EKD-Vizepräsident Gundlach: Brauchen einen starken Ratsvorsitzenden
Der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes, Thies Gundlach, kritisiert Vorbehalte der evangelischen Landeskirchen gegen eine Stärkung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie gegen eine intensivere Zusammenarbeit untereinander. "Wie in der EU sind die regionalen Interessen deutlich dominanter geworden in den letzten Jahren, der Wille zur Zusammenarbeit geht zurück, und die Bereitschaft zusammenzuarbeiten ist schwächer geworden", schreibt Gundlach in einem am Montag von der Zeitschrift "zeitzeichen" online veröffentlichten Beitrag. Die EKD stehe unter Generalverdacht. Dabei wisse im Grunde jeder, dass ein starker EKD-Ratsvorsitzender allen gut tue.
Derzeitiger Ratsvorsitzender und damit oberster Repräsentant der EKD ist seit 2014 Heinrich Bedford-Strohm (60). Der bayerische Landesbischof hatte Ende Oktober angekündigt, nicht wieder für den Ratsvorsitz zu kandidieren. Im Herbst 2021 wählt die Synode der Evangelischen Kirche einen neuen Rat und einen neuen Ratsvorsitzenden.
Misstrauen gegen "Die-da-oben"
"Es dominiert jene protestantische DNA, die die jeweils nächsthöhere Ebene als das eigentliche Übel der Kirche ansieht" und derzufolge "Kirche im eigentlichen Sinne" immer jene Ebene sei, auf der man sich gerade befindet, schreibt Gundlach weiter, der die Hauptabteilung "Kirchliche Handlungsfelder und Bildung" im Kirchenamt leitet. Das Misstrauen gegen "Die-da-oben" wiederhole sich auf jeder Ebene und schwäche die Handlungs- und Kampagnenfähigkeit bis zur Selbstmarginalisierung. "Diese Haltung erschwert nicht nur sinnvolle Zusammenarbeit und zwingend nötige gemeinsame Kommunikation, sondern kostet auch unerhört viel Geld und Lebenszeit", denn sie führe zu einer völlig überdimensionierten und von Misstrauen geprägten Gremienkultur, kritisiert Gundlach.
"Aber je geringer die Ressourcen der Kirche werden, desto enger müssen alle zusammenrücken und die vielen internen Abwertungen und Abgrenzungen, Streitigkeiten und Egoismen reduzieren", schreibt der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes mit Bezug auf zu erwartende sinkende Kirchensteuereinnahmen und zurückgehende Mitgliederzahlen. Zukunft habe die Kirche nur, "wenn sie den Gemeinsinn stärkt, den von anderen in der Gesellschaft einzufordern sie nicht müde wird". Aus Gundlachs Sicht gibt es eine "kaum mehr zu begründende Aufspreizung der Gliedkirchen". Damit falle es im Übrigen auch schwer, "von Politik und Gesellschaft selbstverständlich weitreichende Reformen von der Bewältigung der Klimakrise bis zur Flüchtlingsfrage zu erwarten und an dieser eigenen kleinen Strukturfrage nicht weiterzukommen".
Die EKD ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Außenbeziehungen. In den vergangenen Jahrzehnten verlagerte sich der Akzent zunehmend auf den Ausbau des einheitlichen Handelns der Landeskirchen. (tmg/epd)