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Der Hundertjährige Kalender überrascht mit seinen Prognosen

Einst wie eine zweite Bibel

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Ein Feld mit Sonnenblumen, im Hintergrund eine Kirche.
Bonn - Seit jeher spielen natürliche Wetterboten im Leben der Menschen eine bedeutende Rolle. Aus dem Verhalten von Bienen, Kröten, Vögeln, Spinnen oder Schnecken können Naturkundige bevorstehenden Sonnenschein oder aufziehenden Regen ebenso deuten wie aus dem Öffnen und Schließen von Blüten. Derartige Signale der Natur fanden neben anderen wiederkehrenden Naturerscheinungen ihren Niederschlag im sogenannten Hundertjährigen Kalender.

Bauern achteten und benutzten ihn früher als eine "zweite Bibel". Auch heute noch überrascht es, wie zutreffend manche Erkenntnisse und Überlieferungen des oberfränkischen Mönchs Mauritius Knauer (1613 - 1664) wirken. Der spätere Abt, ein frommer und praktisch veranlagter Mann, zeichnete in seiner Klosterzelle im Zisterzienserkloster Langheim bereits vor rund 375 Jahren viele "immerwährende Übersichten" als langjährige Wetter- und Naturbeobachtungen auf. Kenntnisse aus der Astronomie und den Naturwissenschaften erleichterten ihm seine Prognosen ebenso wie der Umstand, dass er sich in einem Klosterturm ein eigenes Observatorium einrichten konnte. Hier nahm er zwischen 1652 und 1658 jeden Tag sehr akribisch Wetteraufzeichnungen vor.

Meteorlogie und vergessenes Brauchtum

Bäuerliche Wetterregeln, verbreitete Sprichwörter, die Einflüsse der Planeten und der Zyklus des Mondes trugen zur Entstehung eines zunächst "Siebenjährigen Kalenders" mit Ratschlägen für die Landwirtschaft des Klosters bei. Daraus entwickelte sich später der "Hundertjährige Kalender", der heutzutage von Januar bis Dezember gilt. Er hat seine Ursprünge in Himmelsdeutung, Wolkenbild, Wind, Gewitter, Hagel, Schneefall oder Trockenheit und beruht auf Erkenntnissen der Meteorologie sowie der Erinnerung an fast vergessenes Brauchtum.

Ein von der Sonne durchfluteter Herbstwald.
Ein von der Sonne durchfluteter Herbstwald.

Abt Mauritius Knauer, der sich um wirtschaftliche Belange seines Klosters kümmerte, befasste sich wohl als erster mit einer gezielten "Wettervorhersage" in einem von ihm erstellten Wirtschaftskalender. Schon als Bauernsohn und später als Wissenschaftler vermerkte er dafür in seinem Tagebuch Wind und Wetter, Planeten-, Sonnen- und Mondstand. Zugleich notierte er aber auch Wettererfahrungen der Bauern und erstellte daraus maßgebende Hinweise für Klosterbrüder, Landwirte und Winzer.

Regentschaft der Planeten

Seine Daten zu Aussaat und Pflanzung, Wachstum, Ernte, Wetter und Gesundheit wurden von lesekundigen Menschen mündlich verbreitet. Im Ablauf von sieben Jahren - was Knauers Beobachtungszeitraum entsprach - sollten sich alle Witterungserscheinungen wiederholen. Den Verlauf von sieben aufeinander folgenden Jahren hielt er für seinen "Kalender" für ausreichend.

Abt Mauritius ging davon aus, dass alles auf der Erde durch den Lauf von Sternen, Planeten und dem Mond beeinflusst wird. Die Planetenfolge von Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und schließlich des Mondes wiederholte sich in diesem Zeitraum und bestimmte die Wettervorhersagen. Die Regentschaft der jeweiligen Planeten ist neben dem jeweiligen Stand des Mondes ausschlaggebend für manche Naturereignisse und Wetterbesonderheiten. Das "Mondjahr" 2013 etwa verheißt einen sehr wechselhaften, mal trockenen und kalten, dann wieder verregneten, warmen Frühling. Ein heißer Sommer lässt lange auf sich warten, wird recht kurz und geht in einen feuchten und frostigen September und unbeständigen Herbst über.

Genauer als die Tagesschau?

Ob auch jede Wettervorhersage wirklich zugrifft, kann man natürlich erst im Nachhinein prüfen. Welche der bisherigen Prognosen einer Überprüfung standhalten konnten, darüber geben zahlreiche historische Kalenderbücher Aufschluss. Sie halten das Wissen der Mönche und die daraus abgeleiteten Bauernregeln aus der Landwirtschaft in mittelalterlichen Klöstern fest. Schließlich waren Kalender und Bibel einmal ernstzunehmender, verbreiteter Lesestoff der Bauern, die sich gern nach den Angaben richteten.

Von Karl-Heinz Wiedner (KNA)

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