Erste Pilgerfahrt durch halb Deutschland
"Ja, ich mache regelmäßig große Radtouren. Aber dieses Jahr wollte ich die Tour unter einen christlichen Aspekt stellen" sagt Torsten Bühring. Für den 47-Jährigen ist das neu. Er hat sich erst im Oktober 2013 taufen lassen. "Ich habe von der Heiligtumsfahrt gehört, und dass die nur alle sieben Jahre stattfindet. Da war mein Ziel klar", sagt Bühring.
Wie er zum Glauben gefunden hat? "Das haben mich viele gefragt. Das Thema 'Glauben' hat im Untergrund wahrscheinlich schon immer in mir gekocht. Ich habe das aber lange vor mir hergeschoben. Anfang letzten Jahres war es dann irgendwie 'reif'", versucht Torsten Bühring seinen Weg zum Glauben zu erklären.
Segen und Gebet von Ordensleuten
Der Weg nach Aachen beginnt früh morgens um sieben Uhr. Auf dem östlichen Ufer der Elbe liegt in Magdeburg die St.-Andreas-Kirche. Mit Pater Michael von den Prämonstratensern ist verabredet, dass der Ordensmann ihm den Pilgersegen spendet. Auch die Benediktinerinnen in Alexanderdorf bei Berlin wollen Bührings Fahrrad-Pilgerfahrt im Gebet begleiten. "Da kann ja dann nichts schief gehen", sagt der 47-Jährige. Die Tour führt den Mitarbeiter eines großen Magdeburger Zeitungsverlages über das Kloster Helfta bei Eisleben, Naumburg (Saale), Gotha, Wildeck in Hessen, Neukirchen (Knüll), Marburg an der Lahn, Wilnsdorf bei Siegen und Köln nach Aachen.
In Aachen wird Bühring nicht alleine sein. Seit über 660 Jahren kommen Menschen als Pilger in die Kaiserstadt zur "Heiligtumsfahrt". Rund 100.000 waren es bei den letzten Wallfahrten 2007 und 2000. Ihr Ziel ist die Verehrung von vier Reliquien, die seit der Zeit Karls des Großen als Schatz im Aachener Dom aufbewahrt werden.
Ziel: Reliquien von Jesus, Maria und Johannes
Der Legende nach erhielt Karl die Reliquien um das Jahr 800 als Geschenk aus Jerusalem. Seit 1349 werden die verehrten Überreste alle sieben Jahre den Gläubigen aus dem europäischen Raum und aus aller Welt gezeigt und dazu für den Zeitraum von zehn Tagen aus dem goldenen Marienschrein im Aachener Dom entnommen.
Die Reliquien, das sind vier alte Stoffe, denen eine große Bedeutung zugesprochen wird: Das Kleid Marias aus der Nacht, in der Jesus geboren wurde; die sogenannten Windeln Jesu; das Tuch, in dem man den Kopf des heiligen Johannes des Täufers nach der Enthauptung barg. Und das Lendentuch Jesu, das er am Kreuz getragen haben soll.
Torsten Bühring hat jetzt 700 Kilometer vor sich. Für die Tour hat er sich ein Fahrradtrikot anfertigen lassen. In den Farben der Heiligtumsfahrt ist es gestaltet. Darauf ist auch das biblische Motto: "Zieh in das Land, das ich dir zeigen werde" (Gen 12,1). Für Bühring ist das jetzt erst einmal Aachen. Am 23. Juni will er ankommen.
Von Markus Kremser