Erbauliches für fromme Gläubige
In der Bibel findet sich nur bei Lukas eine kurze Kindheitsgeschichte, die über den 12-jährigen Jesus im Tempel (Lk 2,41 ff.). Allerdings ist es keine neue Idee, sich die Kindheit Jesu genauer auszumalen. Das apokryphe Kindheitsevangelium des Thomas aus dem 2. Jahrhundert ist eine einschlägige Quelle für solche Versuche. Am gleichen Thema hat sich 1988 auch die italienische Fernsehserie "Ein Kind mit Namen Jesus" versucht.
Das apokryphe Evangelium präsentiert einen jungen Jesus, der mit seinen Wunderkräften noch nicht so recht umgehen kann und aus Ärger auch schon mal Spielkameraden tötet oder sich mit seinen Lehrern anlegt. Derartige "Ungeheuerlichkeiten" versagt sich der Film, der sich ausdrücklich das Ziel gesetzt hat, Erbauliches für fromme Gläubige zu bieten. Erzählt wird die Geschichte des siebenjährigen Jesus, der mit seinen Eltern aus dem Exil in Alexandria nach Nazareth zurückkehrt. Jesus merkt, dass er die Fähigkeit besitzt, Wunder zu wirken. Seine Eltern wissen nicht so recht, wie sie ihm sagen sollen, dass er der Gottes Sohn ist.
Bedrohungen entstehen für den Jungen durch König Herodes Antipas, der hier als Befehlshaber der römischen Soldaten eingeführt wird und den Centurio Severus beauftragt, den wundertätigen Knaben zu töten. Auch der Teufel agiert als Drahtzieher im Hintergrund, ein junger Mann in schwarzer Kutte, mit blonden Locken, dunklem Bart und einem stechenden Blick, der den Menschen böse Gedanken einflüstert. Doch weder der Satan noch der Centurio können Jesus schaden. Als Severus den kleinen Jesus im Tempel stellt, kann er ihn nicht töten. Am Ende erklärt Maria ihrem Sohn, was ihr der Engel verkündet hat.
Die uninspirierte Inszenierung bleibt ganz dem üblichen Stil historisierender Jesusfilme verhaftet und entwickelt keine eigene Handschrift. Die eigentlich spannende Geschichte eines Jungen, der seine Identität sucht und nicht weiß, wie ihm geschieht, bleibt außen vor; der Film weiß dieses Potenzial nicht zu nutzen. Zwar gibt es am Anfang eine Szene, in der Jesus in eine Rauferei mit einem älteren Jungen verwickelt wird, doch die Bildsprache macht von Anfang an klar, dass es dabei nicht um einen normalen kindlichen Streit geht. Die Kamera erfasst Jesus aus der "göttlichen Perspektive" von oben; wenn sie auf Augenhöhe geht, erstrahlt die Figur in einem überirdischen Gegenlicht.
Vorspiel für das Wirken des erwachsenen Messias
Genau genommen besitzt der Film kaum eine Geschichte. Alles Geschehen ist nur Vorspiel für das, was die Bibel über den erwachsenen Jesus berichtet: die Heilungen und Totenerweckungen nehmen die späteren Wunder vorweg, die Heilung des Onkels im Jordan durch Untertauchen wirkt wie eine Vorausdeutung auf die Taufe Jesu, der Tempelbesuch des Siebenjährigen ist eine Vorwegnahme jener Geschichte, die die Bibel über den 12-Jährigen berichtet.
Kitschige Jesusbilder im Nazarenerstil hat es in Bibelfilmen immer wieder gegeben; die Gefahr, ins allzu Gefällige abzurutschen, ist hier allerdings potenziert: Jesus ist ein süßer Junge mit lockigem Haar, dessen Handeln wie ein Ausprobieren von Messias-Posen wirkt. Seine enge Beziehung zu Gott wird durchgängig betont, was die Konflikte der Eltern, wie sie ihn über seine göttliche Herkunft aufklären sollen, als überflüssig erscheinen lässt. Das Hauptproblem des Films besteht jedoch darin, dass er nur eine Art "Bibel in kleiner Münze" ist. Die Wunder des erwachsenen Jesus stehen in Zusammenhang mit seinen Reden vom Reich Gottes. Der kleine Junge, der noch nicht weiß, dass er der Messias ist, verfügt indessen noch über keine Botschaft. Ein niedliches Aussehen kann diese nicht ersetzen.
Die Verfilmung eines Bestseller-Romans von Anne Rice erzählt die Geschichte des siebenjährigen Jesus, der erste Wunder wirkt und den Bedrohungen ausgesetzt ist, die von König Herodes und einem blondgelockten Satan ausgehen. Die respektvolle, aber uninspirierte Bibelverfilmung bleibt dem traditionellen Stil historisierender Jesusfilme verhaftet und entwickelt kein Gespür für die Suche eines Jungen nach seiner Identität. Die Erlebnisse und „magischen“ Handlungen des Knaben wirken allesamt als Vorspiele für die Geschichten des erwachsenen Jesus. Überdies erliegt die Inszenierung immer wieder der Gefahr, ins allzu Gefällige abzurutschen. - Sehenswert ab 12.
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