in Bonn erschienen, um dem Schuldenschnitt zuzustimmen. "Das trifft uns sehr hart", sagte Liebscher nach der Versammlung. Es sei aber eine vernünftige Entscheidung. "Die Perspektiven bei einer Insolvenz wären erheblich schlechter gewesen."

Orden nicht im Minus

Gestern erläuterte Liebscher im Hauptsitz der Steyler in Sankt Augustin bei Bonn seine Entscheidung dann näher. "Die Gläubiger haben sich für das kleinere Übel entschieden", so der Pater. "Hätten sie nicht zugestimmt, dürfte die Insolvenz nach eigener Einschätzung von Solarworld kaum zu vermeiden sein. Und dann würden vielleicht nur noch zehn Prozent der Anleihe zurückgezahlt werden."

Liebscher ist Missionsprokurator und Mitglied des Vorstandes der Arnold-Janssen-Stiftung
Für den Schuldenschnitt: Pater Konrad Liebscher.

Vehement wandte sich Liebscher gegen einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" mit dem Titel "Orden im Minus", dessen Autor die Ordensgemeinschaft nun in Schwierigkeiten sieht. "Das ist kompletter Unfug", so Liebscher. Auch die Steyler Bank führe in ihrem Depot keine Solarworld-Aktien, weshalb deren Kunden nicht betroffen seien. "Selbst für die Arnold-Janssen-Stiftung gibt es direkt noch keine Auswirkungen."

Laut Liebscher hat ein Spender der Stiftung sein Wertpapierdepot als Schenkung übertragen. Darin sei eine Wertpapieranleihe "Solarworld" enthalten. Das Depot sei "konservativ aufgestellt", sein Management liege noch immer in den Händen einer Vertrauensperson des Spenders. Zum Zeitpunkt des Anleihenkaufs durch den späteren Spender habe es keine Hinweise auf die heutigen Schwierigkeiten der Branche gegeben, hieß es.

Solarworld hat nach Presseberichten rund 900 Millionen Euro Schulden. Wie auch andere deutsche Unternehmen der Branche hatte es im Zuge von Preiskämpfen mit Unternehmen aus China große Probleme bekommen.

Solarworld und der Vatikan

"Als wir das Wertpapier im Depot sahen, fanden wir es nicht schlecht", erläutert Liebscher weiter. Für die Steyler Missionare gehöre die Bewahrung der Schöpfung zu den "obersten Leitlinien". Neben den Missionaren setzt auch die katholische Kirche in Deutschland immer mehr auf erneuerbare Energien – und Solarworld hat sogar eine sehr spezielle Leitung in den Vatikan: Seit knapp fünf Jahren hat die Vatikanische Audienzhalle Solarzellen auf ihrem Dach; sie sind ein Geschenk des Bonner Unternehmens.

Die Anlage besteht aus mehr als 2.000 Modulen und hat die Größe eines Fußballfeldes. Sie wird jährlich 300.000 kWh Strom liefern.
Solarworld-Chef Frank Asbeck im Vatikan. Am 26. November 2008 wurde die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der päpstlichen Audienzhalle Paul VI. in Betrieb genommen werden.

Nach dieser Initiative wurde Papst Benedikt XVI. – der sich mehrmals für Umweltschutz und Solarenergie ausgesprochen hatte und zudem ein Elektro-Papamobil fuhr – zweitweise von den Medien "der grüne Papst" genannt.

Die markanten 2.400 Panels mit ihrer Spitzenleistung von 220 Kilowatt sparten schon in ihren ersten Betriebsstunden 50 Liter Heizöl ein und verhinderten in den ersten beiden Jahren 225 Tonnen CO2-Ausstoß. Für Solarworld-Chef Frank Asbeck brachte das Geschenk an den Vatikan vor allem Prestige – wohl aber keinen finanziellen Segen. Ein geplantes weiteres Projekt mit dem Vatikan – eine riesige Solaranlage auf vatikaneigenem Gelände nördlich von Rom – verlief im Sande.

"Unterm Strich zufriedenstellende Zahlen"

Die nach dem 2003 heiliggesprochen Ordensgründer benannte Arnold-Janssen-Stiftung ist eine sogenannte Dachstiftung, in der Stifter eigene Stiftungen anlegen können. Der Ordensgemeinschaft zufolge dienst sie den Missionaren dazu, "Nothilfe zu gewähren, materiell und seelisch Arme zu unterstützen, Hilfsbedürftige medizinisch zu versorgen, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, Bildungsnotstände abzubauen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten."

Zustiftungen flössen in das Vermögen der Stiftung und dienten als langfristige Kapitalanlage, deren Erträge der Projektarbeit der Steyler Missionare weltweit zu Gute kämen – so auch das Depot mit dem Solarworld-Anteil.

Die Arnold-Janssen-Stiftung ist laut Liebscher "vorerst Nutznießer der Erträge" des geschenkten Wertpapierdepots. "Insofern rechnen wir natürlich für die Zukunft mit weniger Erträgen aus der Solarworld-Anleihe", erläuterte der Pater weiter. "Zum Glück gibt es aber in eben diesem Depot auch sehr gute Renditetitel, so dass wir unterm Strich mit zufriedenstellenden Zahlen rechnen." (Mit Material von KNA und dpa)

Von Christoph Meurer und Agathe Lukassek

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