"Ernsthafte Aufarbeitung"
Die Versammlung fordert weiter, die synodale Verfasstheit des Bistums wieder ernst zu nehmen und das Kirchenvolk am Verfahren zur Wiederbesetzung des Bischofsstuhles zu beteiligen. Über die Annahme des Rücktrittsgesuchs von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst durch den Papst zeigten sich die Mitglieder erleichtert. "In der Einsetzung von Weihbischof Manfred Grothe als Apostolischen Administrator sehen wir eine Gewähr dafür, dass mit einem realistischen Blick auf Geschehenes ein guter Neuanfang für unsere Diözese möglich wird", heißt es in der Erklärung.
Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators, warb um kritische Begleitung für den anstehenden vielschichtigen und langen Prozess und zugleich um einen Vertrauensvorschuss. "Wir müssen unsere Diözese nicht neu erfinden, sondern wieder gesunden lassen", sagte der Pfarrer. Es habe fünf Jahre gebraucht, um in die Krise hinein zu kommen, und es werde nach seiner Einschätzung genauso lange dauern, wieder heraus zu kommen.
Außerdem plädierte Rösch für das offene Wort und den Dialog untereinander, um die bestehende Verunsicherung durch die über lange Zeit gestörte Kommunikation aufzuheben. Transparenz werde in diesem Zusammenhang als das Zauberwort genannt, viel schwieriger aber sei die Glaubwürdigkeit als das entscheidende Thema. Gemeinsam deutlich machen, dass "wir Kirche sind aus Leidenschaft", lautete seine Empfehlung dazu.
Schillai: Glaubwürdigkeit misst sich auch am Erfolg der Versöhnung
Mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit beschäftigte sich auch die Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai. Sie erklärte, dass die Glaubwürdigkeit nicht zuletzt daran gemessen werde, "wie wir mit dem umgehen, was geschehen ist und wie gut uns wahrhaftige Versöhnung im Bistum gelingt". Voraussetzung dafür aber sei der mühsame und schmerzhafte Prozess der Aufarbeitung.
Schillai sprach sich dafür aus, sich in einem breit angelegten Beratungsgang mit Verantwortlichen im Bistum auf Eckpunkte für eine gelingende Aufarbeitung zu verständigen, um so zu einem breiten Konsens über die Ziele zu kommen. Es reiche aber nicht, nur in den Blick zu nehmen, wie es zum Missbrauch der mit Leitungsämtern verbundenen Macht und zum skrupellosen Umgang mit kirchlichen Geldern kommen konnte, so die Präsidentin. Auch gelte es den Menschen zu helfen, die verletzt wurden und denen Unrecht geschah.
Bei der Wiederbesetzung des Bischofsstuhls wünscht sich die Diözesanversammlung eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolkes. Man erwarte, "dass das Domkapitel die Möglichkeiten, die das kirchliche Recht bietet, voll ausschöpft und den in der letzten Vakanz begangenen Weg weitergeht". Dazu müsse der Kreis derer, die um Kriterien für die Auswahl eines neuen Bischofs und um Namensvorschläge gebeten werden, über die Mitglieder von Domkapitel, Priesterrat und Diözesansynodalrat hinaus erweitert werden.
Rösch: Bistumsleitung nicht untätig gewesen
Trotz aller bisherigen Verzögerungen, zum Beispiel durch die Krankheit von Weihbischof Grothe, sei die derzeitige Bistumsleitung aber in den vergangenen Wochen im Blick auf die nötige Aufarbeitung nicht untätig gewesen, betonte Rösch. Er verwies dabei unter anderem auf vielfältige Gespräche mit allen kurialen und synodalen Gremien, mit der Mitarbeitervertretung und Gruppierungen aus der Diözese.
Weihbischof Manfred Grothe werde nach seiner Rückkehr die Mitglieder des ehemaligen Priesterrates als wichtiges Gesprächsgremium einberufen und mit den Priestern des Hofheimer Kreises sprechen, so Rösch. Außerdem informierte der Pfarrer die Mitglieder der Diözesanversammlung darüber, dass es parallel zum Bericht der Prüfungskommission zum Bau des Diözesanen Zentrums St. Nikolaus auf dem Limburger Domberg weitere rechtliche Prüfungen geben werde.
Konsequenzen werden nach den Worten des Generalvikars auch aus einem unabhängigen kirchenrechtlichen Gutachten gezogen, das die Vorgänge rund um das Sankt Georgswerk aufgearbeitet hat. Das 1948 gegründete Werk "für Wiederaufbau und Wohnungsbau in der Diözese Limburg" war 2011 von Bischof Tebartz-van Elst aufgelöst worden. "Der Verkauf ans Bistum soll rückabgewickelt werden. Die Zweckbindung bleibt bestehen und wir werden sie erfüllen", sagte Rösch. Zudem werde das Bistum noch vor den Sommerferien das Vermögen sowie die damit verbundenen Verpflichtungen öffentlich kommunizieren, kündigte er an.
Die Diözesanversammlung ist die gewählte Vertretung der Katholikinnen und Katholiken des Bistums Limburg. 75 Mitglieder beschäftigen sich in den jährlich zwei Sitzungen mit Entwicklungen im kirchlichen, gesellschaftlichen und staatlichen Leben, geben Anregungen für das Leben in Kirche und Gesellschaft sowie an den Bischof und sein Beratungsgremium und wählen Mitglieder, die die Anliegen der Diözesanversammlung überdiözesan vertreten.
Von Björn Odendahl
Katholisch.de dokumentiert alle wichtigen Etappen des Konflikts um Bischof Franz-Peter Tebartz van-Elst.